„Ich erwarte keinen Mega-Crash“

Der deutsche Aktienmarkt und andere Börsen haben in den vergangenen Tagen Federn lassen müssen. Ist das der Vorgeschmack auf einen von einigen Crash-Propheten vorhergesagten Absturz oder eine notwendige Korrektur nach einer überdurchschnittlich guten Kursjagd der letzten Wochen? Hans-Jörg Naumer, Leiter Kapitalmarktanalyse bei Allianz Global Investors, interpretiert und kommentiert die Ereignisse im Gespräch mit Cash.Online.

Hans-Jörg Naumer, Allianz GI: „Die Märkte sind von ’stark überkauft‘ in ’stark überverkauft‘ gewechselt.“

Cash.: Der Dax und andere Börsenbarometer sind derzeit auf Talfahrt. Ist dies eine kurzfristige Korrektur, die man zum Einstieg nutzen sollte, oder kommt jetzt der von einigen Experten prophezeite Mega-Crash?

Naumer: Auch wenn die Märkte nervös ins neue Jahr gestartet sind, einen „Mega-Crash“ erwarte ich nicht. Unser Mantra „Das größte Risiko ist es, kein Risiko einzugehen“ – also nicht auch in Aktien investiert zu sein, gilt weiterhin.

Gerade die letzten Tage zeigen, dass die anhaltende Sorglosigkeit, die für die Märkte kennzeichnend war, jetzt ihren Preis fordert. Die Relative-Stärke-Indikatoren verdeutlichen dies. Sie sind geradezu dramatisch von „stark überkauft“ in das Terrain „stark überverkauft“ gestürzt und dürften, zusammen mit einigen schwächeren Fundamentaldaten, einer der wichtigsten Treiber der Schwächephase gewesen sein.

Der globale Wachstumspfad selbst bleibt intakt. Das große Bild der Geldpolitik heißt „Lower for longer“ – also im Zweifel längerfristig niedrigere Zinsen, um die Konjunktur (und die Kapitalmärkte) zu stützen.

Eine ganze Reihe von Schwellenländer wurde nicht zuletzt durch das erneute Tapering getroffen. Gegenmaßnahmen waren bislang wenig von Erfolg gekrönt. Inwieweit haben Schwellenländer in den kommenden Monaten als Investitionsziel noch Potenzial?

Es geht wohl weniger um die kommenden Monate als vielmehr um die kommenden Jahre. Jetzt den niedrigsten Einstiegszeitpunkt erwischen zu wollen, wäre der falsche Weg. Bei den Abflüssen aus den aufstrebenden Staaten war das „Tapering“ der US-Zentralbank der Auslöser.

Dahinter müssen strukturelle Veränderungen gesehen werden, die uns noch eine Weile beschäftigen werden, wenn die Situation auch sicher nicht mit der Asienkrise 1997 zu vergleichen ist: In vielen Emerging Markets haben sich Leistungsbilanzdefizite in Folge der gesunkenen Rohstoffpreise, der deflationären Wirkung des Yen und des schwächeren Wachstums der Industriestaaten aufgebaut.

Dazu kommen in einigen Ländern stark gestiegene Privatschulden und hausgemachte politische Probleme. Aus taktischer Sicht empfehlen sich Zukäufe erst wieder, wenn die Bewertungen weiter an Attraktivität gewonnen haben und sich die zyklischen Indikatoren verbessern, wobei Anleihen in den aufstrebenden Staaten insgesamt als attraktiver erscheinen als Aktien.

Seite zwei: Welches Potenzial bieten die Börsen in 2014?

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