Schlechte Erfahrungen und andere Hindernisse – Warum Berater Wertpapiere meiden

Vor die Frage gestellt, welche Anlagealternative für ihre Kunden zurzeit besser ist – Wertpapiere oder Tagesgeld – sollte die Antwort für Berater eigentlich ganz einfach sein. Ist sie aber nicht.

Gastbeitrag von Alexander Lehmann, Invesco

Anleger: Alexander Lehmann
„Ein weiterer Grund für die Abneigung vieler Berater gegenüber Wertpapieren in der Betreuung von Endanlegern ist der hohe Dokumentationsaufwand.“

Die Zinsen stehen historisch niedrig, entsprechend mager fällt die Rendite auf Tagesgeldkonten aus. Dagegen bieten Sachwerte wie etwa Aktien einen guten Inflationsschutz und die nach wie vor üppig vorhandene Liquidität treibt die Kurse an den globalen Kapitalmärkten.

Berater scheuen Wertpapiere

Wer auf Grund dieser Konstellation als Antwort auf die eingangs gestellte Frage die Alternative „Wertpapiere“ erwartet, muss sich aber eines Besseren belehren lassen. Die Praxis sieht anders aus. Berater scheuen in der Anlageberatung Wertpapiere oft sogar so wie der sprichwörtliche Teufel das Weihwasser – und das aus einer ganzen Reihe von Gründen.

Ganz weit vorne auf dieser Negativliste stehen die schlechten Erfahrungen. Gleich dreimal hat die Branche mit dieser Anlageform Schiffbruch erlitten.

Nachdem in den späten 1990er und ganz frühen 2000er Jahren an etablierten Börsenplätzen die „Neuen Märkte“ eröffnet und auch viele Endanleger direkt oder über Fonds in junge Firmen aus den Bereichen Technologie, Medien und Telekommunikation investiert hatten, kam 2001/2002 das unsanfte Erwachen.

Vergangene Blasen ängstigen Anleger

Im TMT (Technologie, Medien, Telekommunikation)-Sektor war eine Blase entstanden, die schließlich platzte. In der Folge lösten sich die Buchgewinne jener Start-ups ebenso in Luft auf wie das investierte Kapital vieler Anleger. Die dritte Tranche der Telekom-Aktie tat ein Übriges.

Nicht viel besser erging es Beratern mit Total-Return-Strategien und einige der als so sicher geltenden Offenen Immobilienfonds erwiesen sich als Falle – als eine Wertpapieranlage, in die Anleger zwar hinein-, aber nicht wieder herauskommen.

Hoher Dokumentationsaufwand

Ein weiterer Grund für die Abneigung vieler Berater gegenüber dem Einsatz von Wertpapieren in der Betreuung von Endanlegern ist der damit verbundene hohe Dokumentationsaufwand. Das von der Politik vor einigen Jahren eingeführte Beratungsprotokoll wirkt kontraproduktiv.

Seite zwei: Über Geld spricht man nicht

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