Sachwert contra Geldwert

Einschätzung von Dr. Ulrich Kaffarnik, Vorstand DJE Kapital AG

„Die Gesamtverschuldung ist im Euro-Raum geringer als in den USA und auch viel geringer als in dem mit mehr als 200 Prozent des BSP verschuldeten Japan. Dennoch steht Europa im Fadenkreuz der Märkte. Die USA haben trotz ihrer Verschuldung drei Vorteile: Bevölkerungswachstum, eine relativ homogene Kultur und eine eigene Geldpolitik. Eine Notenbank steuert das ganze Land, während die EZB auf Länder wie Griechenland und Portugal genauso Rücksicht nehmen muss wie auf Deutschland und Holland.

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Außerdem hat die amerikanische Notenbank einen doppelten Auftrag, nämlich Wachstumsförderung und Inflationsbekämpfung. Im Gegensatz dazu ist die EZB offiziell nur der Preisniveaustabilität verpflichtet. Die USA haben die gleichen Probleme wie Europa, aufgrund dieser genannten Sondersituationen glauben die Kapitalmärkte, dass die USA die Krise als Erste überwinden können. Langfristig liegt das größte Verschuldungsproblem in Japan. Aktuell findet dieses Problem jedoch an den Kapitalmärkten keine Beachtung. Die Verschuldungskrise ist über Jahrzehnte entstanden, sie kann daher nur langfristig gelöst werden.

Unterstützend sollte ein Maßnahmenbündel aus Konsolidierung der Staatsfinanzen, einer stärkeren Wachstumspolitik sowie einer Inflation von drei bis vier Prozent wirken. Wir sollten bedenken, dass der Euro eine politisch gewollte Vereinigung ist. Bis jetzt deutet alles darauf hin, dass die Politiker alles unternehmen werden, den Währungsverbund zu erhalten. In diesem Szenario sollte sich der Anleger vor Inflation schützen. Hauptantriebskraft steigender Inflationsraten sind die Rohstoffpreise. Eine gewisse Inflation ist aus staatlicher Sicht hilfreich, um die Altschulden real zu entwerten. Bei einer Inflationsgefahr ist Sachwertorientierung grundsätzlich hilfreich. Jedoch spielt die Timing-Schiene eine große Rolle. Eine starre Allokation wie z.B. ein Drittel Gold, ein Drittel Aktien und ein Drittel Bonds ist jedoch wenig hilfreich. Eine gute Idee ist der Kauf von Mischfonds mit großer Flexibilität. Die Volatilität ist derzeit nicht nur bei Aktien und Gold hoch, sondern auch bei den Renten. Gerade das Aktienrisiko muss aktiv gemanagt werden. Rentenmanagement ist im aktuellen Umfeld sehr schwierig. Staatsanleihen von Ländern mit einwandfreier Bonität rentieren weit unter der Inflationsrate.

Eine Lösung könnten Corporate Bonds guter Bonität im mittleren Laufzeitbereich sein sowie als Beimischung Rentenanlagen in asiatischen Währungen. Selbst steigende Inflationsraten dürften nicht zu starken Zinssteigerungen führen, wie ein Blick nach England zeigt. Eine Prognose für den Aktienmarkt ist kaum möglich, da die Einflussfaktoren für die Kapitalmärkte extrem sind. Bei Schwäche können dividendenstarke Substanztitel aufgestockt werden. Es gibt Firmen, die in Nischen und Wachstumsmärkten operieren und deren Aktienkurse trotz der Krise auf absolutem Höchststand stehen. Aufgabe des Portfoliomanagement ist es, diese Unternehmen zu identifizieren. Auch in 2012 wird Flexibilität Trumpf sein.“

Einschätzung von Herwig Weise, Geschäftsführer der
Mack & Weise GmbH, Hamburg

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