Anzeige
2. Juni 2016, 15:22
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Leitzins im Euroraum bleibt auf Rekordtief von null Prozent

Europas Währungshüter haben im Grunde alle Register im Kampf gegen Mini-Inflation und Konjunkturschwäche gezogen – nun wartet die EZB zunächst ab. Höhere Zinsen sind absehbar nicht in Sicht.

Leitzins im Euroraum bleibt auf Rekordtief von null Prozent

EZB-Zentrale in Frankfurt

Die Europäische Zentralbank (EZB) verschärft ihren Kurs trotz anhaltender Mini-Inflation vorerst nicht. Der Leitzins bleibt auf dem Rekordtief von null Prozent. Unverändert bei minus 0,4 Prozent ließen die Währungshüter bei ihrer auswärtigen Sitzung in Wien auch den Strafzins, den Banken zahlen müssen, wenn sie Geld bei der EZB parken statt es als Kredite weiterzureichen.

Volkswirte rechnen mit einer längeren Phase ohne Änderungen an der ultralockeren Geldpolitik. EZB-Chefvolkswirt Peter Praet beispielsweise hatte kürzlich bekräftigt, es brauche noch Zeit, um die Wirkung zuletzt beschlossener Maßnahmen bewerten zu können. Erst im März hatten die Währungshüter ihren Kurs massiv verschärft. Erstmals wurde der Zins, zu dem Banken Zentralbankgeld bekommen, auf Null gesenkt.

Geldflut soll Kreditvergabe ankurbeln

In Staatsanleihen und andere Wertpapiere steckt die EZB noch mehr Geld: 80 Milliarden Euro monatlich. EZB-Präsident Mario Draghi hatte wiederholt erklärt, das Kaufprogramm werde bis mindestens März 2017 aufrechterhalten. Vom 8. Juni an will die Notenbank auch Unternehmensanleihen kaufen. Die Geldflut soll die Kreditvergabe ankurbeln und so Wachstum und Inflation anschieben. Dauerhaft niedrige oder gar sinkende Preise gelten als Konjunkturrisiko, weil Unternehmen und Verbraucher in Erwartung sinkender Preise Investitionen aufschieben könnten.

Der Druck auf die EZB, nochmals nachzulegen, hat zuletzt etwas nachgelassen. Zwar lag die Inflationsrate im Euroraum im Mai laut vorläufigen Zahlen mit minus 0,1 Prozent weiter im negativen Bereich. Die Jahresrate dürfte sich nach Einschätzung von Ökonomen aber zum Jahresende hin in Richtung ein Prozent bewegen.

Günstige konjunkturelle Aussichten für den Euroraum

Denn die niedrige Inflation ist zum großen Teil auf den drastisch gesunkenen Ölpreis zurückzuführen – und in den vergangenen Monaten wurde der Schmierstoff der Weltwirtschaft wieder etwas teurer. Zudem stellten sich die konjunkturellen Aussichten für den Euroraum zuletzt günstiger dar als noch zu Jahresbeginn.

Dennoch halten es Volkswirte für unwahrscheinlich, dass Europas Währungshüter bald die Wende zu steigenden Zinsen einläuten könnten – im Gegenteil: “Eine nachhaltig höhere Inflation ist nicht in Sicht. Deshalb bleibt eine weitere geldpolitische Lockerung der EZB zum Jahresende auf der Agenda”, schreibt Commerzbank-Analyst Christoph Weil. Kritiker halten die Wirkung der Geldflut für begrenzt, die Nebenwirkungen bekommen zum Beispiel Sparer zu spüren: Anlagen wie Tages- und Festgeld werfen kaum noch Rendite ab.

Der EZB-Rat tagt jedes Jahr ein oder zwei Mal nicht am Stammsitz der Notenbank in Frankfurt. Auf Wien fiel die Wahl auch deshalb, weil dort am Abend das 200-jährige Bestehen der österreichischen Nationalbank gefeiert werden sollte. (dpa-AFX)

Foto: telesniuk / Shutterstock.com

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 09/2018

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

PKV – Nachhaltige Geldanlage – Wohnen auf Zeit – Hitliste der Maklerpools

Ab dem 16. August im Handel.

Special Investmentfonds

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Nachhaltig anlegen: Mehr Rendite mit gutem Gewissen
Gewinne im Fokus: Die besten Dividenden-Fonds

Versicherungen

Cigna-Milliardenzukauf: Icahn gibt Widerstand auf

Der streitlustige Investor Carl Icahn hat den Widerstand gegen eine milliardenschwere Übernahme im US-Gesundheitssektor aufgegeben. Er werde sich nicht mehr länger gegen die Übernahme des Dienstleisters Express Scripts durch den US-Krankenversicherer Cigna stellen, teilte er am Montagabend in New York mit.

mehr ...

Immobilien

EPX: Stärkster Anstieg der Wohnungspreise seit zwei Jahren

Die Preise für Eigentumswohnungen sind im Juli 2018 im Vergleich zum Vormonat laut der aktuellen Auswertung des Europace Hauspreis-Index EPX um 2,38 Prozent und damit überdurchschnittlich stark gestiegen. Die Zuwächse bei Häusern fielen deutlich geringer aus.

mehr ...

Investmentfonds

Deutsche Wirtschaft wächst weiter

Wirtschaftswachstum trotz schwacher Exporte; die Konjunktur Deutschlands entwickelte sich im zweiten Quartal überraschend gut. Das liege nicht nur am hohen privaten Konsum und Unternehmensinvestitionen. Für das Gesamtjahr 2018 ist die Prognose jedoch weniger positiv als die Entwicklung des ersten Halbjahres.

mehr ...

Berater

Bankberater genießen hohes Vertrauen

Junge Bundesbürger zeigen beim Thema Geldanlage trotz Online-Affinität und großem Informationsangebot im Internet ein starkes Bedürfnis nach persönlicher Beratung. Zu diesem Ergebnis kommt eine Postbank-Studie, für die 3.100 Personen befragt wurden.

mehr ...

Sachwertanlagen

Zweitmarkt: Reger Schiffsfonds-Handel

Die Fondsbörse Deutschland Beteiligungsmakler AG verzeichnet einen für die Jahreszeit lebhaften Handelsmonat Juli. Bei Schiffsfonds kam es zu besonders vielen Vermittlungen und einem hohen Nominalumsatz.

mehr ...

Recht

Bauern müssen bei Rentenbeginn Hof nicht abgeben

Landwirte dürfen vom Staat nicht dazu verpflichtet werden, bei Renteneintritt ihren Hof abzugeben. Dies sei verfassungswidrig, entschied das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe in einem am Donnerstag veröffentlichten Beschluss vom 23. Mai über zwei Verfassungsbeschwerden.

mehr ...