Keine Vertrauenskrise bei Family Offices

Anders als viele Banken haben die deutschen Family Offices im Zuge der Finanzkrise keinen Vertrauensverlust bei ihren Kunden festgestellt. Im Gegenteil sehen sich die Unternehmen, die das Geld der Hochvermögenden betreuen, als Gewinner der Krise.

Andreas Rhein, Focam: „Banken müssen aufpassen, dass sie ihren Family-Office-Kunden keine Konkurrenz machen.“

Die von Cash. befragten Multi Family Offices, die mehrere Kunden betreuen, sehen sich von der Vertrauenskrise der Finanzbranche unberührt. „Ausgelöst durch die Finanzkrise haben viele Bankkunden überhaupt erst die Notwendigkeit einer objektiven Betreuung erkannt“, berichtet Jens Spudy, Gründer und geschäftsführender Gesellschafter des Spudy & Co. Family Office aus Hamburg. Tatsächlich habe die Vertrauenskrise der Family-Office-Branche einen Schub verliehen, sodass der Markt in den vergangenen Jahren stark gewachsen sei.

„Die Kunden haben erkannt, dass für einen langfristigen Vermögenserhalt nicht nur eine unabhängige Betreuung ohne Interessenkonflikte von größter Bedeutung ist, sondern ebenfalls eine breite Diversifikation des Vermögens über alle liquiden und illiquiden Anlageklassen„, so Spudy weiter. Insbesondere die Betreuung illiquiden Vermögens könne in der Regel durch Banken nicht abgedeckt werden.

Vertrauen in Family Offices

„Etablierte Family-Office-Anbieter wie Feri haben eindeutig davon profitiert“, bestätigt Riklef von Schüssler, Geschäftsführer des Bad Homburger Feri Institutional & Family Office. Allerdings habe die Vertrauenskrise auch dazu geführt, dass Familien vermehrt eigene Single-Family-Office-Strukturen aufgesetzt hätten. Im Übrigen sollten Family-Office- und Bankleistungen nicht wettgewerblich, sondern vielmehr komplementär gesehen werden, meint Catharina Weber, verantwortlich für Strategieentwicklung des Düsseldorfer WSH Family Office.

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„Für den Vermögensinhaber ist es wichtig, dass er in seinem Family Office einen strategischen, einzig auf seine Interessen ausgerichteten Sachverwalter an seiner Seite hat und Letzterer sich bei der Erfü llung seiner Steuerungsaufgaben leistungsstarker Banken und Vermögensverwalter bedient“, so Weber weiter. Andreas Rhein, Vorstand des Frankfurter Family Offices Focam, verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass Banken auf die Zusammenarbeit mit Family Offices angewiesen seien. „Deshalb müssen Banken aufpassen, dass sie ihren FO-Kunden keine Konkurrenz machen. Als Dienstleister für FO sind sie aber sehr wichtig“, so Rhein.

 

Seite zwei: Service oder Interessenkonflikt

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