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6. Februar 2017, 14:14
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Die Inflation kommt zurück

In vielen Ländern ist die Inflation wieder eindeutig auf dem Vormarsch. Dies sollte vor allem in den Notenbanken genaustens beobachtet werden. Gastkommentar von Jean Médecin, Carmignac

Carmignac -Jean-Medecin-Kopie in Die Inflation kommt zurück

Jean Médecin sieht auf Deutschland einen länger als erwartet andauernden Inflationsschub zukommen.

Sind die Zentralbanker dabei, ihren Kampf gegen die Deflation zu gewinnen? Angesichts der jüngsten Inflationszahlen könnte man dies annehmen. Die US-Inflation ist wieder auf über 2,0 Prozent im Vorjahresvergleich gestiegen. Die Inflation der Eurozone zieht an und wird ihren Anstieg angesichts der deutschen Inflationsrate, die nunmehr 1,7 Prozent über zwölf  Monate beträgt, fortsetzen.

Auch in Japan Teuerung spürbar

Selbst Japan dürfte aufgrund der Abwertung seiner Währung eine Phase beschleunigter Inflation erleben. Die Märkte glauben jedoch nicht an eine nachhaltige Rückkehr der Teuerungsrate. Ihre Erwartungen, gemessen an den Break-even-Inflationsraten, lassen nicht auf einen deutlichen und dauerhaften Anstieg der Inflationsniveaus schließen. Die Anleger setzen vielmehr auf den vorübergehenden Charakter dieses Inflationsanstiegs, der durch den Basiseffekt der Energiepreise – die vor einem Jahr sehr niedrigen Ölpreise tragen automatisch zu einem zeitweiligen Anstieg der Inflation bei – sowie durch die Währungsabwertung ausgelöst wurde.

Nach unserer Ansicht sind die Märkte in ihren Erwartungen zu konservativ und könnten von einer höher und vor allem nachhaltiger als erwartet ausfallenden Inflation überrascht werden. So dürfte sich der Preisauftrieb in den USA weiter beschleunigen und im Laufe des 1. Quartals 2017 die Marke von +2,8 Prozent bis 3,0 Prozent erreichen. Im Übrigen geht diese Teuerung weit über einen simplen Aufholeffekt in Verbindung mit den Energiepreisen hinaus: Mehrere andere Kategorien, wie beispielsweise die Mieten, legen kontinuierlich zu.

Löhne treiben Preisanstieg

Aber angesichts eines dynamischen Arbeitsmarktes mit Vollbeschäftigung sind derzeit vor allem deutliche Anzeichen für eine Beschleunigung des Lohnwachstums in den USA zu erkennen – mit einer Zunahme der Stundenlöhne um +2,9 Prozent in den letzten zwölf Monaten –  die einen sich selbst tragenden Anstieg der Inflation bewirken könnten. Mit einer Arbeitslosenquote auf historischem Tiefstand könnte auch Deutschland einen länger als erwartet andauernden Inflationsschub erleben.

All dies wird die Arbeit der Zentralbanker nicht einfacher machen und die Finanzmärkte dazu bringen, dem Konjunkturzyklus künftig mehr Aufmerksamkeit zu widmen, um Anlagechancen zu nutzen. Die Zeit, in der schlechte Neuigkeiten aus der Wirtschaft aufgrund von Versprechen einer stärkeren Unterstützung seitens der Zentralbanken zu guten Nachrichten für die Finanzmärkte wurden, geht zu Ende. Die Beschleunigung der Inflation dürfte nämlich die Reaktionsfähigkeit der Zentralbanker begrenzen, eine Konjunkturabschwächung durch Zinssenkungen zu bekämpfen.

Notenbanken sind gefordert

Ganz im Gegenteil wird der hohe Verschuldungsgrad der Marktteilnehmer ein Risiko darstellen, dem sie Rechnung tragen müssen, wenn es um eine Anhebung der Zinsen geht. Angesichts dieses Dilemmas dürften sich die Zentralbanken künftig etwas zurücknehmen und der konjunkturellen Zyklizität wieder ihre Rolle als Schiedsrichter der Finanzmärkte zurückgeben.

Jean Médecin ist Mitglied des Anlageausschusses von Carmignac, Paris

Foto: Carmignac

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