27. Oktober 2009, 21:46
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Die richtige Wahl?

Auch Bundesbankpräsident Axel Weber schloss sich unlängst dieser Warnung an. Seiner Meinung nach besteht die Gefahr, dass die Wirtschaft in der kommenden Dekade langsamer wächst als in den vergangenen Jahrzehnten. Als Erblast der Krise wartet laut Weber ein massiver Konsolidierungsbedarf mit drastischen Ausgabenkürzungen. Bis das alte Wohlstandsniveau wieder erreicht sei, werde es noch lange dauern. Den anhaltenden Kaufwillen der Deutschen zweifelt die Kassandra der Deutschen Bank ebenfalls an. „Ich glaube, dass nach dem Herbst das Konsumklima schwächer wird. Wenn im vierten Quartal die Arbeitslosigkeit steigt, wird im Einzelhandel der Katzenjammer losgehen“, so Chefökonom Walter.

Dieser unschönen Prognose haben sich inzwischen auch die Frankfurter Dekabanker angeschlossen: „Wir werten die Stimmungsindikatoren im September als einen Schuss vor den Bug: Die äußerst starke Dynamik der wirtschaftlichen Erholung, die wir in den vergangenen Monaten gesehen haben, wird nicht dauerhaft sein.“ Nun müssen die düsteren Interpretationen keineswegs zutreffend sein. Global betrachtet werden in den nächsten Quartalen noch Konjunkturprogramme im Umfang von weltweit mehr als vier Billionen US-Dollar nachfragewirksam werden, wie auch die Experten vom Bankhaus Metzler dagegen halten. Eine sich erholende Nachfrage soll die Produktion überproportional steigen lassen, weil die Lagerbestände der Unternehmen momentan ungewöhnlich niedrig sind.

Machtlose nationale Politiker

Zwar reserviert, aber doch auch positiv fällt die Einschätzung von Karl Huber zur Bundestagswahl aus. Der Fondsmanager des in der Performance-Rennliste sechstplatzierten Pioneer Investments German Equity der in München ansässigen Fondsgesellschaft Pioneer Investments erklärt, dass, „auch wenn der Wahlausgang mit schwarz-gelben Siegern das favorisierte Ergebnis des Kapitalmarktes ist, die neuen politischen Verhältnisse lediglich ausgewählten Branchen Auftrieb geben werden.“ Aufgrund der engen globalen Verflechtung der deutschen Wirtschaft seien die Einflussmöglichkeiten nationaler Politik auf den deutschen Aktienmarkt mittlerweile gering.

Gewinner soll es dennoch geben. Wie sein Kollege Tim Albrecht, Fondsmanager des DWS Deutschland und auf Platz zwei im Performance-Ranking, zählt Huber dazu in vorderster Front die großen Versorger, die er bereits leicht übergewichtet hat: „Die Stromkonzerne wie Eon oder RWE werden voraussichtlich von einer Verlängerung der Restlaufzeiten bei Atomkraftwerken profitieren.“

In der Solarbranche sieht der Fondsmanager dagegen vorerst eher die Lichter ausgehen. Die Zukunft werde schwierig, da sich insbesondere die FDP stark engagiere, die Subventionen in der Branche zu senken und dazu das Erneuerbare-Energien-Gesetz auf den Prüfstand stellen will. Langfristig nehme die Bedeutung von New Energy in Anbetracht schwindender Ressourcen aber dessen ungeachtet weiter zu.

Privatisieren FDP-Frontmann Guido Westerwelle und Co. beispielsweise den Krankenhaussektor weiter, könnte dies Klinikbetreibern wie der Rhön-Klinikum AG – gemeinsame Top-Position in nahezu allen Deutschlandfonds – Auftrieb geben, sagt Pioneer-Fondsmanager Huber: „In der Wirtschaftspolitik rechne ich damit, dass auch das Thema Private Public Partnership wieder mehr Beachtung findet, was vor allem großen Baukonzernen etwa bei Erstellung und Betrieb von Autobahnen zugute kommt.“

Billiges Geld treibt die Kurse

Einige Unternehmen werden Restrukturierungen, die sie vor der Bundestagswahl zurückgestellt hatten, nun vornehmen, meint Huber: „Unter der neuen Koalition von CDU und FDP haben es die Firmen wohl etwas leichter. Insgesamt dominiert jedoch der einzelne Investment Case die Investitionsentscheidung.“

Nur eine gezielte Einzelanalyse bietet aus seiner Sicht momentan Chancen: „Wir befinden uns nicht in effizienten Märkten – daher verspricht der aktive Ansatz bessere Chancen als ein passives Investment. Insbesondere kleine Nebenwerte bieten aufgrund ihrer starken Konzentration auf einzelne Geschäftsfelder ein vielfach höheres Kurspotenzial als Standardwerte.“ Die Analyse solcher Gesellschaften nehme daher einen hohen Stellenwert in seinem Investmentansatz ein, so Huber.

Noch erheblich optimistischer zeigt sich das Bankhaus Metzler. „Wir erwarten insgesamt eine deutliche Erholung der Weltwirtschaft ab dem zweiten Halbjahr 2009“, sagt Martin Luley, Chef des Aktienteams bei Metzler. Angesichts nachlassender Ängste könne die Überschussliquidität in bisher ungekanntem Ausmaß eine Hausse an den Aktienmärkten verursachen. Trotz der bisherigen Kurserholung sehen die Frankfurter Privatbanker die Aktien-indizes europaweit erst wieder auf dem Niveau vom Januar 1998.

Auch laut Allianz-GI-Topmanager Hansen befinden sich die Börsenkurse nach wie vor in einer Talsohle. Bislang sei lediglich das Stimmungstief überwunden. Vor allem Unternehmen, die ihre Kosten radikal gesenkt haben, könnten mit einer nachhaltig anziehenden Konjunktur überraschende Gewinnsprünge erleben. Einer seiner Favoriten ist die Bochumer Gea Group, die mit der Produktion von Nahrungsmitteln und Energie mehr als 5,2 Milliarden Euro im vergangenen Jahr umgesetzt hat.

Riskant werde es nur, so der einheitliche Tenor aller Fondsmanager, wenn die Zentralbanken den Märkten Liquidität wieder entziehen. Nach Einschätzung von Metzler habe beispielsweise China mit restriktiver Geldpolitik einen Kurssturz von 20 Prozent innerhalb von nur zwei Wochen ausgelöst.

Einiges spricht aber dafür, dass die Zentralbanken in Europa ab 2010 versuchen, das Kapital behutsamer wieder abzuschöpfen. So hat Dominique Strauss-Kahn, Chef des internationalen Währungsfonds, versucht, Skeptiker zu beruhigen, und unlängst die Strategie verkündet, die Stützung durch Staat und Zentralbank solange beizubehalten, bis sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt bessere.

Foto: Shutterstock

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