Keine Vertrauenskrise bei Family Offices

Strittig ist branchenintern, welche Leistungen ein Family Office erbringen darf oder muss, ohne seine Unabhängigkeit zu gefährden. Laut der Studie „Family Office – Mythos mit Zukunft“, für die das Bayerische Finanz Zentrum e.V. (BFZ) gemeinsam mit dem Schweizer Unternehmen Complementa Investment-Controlling im Zeitraum zwischen Juni und Oktober 2013 insgesamt 75 Family Offi ces (69 Prozent Multi Family Offices) aus dem deutschsprachigen Raum befragt hat, verfügt die Mehrheit der Unternehmen grundsätzlich über ein breites Dienstleistungsspektrum.

Die Kernbereiche sind Vermögensverwaltung, Reporting und Investment-Controlling. 84 Prozent haben Dienstleistungen an Drittparteien ausgelagert, lediglich eine Minderheit erbringt alle Dienstleistungen selbst. Ausgelagert werden demnach hauptsächlich die Steuer- und Rechtsberatung sowie die Buchhaltung. Kerndienstleistungen werden der Studie zufolge so gut wie nicht ausgelagert. Das entspricht auch den Aussagen der von Cash. befragten Multi Family Offi ces, wobei Feri, Focam, Knapp Voith und Spudy zum Teil auch die Umsetzung der Anlagestrategie selbst erbringen.

Unabhängigkeit und Transparenz

„Selbstverständlich wird im Sinne einer breiten Risikostreuung das liquide Vermögen einer Familie auf mehrere Vermögensverwalter verteilt“, erläutert Spudy. Einen strengeren Ansatz verfolgt das Düsseldorfer Family Office WSH: Für die Verwaltung des Wertpapiervermögens und die operative Asset-Allokation werden nach eigenen Angaben ausschließlich Fremdmandate an etablierte Vermögensverwalter vergeben, um hier jeglichen Konfl ikt der betreuten Familien zu vermeiden.

„Unsere Aufgabe besteht in der Überwachung und Koordination der Arbeit der Vermögensverwalter. Insofern ist es ausgeschlossen, dass wir uns selbst zu diesen in Konkurrenz stellen und somit unsere Neutralität verlieren“, begründet Weber. Dass der Neutralität auch in den Augen potenzieller Family-Office-Kunden eine große Bedeutung zukommt, zeigt eine aktuelle Untersuchung. Professor André Schmidt von der Universität Witten/Herdecke hat unter Mitwirkung von WSH im Sommer 2013 im Rahmen eines Forschungsprojekts 600 Familienunternehmer mit einem Jahresumsatz von mindestens 50 Millionen Euro zu ihrer Sicht auf Family Offices befragt.

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Eines der zentralen Ergebnisse ist, dass die Unabhängigkeit und Interessenkonfliktfreiheit einschließlich der Transparenz von den Befragten als die wichtigsten Leistungen eines Family Offices gesehen werden. Der Verzicht auf den Vertrieb von Eigenprodukten sowie auf Provisionen wird hierbei demnach allerdings als nicht so wichtig eingeschätzt. (jb)

Lesen Sie den vollständigen Artikel in der neuen Cash.-Ausgabe 10/2014.

Foto: Focam

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