La Financière de l’Echiquier: Aktien aus der Eurozone bevorzugt

Marc Craquelin, Chief Investment Officer bei La Financière de l’Echiquier, nennt seine Favoriten-Märkte für 2016.

Marc Craquelin, La Financière de l’Echiquier

Wir rechnen grundsätzlich damit, dass sich die derzeitige Volatilität auch in den nächsten Monaten fortsetzen wird. Verantwortlich hierfür ist zum Teil eine so nie dagewesene Konstellation europäischer und amerikanischer Geldpolitik. Während sich auf der einen Seite die amerikanische Notenbank (Fed) vorbereitet, die Zinsschraube anzuziehen, setzt die Europäische Zentralbank (EZB) auf der anderen Seite ihre expansive Geldpolitik fort. Diese Divergenz lässt sich bereits an einem Auseinanderdriften amerikanischer und europäischer Anleihen mit zehnjähriger Laufzeit beobachten.

Steigende Zinsen beeinflussen Börsen nicht zwangsläufig negativ

Nach langem Warten dürfte sich die schrittweise Zinserhöhung in den USA in moderatem Tempo vollziehen. Blickt man zurück auf das Jahr 2004, so wird deutlich, dass steigende Zinsen die Börse nicht zwangsläufig negativ beeinflussen müssen. Obwohl der industrielle Sektor noch immer Anzeichen von Schwäche zeigt, sind die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in den USA solide. Dies lässt sich auch an der Entwicklung der Arbeitslosenzahlen ablesen. Immerhin machen die USA 16 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsproduktes aus. Das BIP-Wachstum stimmt optimistisch (jeweils 3,88 bzw. 2,69 Prozent im zweiten und dritten Quartal 2015). Und die Unternehmen insbesondere im Dienstleistungssektor werden von einer positiven Dynamik getragen. Die Anzahl der Fusionen und Akquisitionen sowie die Ausschüttungsquoten und Ankäufe von Vermögenswerten knüpfen an ihre historischen Höchststände an. Gleichwohl ist diese Erholung schon weit fortgeschritten: Das Wachstum der Gewinne je Aktie nimmt ab, außerdem sollte man nicht vergessen, dass sich der Anstieg der Börsenkurse zum Ende eines Erholungszyklus immer abschwächt.

Erholungspotenzial europäischer Aktien längst nicht ausgeschöpft

Im Gegensatz dazu ist in Europa und insbesondere in der Eurozone das Erholungspotenzial der Aktienmärkte längst noch nicht ausgeschöpft. Im Vergleich zu den USA lässt ein Wachstum der Gewinne je Aktie noch auf sich warten, gleichzeitig sind die Bewertungen attraktiv: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) zum 30. Oktober 2015 lag in der Eurozone zyklusbereinigt bei 12,2, auf der anderen Seite des Atlantiks hingegen bei 22,4. Die gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen verbessern sich dank wachsenden Konsums und einer Erholung der Wohnungsbauinvestitionen. Wie schon 2015 wirken sich die expansive Geldpolitik der EZB sowie ein schwacher Ölpreis und Euro stützend aus. Das gilt umso mehr, als der Markt noch immer auf ein zweistelliges Gewinnwachstum setzt. Branchen, die derzeit am Anfang einer Erholung stehen, wie beispielsweise die Bauindustrie, bieten gute Anlagechancen.

Seite zwei: Schwellenländer bleiben unsicher

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