14. November 2016, 13:15
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Value-Investoren müssen handeln

Die steigenden Rohstoffpreise haben bei Value-Anlegern Hoffnungen geweckt, dass die mageren Jahre vorbei sind.

MALLETT Sebastien-Kopie in Value-Investoren müssen handeln

Sebastien Mallet prognostizert stäkere Veränderungen beim Value-Investing.

Doch diese Hoffnung ist verfrüht, davon ist Sebastien Mallet, Portfoliomanager der Global Value Equity Strategy von T. Rowe Price, überzeugt. “Das Marktumfeld ist geprägt von schwachem Wachstum, anhaltenden makroökonomischen Risiken und erhöhter Volatilität. Es gibt keine sicheren Anzeichen, dass sich das ändert”, erklärt er. Allerdings gebe es starke Veränderungen innerhalb des Value-Segments. So habe die Fähigkeit von Unternehmen, freie Cashflows zu erwirtschaften und an die Anteilseigner auszuschütten, in Zeiten niedriger Zinsen an Bedeutung gewonnen. Zudem wiesen die Kennzahlen heute stärkere Abweichungen zwischen den einzelnen Titeln auf. “Value Investing entwickelt sich weiter. Wer bereit ist, multidimensional zu denken und stärker innerhalb dieses Segments zu differenzieren, kann auch in Zukunft erfolgreich sein“, unterstreicht Mallet.

Differenzierung im Value-Segment gefragt

Die Zeiten, in denen es ausreichte, zwischen Value und Growth zu differenzieren, vorbei seien. Heute sei ein multidimensionaler Blick gefragt. Das zeige ein Blick auf die Dispersion zwischen den Kennzahlen, also der Entwicklung in der Gewichtung, mit der Faktoren wie das Preis-Buchwert-Verhältnis oder die Dividendenrenditen zur Wertentwicklung beitragen. Diese habe seit den 2000er-Jahren deutlich zugenommen. “Die Phasen, in denen einzelne Kriterien sich als besonders wichtig herausgestellt haben, fallen genau mit den Perioden zusammen, in denen bestimmte Bereiche des Value-Spektrums in schwieriges Fahrwasser gekommen sind”, erläutert Mallet. Das sei in der 2008 bei Finanztiteln so gewesen und wiederhole sich nun angesichts der Wachstumsschwäche bei zyklischen Titeln. Derzeit trügen freie Cashflows in besonders hohem Maße zur Performance bei. “Solange das Wachstums- und Zinsumfeld sich nicht ändert, dürfte diese Kennzahl ihre hohe Bedeutung auch weiterhin behalten”, schätzt er.

Darüber hinaus, so der Experte, hätten sich die Spreads bei diesen Indikatoren zwischen einzelnen Titel im Vergleich zur Vergangenheit stärker ausgeweitet. Dazu hätten nicht zuletzt die Unsicherheiten um China, den Ölpreis und den Brexit beigetragen. “Durch diese stärkeren Abweichungen zwischen Einzeltitel- Bewertungen ergeben sich derzeit auch gute Chancen für Stock-Picker im Value-Segment”, so Mallet.

Anzeichen einer Erholung, doch keine Trendwende in Sicht

Insgesamt gleiche sich das Verhältnis von Value- zu Growth Titeln an, gesteht der Experte zu. So habe der MSCI World Value Index seinen Growth-Konterpart im Jahresverlauf bislang um 224 Basispunkte geschlagen (Stand: 30. September 2016). Das Marktsentiment normalisiere sich, was man auch an der Kursentwicklung der fünf stärksten US-Growth-Titel des Jahres 2015 ablesen könne. So hätten Facebook, Amazon, Netflix, Google und Salesforce.com im vergangenen Jahr alleine 95 Prozent der Wertzuwächse des S&P 500 Index auf sich vereinen können, was den Aktien das gemeinsame Label „FANGS“ eingebracht hat. In diesem Jahr allerdings sei die Korrelation zwischen diesen Titeln geschwunden und damit sei auch der Druck auf das Value-Segment gesunken.

“Doch noch immer leiden viele zyklische Aktien unter dem makroökonomischen Umfeld. Für eine grundsätzliche Wende müssten sich einige Bedingungen ändern”, gibt Mallet zu Bedenken. Wenn die Konjunktur positiv überrasche, könne das die Finanz- und Industrieunternehmen beflügeln. Und wenn sich die Regierungen entschlössen, der Wachstumsschwäche mit fiskalischen Impulsen zu begegnen, könnte das eine Rallye im Value-Segment auslösen. Das seien jedoch vage Hoffnungen, so der Experte: “Angesichts der Wirkungslosigkeit bisheriger Maßnahmen würde ein fiskalischer Schritt zwar Sinn ergeben. Ob und wann sich die Regierungen dazu entschließen werden, kann allerdings niemand absehen.” (tr)

Foto: T. Rowe Price

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