21. November 2019, 10:17
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Kommen in 2020 Minuszinsen in der Baufinanzierung?

Die staatliche KfW-Bank sorgte vergangene Woche für Aufregung: Sie will ab 2020 Förderkredite mit Negativzinsen auf den Markt bringen. Was das genau bedeutet und ob diese Minuszinsen auch bei Baufinanzierern ankommen, kommentiert Michael Neumann, Vorstandsvorsitzender der Dr. Klein Privatkunden AG.

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Michael Neumann, Vorstandsvorsitzender Dr. Klein Privatkunden AG: “Die IT-Systemlandschaft der Banken ist teilweise extrem veraltet und für eine Umstellung auf Negativzinsen sind hohe Investitionsaufwände nötig.”

KfW-Chef Günther Bräunig kündigte in einem Interview an, ab 2020 Förderkredite mit Negativzinsen auf den Markt zu bringen. Allerdings können die durchleitenden Banken den Minuszins IT-seitig noch nicht abbilden und Baufinanzierer können vorerst nicht direkt vom in Aussicht gestellten KfW-Angebot profitieren. Bräunig geht jedoch davon aus, dass bis zum Herbst 2020 alle Banken und Sparkassen in der Lage sein werden, den Negativzins an Endkunden weiterzugeben. Das würde bedeuten: Wer sich Geld für eine Baufinanzierung leiht, zahlt am Ende des Darlehensvertrages weniger zurück, als er am Anfang aufgenommen hat.

Michael Neumann, Vorstandsvorsitzender der Dr. Klein Privatkunden AG, hat allerdings Zweifel an dieser Prognose: „Die IT-Systemlandschaft der Banken ist teilweise extrem veraltet und für eine Umstellung auf Negativzinsen sind hohe Investitionsaufwände nötig. Dass alle Banken und Sparkassen bis Ende 2020 in der Lage sein werden, Minuszinsen abzubilden, bezweifle ich daher stark.“ Neumann vermutet hinter der Äußerung Bräunigs zudem eine ganz pragmatische Motivation: „Da die KfW ihre Mittel nicht direkt an Endkunden vergibt, ist sie auf die technische Abbildbarkeit ihrer Produkte in den Banksystemen angewiesen. Die Prognose und das Zeitfenster – „in einem Jahr“ – wurden meiner Meinung nach bewusst platziert, um den Druck auf die Banken zu erhöhen, die von der KfW avisierten negativen Zinsen auch ihren Privatkunden weiterzugeben.“

Wirtschaft wächst im Schneckentempo

Haarscharf ist Deutschland im dritten Quartal 2019 an einer technischen Rezession vorbeigeschrammt: Die hiesige Wirtschaft wuchs überraschend um 0,1 Prozent, nachdem sie im zweiten Quartal um -0,2 Prozent geschrumpft war. Damit erweist sich die deutsche Wirtschaft als widerstandsfähiger als von den meisten Beobachtern erwartet.

Für eine Entwarnung oder gar eine Trendwende spricht das minimale Wachstum dennoch nicht: „Für den überraschenden Aufwind hat vor allem der private Konsum gesorgt. Das deutsche Exportgeschäft und die Industrieproduktion leiden weiterhin unter der schwächelnden Weltwirtschaft, dem Handelskonflikt zwischen den USA und China und dem drohenden Brexit-Chaos.“ Im Handelsstreit zwischen den USA und China gab es zwar zuletzt minimale Lichtblicke, der Ausgang des Brexits ist aktuell allerdings wieder so ungewiss wie eh und je. Die Verunsicherung schwächt die Wirtschaft weltweit und bremst auch hierzulande wichtige Investitionen. „Hinzu kommt, dass die Bundesregierung die massiven Überschüsse der letzten Jahre nicht für Zukunftsinvestitionen in Bildung oder Infrastruktur genutzt hat und der Standort Deutschland langsam an Attraktivität verliert“, meint Michael Neumann.

USA: Warnsignale mehren sich

In den USA verdichten sich die Warnsignale für eine Trendwende. Fed-Chef Jerome Powell senkte Ende Oktober den Leitzins auf eine Spanne von 1,5 bis 1,75 Prozent, um einer Konjunkturabschwächung vorzubeugen. Eine weitere Zinssenkung erwartet Michael Neumann vorerst allerdings nicht: „Ich gehe eher davon aus, dass die Fed erstmal die weitere Entwicklung abwarten wird. Auch im nächsten Jahr wird die amerikanische Notenbank bereit sein, kurzfristig mit weiteren Zinssenkungen auf eine sich eintrübende konjunkturelle Aussicht zu reagieren.“

Bauzinsen: keine Zinswende in Sichtweite

Bereits seit dem 7. Mai 2019 bewegt sich die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe unterhalb von 0 Prozent. Zwar pendelt sie seit ihrem absoluten Tiefstand von -0,72 Prozent im August wieder auf einem marginal höheren Niveau, eine dauerhafte Aufwärtsbewegung ist allerdings nicht abzusehen. Auch der Bestzins für zehnjährige Hypothekendarlehen verharrt seit mehreren Wochen auf einem Tiefstand von 0,46 Prozent. „Solange es keine umfassende und positive Lösung im Handelsstreit und Klarheit bezüglich des Brexits gibt, werden diese Unsicherheiten die konjunkturelle Entwicklung auch in 2020 weiter negativ beeinflussen. Erst wenn Sicherheit in diesen beiden Fragen herrscht oder konsequente Strukturreformen in für die Weltwirtschaft wesentlichen Ländern wie Deutschland oder Italien umgesetzt werden, kann sich die Konjunktur nachhaltig positiv entwickeln.“ Bis dahin ist eine Änderung der aktuellen Zinssituation nicht in Sicht.

Foto: Florian Sonntag, Shutterstock

 

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