Anzeige
10. August 2018, 13:51
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Lasst den Anleger selbst entscheiden!

Leider traut der deutsche Staat seinen Bürgern bei der Finanzanlage wenig zu. Das zeigt sich auch in Verbindung mit der aktuellen EU-Wertpapierprospektverordnung, deren Umsetzung Ende Juni vom Bundestag beschlossen wurde. Gastkommentar von Michael Stephan, iFunded

Michael Stephan IFunded in Lasst den Anleger selbst entscheiden!

Michael Stephan, iFunded: “Risikohinweise und ausreichende Aufklärung sind ein viel wirksamer Anlegerschutz als Anlageschwellen.”

Es ist erfreulich, dass der Bundestag beschlossen hat, die EU-Wertpapierprospektverordnung umzusetzen und damit den Crowdfunding-Markt in Deutschland im Wettbewerb zum Ausland weiter attraktiver zu gestalten.

Kapitalsuchende Unternehmen haben jetzt die Möglichkeit, Gelder vom Schwarm bis zum Schwellenwert von acht Millionen Euro einzusammeln, ohne hierfür einen Wertpapierprospekt erstellen zu müssen. Vorher lag die Grenze bei 2,5 Millionen Euro. Deswegen ging bisher auf den meisten Crowdfunding-Plattformen das Funding-Volumen für Projekte nicht über 2,5 Millionen Euro hinaus.

Mehr Möglichkeiten für Immobilienentwickler

Die Anhebung der Schwelle auf acht Millionen Euro ist vor allem im Immobilienbereich wichtig gewesen. Nun können Projektentwickler ohne zusätzliche Kosten für die Erstellung eines Prospektes und dem damit verbundenen zeitlichen Aufwand vom zukunftsträchtigen Modell der digitalen Immobilienfinanzierung profitieren.

Wesentliche Hürden bleiben bestehen

Einzelanlageschwellen von 1.000 Euro beziehungsweise 10.000 Euro je Anleger bleiben vorerst weiter bestehen. Dies bedeutet, dass der Funding-Prozess unter Umständen länger dauern kann. Das trifft insbesondere diejenigen Plattformen, die lediglich auf Kleinanleger spezialisiert sind.

Sie stehen weiter vor der Herausforderung, genügend Anleger zu finden, die dann insgesamt die größeren Investitionssummen von bis zu acht Millionen Euro stemmen können. Plattformen, die auch auf institutionelle Anleger ausgerichtet sind, trifft dies weniger.

Risikohinweise und ausreichende Aufklärung sind wichtiger als Anlageschwellen

Begründet werden die Einzelanlageschwellen mit dem Anlegerschutz. Die Regulierung auf einen Maximalbetrag je Investment ist dafür allein aber nicht geeignet. Vielmehr geht es um die saubere Aufklärungsarbeit der Plattformen, die sich in den letzten Jahren deutlich professionalisiert haben.

Das Vermögensinformationsblatt (VIB) ist wesentliche Voraussetzung für den Vertrieb von Anlageprodukten. Der Gesetzgeber hat es mittlerweile so strukturiert, dass der Anleger über die Risiken des Investments hinreichend informiert wird. Die Risikohinweise und ausreichende Aufklärung sind ein viel wirksamer Anlegerschutz als Anlageschwellen.

Privatanleger würden mehr investieren

Dass auch Privatanleger gern mehr als 10.000 Euro investieren würden, sehen wir anhand der Nachfrage bei unseren Anleihen, die wir platziert haben beziehungsweise aktuell platzieren. Hohe fünfstellige Beträge sind hier keine Seltenheit.

Wenn sich der Anleger über das Risiko der Anlage im Klaren ist und es eingehen möchte, sollte er die Freiheit haben, zumindest einen größeren Betrag als bisher zu investieren. Umgekehrt: Wenn ihm das Risiko zu hoch ist, sollte er nicht nur einen kleinen, sondern gar keinen Betrag investieren.

Änderung Ende 2018?

Es besteht die Hoffnung, dass die Politik sich bei der Evaluation des Kleinanlegerschutzgesetzes Ende 2018 doch noch dazu entschließen kann, die Schwellen hochzusetzen oder sogar ganz aufzuheben.

Denn Regulierung ist nur insofern wichtig, dass sie den Anlegerschutz fördert. Durch die Einzelanlageschwellen werden die Anleger weniger geschützt als vielmehr bevormundet. Unsere Gesetze und Verordnungen müssen sich mehr an die neue Welt anpassen: Digitale Investmentplattformen sind nicht mehr wegzudenken. Die Anleger von heute benötigen keine aufwändigen Beratungsgespräche von Bankern in prunkvollen Bankgebäuden. Sie informieren sich im Internet selbst und wollen die Entscheidung selber treffen.

Michael Stephan ist Gründer und CEO der Plattform iFunded.

Foto: iFunded

 

Newsletter bestellen Alle News zu Objekten, Standorten und Finanzierungen... werktags 16.30 Uhr!

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 09/2018

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

PKV – Nachhaltige Geldanlage – Wohnen auf Zeit – Hitliste der Maklerpools

Ab dem 16. August im Handel.

Special Investmentfonds

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Nachhaltig anlegen: Mehr Rendite mit gutem Gewissen
Gewinne im Fokus: Die besten Dividenden-Fonds

Versicherungen

Assekuranz 4.0: Wie der Sprung in die Zukunft gelingt

In zehn bis fünfzehn Jahren wird die Branche kaum wiederzuerkennen sein. Welche Änderungen und Herausforderungen auf die einzelnen Geschäftsbereiche jetzt zukommen.

Gastbeitrag von Dr. Holger Rommel, Adcubum AG und Vincent Wolff-Marting, Versicherungsforen Leipzig

mehr ...

Immobilien

Bauboom schließt Lücken auf dem Wohnungsmarkt nicht

Auf dem Bau in Deutschland herrscht Hochkonjunktur – trotzdem mangelt es an bezahlbarem Wohnraum in Ballungsräumen. Die aktuelle Entwicklung reicht nicht aus, um den Bedarf zu decken, konstatieren die Immobilienverbände und mahnen weitere Maßnahmen an.

mehr ...

Investmentfonds

Türkei-Krise: Nach 2008 haben sich Anleger viel Hornhaut zugelegt

Die Währung ist der Aktienkurs eines Landes. Angesichts des aktuellen dramatischen Verfalls der türkischen Lira haben wir es also mit einem “Mega-Aktiencrash” zu tun. Dabei war das Land früher ein wahrer Outperformer, ein Aktienstar. In seiner Amtszeit als Ministerpräsident ab 2002 hat ein gewisser Herr Erdogan eine marode türkische Volkswirtschaft mit harten Wirtschaftsreformen in eine blühende Landschaft verwandelt. Doch dann wiederholten sich die typischen Fehler von Schwellenländern. Die Halver-Kolumne

mehr ...

Berater

Neue Bestmarke von Fonds Finanz

Der Münchner Maklerpool Fonds Finanz meldet einen positiven Verlauf für das Geschäftsjahr 2017 mit erneut gestiegenem Umsatz.

mehr ...

Sachwertanlagen

Zweitmarkt-Börse forciert ihre Erstmarkt-Aktivität

Die Fondsbörse Deutschland Beteiligungsmakler AG hat ihre Website Erstmarkt.de einem Relaunch unterzogen und unternimmt einen Neustart mit zunächst fünf Fonds. Zielsetzung ist der Online-Vertrieb neuer Publikums-AIFs.

mehr ...

Recht

Umsatzsteuerkartell aufgeflogen – Betrug im größten Stil

Jahrelang wurde ermittelt. Nun wird ein Riesenerfolg im Kampf gegen Steuerhinterziehung vermeldet. Die Betrüger hatten es auf einen begehrten Rohstoff abgesehen. Der Schaden könnte mehrere 100 Millionen Euro betragen.

mehr ...