Analysten erwarten Investitionsschub in den USA

Viele Unternehmen können trotz tiefen Umsatz- und Gewinnwachstumsraten aktuell eine überdurchschnittliche Liquidität aufweisen, sagen Experten. Profitieren sollte davon insbesondere der Industriesektor der USA.

Der hohe Geldbestand resultiere hauptsächlich aus Investitionskürzungen, sagt Gabriel Bartholdi, Stratege bei der Schweizer Bank J. Safra Sarasin: „Hohe Unsicherheiten über den zukünftigen Geschäftsverlauf haben Unternehmen dazu veranlasst, einen größeren Liquiditätspuffer einzubauen, da viele Wirtschaftsindikatoren im ersten Halbjahr auf eine Wachstumskontraktion hindeuteten.“

In den USA sei noch die Unsicherheit über die automatisch in Kraft tretenden Steuererhöhungen und Ausgabensenkungen der US-Regierung hinzugekommen, so Bartholdi.

 „Viele Projekte am Start“

Der Kapitalmarktstratege kommt zu dem Schluss, dass die zusätzlichen Steuerbelastungen in den USA besser verkraftet werden als erwartet. „Auch die Wirtschaftsindikatoren signalisieren wieder eine bessere Entwicklung der Konjunktur. Gemäss unserem Szenario dürfte das Momentum der Vorlaufindikatoren wie zum Beispiel des US ISM manufacturing den Boden im dritten Quartal finden. Dies dürfte die Zuversicht bei den Unternehmen steigern und somit auch die Bereitschaft wieder mehr zu investieren.“

Viele Projekte dürften in den Startlöchern stehen, sagt Bartholdi: „Positive Signale sind denn auch bereits auszumachen. Die Bestellungseingänge haben angezogen. Große Nutznießer von steigenden Investitionen sind vor allem Unternehmen im Industriesektor. Wir rechnen im Verlauf des dritten Quartals mit steigenden Bestellungseingängen, wenn sich die Wirtschaft weiter erholt. Zusätzlich deuten auch die Kapazitätsauslastungszahlen auf eine Belebung des Industriesektors hin.“

Neue IT-Infrastruktur bringt Wachstum

Als weitere aussichtsreiche Sektoren hat Bartholdi den Bereich der Informationstechnologie ausgemacht, da ein grosser Teil der Umsätze aus dem Firmenkundengeschäft stammt. Außerdem: „Im Zuge einer höheren wirtschaftlichen Aktivität dürfte die Nachfrage nach neuer IT-Infrastruktur steigen, was den Sektor beflügeln dürfte.“

Seiner Einschätzung nach sollten zuerst Investitionen in den USA wieder zulegen. In Europa zeige sich die Wirtschaftslage noch etwas schwieriger, trotzdem seien Verbesserungen der Konjunktur zu erkennen: „Europa könnte unseres Erachtens im dritten Quartal die Rezession überwinden. Dies bedeutet, dass ein Anstieg der Investitionstätigkeit in Europa mit einigen Monaten Verzögerung zur USA stattfinden könnte.“ Nur in den Schwellenländern gäbe es noch keine bodenbildenden Signale, und in China, dem wichtigsten Emerging Market, schwächen sich die Stimmungsindikatoren weiter ab. (mr)

Foto: Shutterstock

 

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