Immobilieninvestments: Historiker warnt vor hohen Rendite-Erwartungen

In den vergangenen Jahren sind die Immobilienpreise in der Bundesrepublik stark angestiegen. Trotzdem ist bei Immobilienanlagen Vorsicht geboten, sagt der britische Wirtschaftshistoriker Elroy Dimson.

Elroy Dimson: „Akademiker neigen dazu, ländliche Gegenden statistisch unter den Tisch fallen zu lassen.“

Ihm zufolge dürfte die reale Entwicklung der Immobilienpreise weltweit im Schnitt bei minus zwei Prozent pro Jahr gelegen haben. Das liege vor allem an den oft übersehenen Kosten für Versicherungen und Instandhaltungsmaßnahmen, notwendigen Anpassungen an neuere Qualitätsstandards und statistische Effekte.

„Weil das Datenmaterial besonders in Metropolen gut ist, neigen Akademiker dazu, ländliche Gegenden statistisch unter den Tisch fallen zu lassen“, erklärt Dimson im Interview mit dem Wirtschaftsmagazin „Capital“ (Ausgabe 07/2018, EVT 21. Juni).

Die viel zitierten Wertzuwächse in Weltstädten seien jedoch alles andere als repräsentativ für den Immobilienmarkt als Ganzes.

Investieren wie ein Staatsfonds

Dimson ist einer der weltweit bekanntesten Finanzmarkt-Historiker. Unter anderem beriet er ein Jahrzehnt lang den inzwischen 900 Milliarden Euro schweren Norwegischen Staatsfonds in der Allokation seiner Mittel.

Dessen Strategie – zwei Drittel Aktienquote – empfiehlt der Ökonom auch geduldigen Privatanlegern. „Ein Staatsfonds verteilt sein Geld auf 8.000 bis 10.000 Aktien weltweit – für etwas unter 0,1 Prozent Gebühren im Jahr“, so Dimson.

„Privatanlegern steht dank günstiger Indexfonds annähernd die gleiche Strategie offen: Tausende Aktien aus der ganzen Welt für nur 0,15 Prozent Gebühren im Jahr. Eine bescheidene Summe für historisch betrachtet fünf Prozent Gesamtertrag nach Inflation mit weltweiten Aktien.“

Keine Furcht vor höheren Zinsen

Zudem rät er im Interview mit „Capital“ davon ab, die eigene Anlagestrategie von kurzfristigen Veränderungen der Zinsen oder auch dem erwarteten Wirtschaftswachstum abhängig zu machen.

„Es gibt historisch betrachtet keinen belegbaren Zusammenhang zwischen dem erwarteten Wirtschftswachstum und den Aktienmarkt-Renditen, auch wenn die Marketingabteilungen der Finanzkonzerne das gern behaupten, etwa mit Blick auf Schwellenländer und die sogenannten Bric-Staaten Brasilien, Russland, Indien und China.“

Auch höhere Zinsen müssten Anleger kaum fürchten, denn: „Je höher die Realzinsen sind, desto höher der Aktienertrag in den nächsten fünf Jahren. Lediglich die Entwicklungsrichtung der Zinsen habe einen negativen Einfluss, da Aktien es in Phasen steigender Zinsen zunächst schwer haben.“

Höhere Realzinsen seien bessere Voraussetzungen, um mit Aktien Rendite zu machen. Es muss laut Dimson also niemand Angst vor steigenden Zinsen haben. (bm)

Foto: Sparrows Capital Limited

 

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