8. Oktober 2019, 14:53
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Einzelhandel muss sich neu erfinden

Wie sehen die Retail Hotspots von morgen aus? In den zentralen Innenstadtlagen hat sich die vergangenen 100 Jahre alles um den Einzelhandel gedreht. Nun müssen sich die Destinationen angesichts der Veränderungen in den Kundenstrukturen neu erfinden, um weiterhin attraktiv zu bleiben. Aktuelle Zahlen von Savills prognostizieren einen jährlichen Anstieg des europäischen Online-Einzelhandelsumsatzes von 11,5 Prozent bei einem durchschnittlichen Anteil von 13,1 Prozent bis 2023. UK wird mit knapp 25 Prozent weiterhin an der Spitze des Internethandels sein, gefolgt von den Niederlanden mit 18 Prozent und knapp dahinter Deutschland mit 16 Prozent. Dies geht aus dem aktuellen Savills Report „The Evolution of Retail Destinations“ hervor. Die Folge ist allerdings nicht das Ende des „physischen Stores“.

Im Gegenteil: Der „Store ist als Zugang zu Marke, Service und Entertainment relevanter denn je. Tatsächlich wird sich das Angebot im physischen Einzelhandel jedoch nachhaltig ändern. Doch welche Auswirkungen hat dies auf den europäischen Einzelhandelsmarkt im Allgemeinen und auf Eigentümer sowie Investoren im Besonderen?

Die Symbiose zwischen Online-Shop und klassischem Store

Der Einzelhandel in Europa steht vor neuen Herausforderungen: Die Standortfrage und das Angebot stehen dabei an oberster Stelle. „Die Eigentümer sollten den Fokus mehr auf Erlebnisse und Service legen, sowohl in Hinblick auf das Nutzerprofil als auch bei der Lage. Dadurch erhöht sich die Kundenfrequenz und der Standort sichert sich seine Existenz“, erklärt Marie Hickey, Director Savills Research bei Savills in UK. „Folglich werden es europaweit erstklassige, stark frequentierte Einzelhandelsstandorte leichter haben, den neuen Anforderungen der Branche gerecht zu werden, da sie bereits jetzt eine hohe Durchlaufquote haben. Dennoch sind auch sie nicht immun gegen den Wandel im Handel.“

Nach aktuellen Schätzungen werden bis 2023 28,5 Prozent der Fashionverkäufe in Westeuropa im Internet stattfinden. Dabei handelt es sich im Vergleich zum heutigen Stand um eine Wachstumsquote von 87 Prozent. Der Onlinehandel hat jedoch trotz dieser Quoten den großen Vorteil eines physischen Stores erkannt. Eine US Studie vom ICSC im Jahr 2018 hat ergeben, dass sich die Besucherzahlen einer Website im Einzugsgebiet um 37 Prozent erhöhen, wenn eine Marke einen neuen Shop eröffnet. „Nach Schätzungen von GlobalData kommen 29 Prozent der Onlineverkäufe in UK in Kontakt mit einem Store, entweder durch das Click & Collect Prinzip oder wenn der Kunde das Produkt zuerst im Laden begutachtet hat – beides mit steigender Tendenz“, erläutert Eri Mitsostergiou, Director European Research bei Savills.

Deutschland bereitet sich auf den Wandel vor

Mit Blick auf die europaweite Entwicklung stellt sich zwangsläufig die Frage, ob wir in Deutschland einen ähnlichen Wandel erleben werden. Jörg Krechky, Head of Retail Investment Germany bei Savills, schätzt die Lage folgendermaßen ein: „Es ist nur eine Frage der Zeit bis sich der deutsche Markt ähnlich entwickelt. Unsere Onlinehandel-Wachstumsrate steigt stetig, das ist jedoch nichts Neues. Wichtiger ist, dass sich die Kundenpräferenzen, nämlich die der Kernzielgruppen ,Millenials‘ und ,Babyboomer‘ sehr schnell und stark verschieben. Wir stehen vor der größten Herausforderung des Jahrhunderts bei der strategischen Entwicklung von Einzelhandelsimmobilien.“, sagt Krechky. „Einzelhändler strukturieren ihre Flächenkonzepte sowie Portfolios bereits um. Die Nachfrage nach Premium- und/oder lebensmittelgetriebenen Standorten steigt. Gleichzeitig sinkt die Nachfrage an Sekundär- und Tertiärstandorten. Sie werden in Zukunft weniger lukrativ sein und müssen womöglich mit anderen Nutzungen revitalisiert werden.“

Neben den sogenannten Millenials und Babyboomern gilt es zukünftig, auch die Generation Z vom jeweiligen Markenerlebnis zu begeistern. Bei den „Digital Natives“ spielen Vernetzung, Umweltbewusstsein, Gesundheit und gesellschaftliche Verantwortung eine übergeordnete Rolle. Auch diese Aspekte müssen auf der Fläche berücksichtigt werden.

Die Synergie der Branchen können den Markt beflügeln

Für Investoren, Eigentümer und Einzelhändler ist es deshalb wichtiger denn je, sich mehr an den Wünschen der zentralen Nutzergruppen zu orientieren. Es muss eine Schnittstelle zwischen On- und Offline sowie zwischen Einkauf und Erlebnis geschaffen werden, Zudem kann die Integration von Coworking- und Coliving-Konzepten, von Gastronomie und Hotellerie in Kombination mit dem Einzelhandel eine erfolgsversprechende Synergie sein.

„Der Einzelhandel erlebt die größte Veränderung innerhalb einer Generation. Wir sehen nicht das Ende des physischen Stores, vielmehr erlebt die Branche eine Evolution ihres Angebots. Die spannende Aufgabe für Investoren, Bestandshalter und Betreiber ist es, die Konsequenzen aus diesem Wandel zu antizipieren und mit Investitionen die geeigneten Maßnahmen umzusetzen“, so Krechky.

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