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16. Februar 2017, 07:13
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USA: Reform der Unternehmenssteuern mit gravierenden Folgen

Bereits kurz nach seiner Amtseinführung hat Donald Trump zahlreiche der im Wahlkampf angekündigten Maßnahmen umgesetzt. Die geplante Unternehmenssteuerreform könnte die Wellen besonders hoch schlagen lassen und den Welthandel in Gefahr bringen.

Gastkommentar von Anton Brender, Candriam

Candriam Anton-Brender-Kopie in USA: Reform der Unternehmenssteuern mit gravierenden Folgen

Anton Brender durchleuchtet die Steuerpläne von Donald Trump,

In den nächsten Wochen wird die Unternehmenssteuerreform Thema im Kongress sein. Davon könnten der Dollar und der in Dollar abgewickelte internationale Handel betroffen sein. Der Reformvorschlag der Republikaner deckt sich in vielen Punkten mit Trumps Plänen. Beide ziehen erhebliche Steuersenkungen und die vollständige Steuerfreiheit von Investmenterträgen (anstelle der heute üblichen Abzugsfähigkeit von Zinszahlungen) in Betracht. Eine andere Idee, die sogenannte Border Adjustment Tax (BAT, „Grenzausgleichsabgabe“), dürfte indes erhebliche Differenzen zwischen dem Präsidenten und dem Kongress auslösen – und zweifellos auch zwischen den USA und dem Rest der Welt.

Border Adjustment Tax „zu kompliziert“ für Trump?

Die Republikaner planen, grenzüberschreitende Zahlungen bei der Berechnung des steuerpflichtigen Unternehmensgewinns unberücksichtigt zu lassen. Exporterlöse würden daher ebenso wenig in die Steuerberechnung einfließen wie die Ausgaben für Importe. Auf den ersten Blick erscheint diese Maßnahme klar protektionistisch. Der steuerpflichtige Gewinn von Exporteuren würde sich verringern, während jener von Importeuren steigt. Dies würde Unternehmen einen Anreiz bieten, ihre Produktion zurück in die USA zu verlagern. Im Grunde genommen müsste der neue Präsident dies reizvoll finden, auch wenn ihm das zurzeit noch nicht klar ist … “zu kompliziert”. Einfuhrzölle scheinen da die einfachere Lösung! Problematisch ist aber, dass sich die Republikanische Partei traditionell für Freihandel einsetzt. Alle Republikaner, die die BAT wollen, sehen sie nicht als handelspolitisches, sondern als rein steuerpolitisches Instrument. Ziel ist nicht eine bessere US-Handelsbilanz. Warum auch?

Die Überlegungen, die zu dieser beruhigenden Schlussfolgerung führen, verdienen eine nähere Betrachtung. Angenommen, es gäbe die BAT. Was würde geschehen? Die Befürworter präsentieren simple Antworten: US-Unternehmen, die auf ihre Importe, nicht aber auf ihre Exporte Steuern zahlen müssen, wären gezwungen, weniger zu importieren und mehr zu exportieren. Das US-Leistungsbilanzdefizit würde zurückgehen und der Dollar so lange aufgewertet bis kein Anreiz mehr bestünde, mehr Waren zu exportieren (und weniger zu importieren). Der Dollar würde also so lange steigen bis der Nachsteuergewinn von US-Unternehmen wieder genauso hoch wäre wie jetzt. Damit bestätigen die Unterstützer der Idee stillschweigend, dass die BAT, bei einer Senkung der Unternehmenssteuer auf 20 Prozent, durch eine US-Dollar- Aufwertung von 25 Prozent wirtschaftlich neutralisiert würde.

Fehlerhaftes Kalkül der Republikaner

Diese kalkulierte Dollaraufwertung basiert jedoch auf Wechselwirkungsmechanismen einer längst vergangenen Ära. Schließlich hat die Globalisierung der Finanzmärkte dafür gesorgt, dass ganz andere Kräfte als früher die Wechselkurse bestimmen. Im Falle des US-Dollars fällt insbesondere auf, dass die US-Handelsbilanz kaum noch eine beeinflussende Wirkung entfaltet. Das Gewicht der Finanzmärkte (Zinsdifferenzen und Anlegererwartungen) ist dagegen gestiegen. Es ist jedoch schwer vorstellbar, dass sie gegenwärtig einen so starken Dollaranstieg auslösen können. Nebenbei bemerkt, würde dies auch durch präsidiale Twitternachrichten im Keim erstickt werden.

Das Fazit ist klar und beunruhigend: Die Reform der Unternehmenssteuern in den USA wird mit großer Wahrscheinlichkeit Konsequenzen für den internationalen Handel haben. Es bleibt abzuwarten, wie die Welt darauf reagiert. Eines steht jedenfalls fest: Mit dem neuen Präsidenten lässt sich schwer verhandeln.

Anton Brender ist Chefökonom bei Candriam, Belgien

Foto: Candriam

 

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