Wöhrmann: Konjunktur besser als Börsenstimmung

Die Turbulenzen an den Aktienmärkten sind weniger Fundamentaldaten zu verdanken, als vielmehr der Sorge vor einer starken Korrektur und vor weiteren Staaten, die in wirtschaftliche Probleme geraten. So lautet die Analyse von Asoka Wöhrmann, Co-CIO bei der Deutschen Asset & Wealth Management in Frankfurt.

„In den meisten Emerging Markets zeichnen die Konjunkturdaten, wie zum Beispiel die Einkaufsmanagerindizes, derzeit weiterhin ein eher positives Bild.“

Die unruhige Lage an den internationalen Finanzmärkten sei vor allem durch drei Ereignisse ausgelöst worden, sagt der Chefinvestor der Deutsche-Bank-Tochter: „Der Einstieg in den Ausstieg aus der überexpansiven Geldpolitik der amerikanischen Notenbank (Tapering), schwächer als erwartet ausgefallene Konjunkturdaten aus China und einzelne Nachrichten aus Argentinien, Venezuela, der Ukraine und der Türkei. Auch die Reaktionen der Zentralbanken der Türkei und Südafrikas haben nicht die erwünschte Entspannung gebracht.“

Die nun ausgeführte Reduzierung der Anleihekäufe der USA um weitere zehn Milliarden US-Dollar monatlich sowie schwächere Daten aus den USA hätten zusätzlich für Unsicherheit gesorgt.

Einschätzung für deutsche Aktien und Industriesektor auf „neutral“ gesenkt

Wöhrmann führt aus: „In den meisten Emerging Markets zeichnen die Konjunkturdaten, wie zum Beispiel die Einkaufsmanagerindizes, derzeit weiterhin ein eher positives Bild. Dies gilt auch für die entwickelten Volkswirtschaften. Zwar wird sich das Wachstum in einigen Schwellenländern verlangsamen und die Entwicklung muss genau verfolgt werden, wir bleiben aber grundsätzlich optimistisch.“

Die Problem-Länder wie Venezuela, Argentinien, die Türkei oder die Ukraine machen seiner Meinung nach nur einen kleinen Teil des Emerging-Markets-Universums aus: „In China sollte die Regierung verhindern können, dass das Wirtschaftswachstum unter sieben Prozent fällt. Die Erwartungen für Brasilien waren zuletzt nicht sehr hoch. Das Land hat genug Fremdwährungsreserven, um den Real zu verteidigen. In Indonesien sorgt sogar die Inlandsnachfrage für einen Anstieg der Einkaufsmanagerindizes.“

Und weiter: „Grundsätzlich gilt: Solange die USA und das Vereinigte Königreich sich weiter gut entwickeln und Europa sich wie bislang gesehen stabilisiert, sollten die Folgen der Schwellenländerschwäche limitiert sein. Allerdings könnte es bei Unternehmen, die stark in diesen Ländern engagiert sind, zu einem Rückgang der Gewinne kommen. Deshalb haben wir auch unsere Einschätzung für deutsche Aktien und den Industrie-Sektor auf neutral zurückgenommen.“

Ansteckungsgefahr für einzelne Bereiche

Für einzelne Bereiche bestehe zudem eine gewisse Ansteckungsgefahr über die Asset-Preise: So könnte etwa eine Verschlechterung der Situation in Brasilien die spanischen Banken belasten, weitere Unruhen in der Türkei könnten auf die griechischen Banken drücken. Ebenfalls negativ wäre ein starker Anstieg der Renditen von US-Staatsanleihen, so Wöhrmann.

Seine Schlussfolgerung: „Taktisch halten wir uns derzeit zurück. Vor allem aufgrund der Tapering-Diskussion könnte die Situation für diejenigen Länder schwieriger werden, die auf Außenfinanzierung angewiesen sind. Die richtige Anlageauswahl ist entscheidend – nicht nur unter den Ländern, sondern auch über die Asset-Klassen hinweg.“ (mr)

Foto: Deutsche Asset & Wealth Management / Shutterstock

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