Dividendensaison 2017: Vier Gründe für ein stabiles Kapitaleinkommen

Dividenden rücken immer mehr in den Blick für die Erzielung von Kapitaleinkommen – dies umso mehr, als sich mit langsam steigenden Inflationsraten das Thema „Reflation“ wieder nach vorne spielt. Vier Faktoren sprechen 2017 für stabile, wenn nicht sogar steigende Dividendenrenditen.

Ein Kommentar von Hans-Jörg Naumer, Allianz Global Investors

Hans-Jörg Naumer, Allianz Global Investors
Hans-Jörg Naumer: „Dividenden können per Kapitaleinkommen einen Ausweg aus dem Niedrigzinsumfeld bieten.“

Insbesondere europäische Unternehmen zeigten sich im internationalen Vergleich ausschüttungsfreundlich. Gleichzeitig ist zu beobachten, dass Dividenden dem Depot zu mehr Stabilität verhelfen können.

Steigende Dividendenrendite

Die Lehren der Vergangenheit müssen allerdings mit der zukünftig zu erwartenden Entwicklung geerdet werden. Folgende Faktoren sprechen im aktuellen Marktumfeld für stabile, wenn nicht sogar steigende Dividendenrenditen:

-> Während in Europa das Verhältnis von ausbezahlter Dividende zum Gewinn je Aktie mit derzeit etwa 80 Prozent deutlich über Vorkrisenniveau liegt, ist die Ausschüttungsquote in den USA und in Asien mit rund 50 Prozent und knapp 45 Prozent moderater. Der Spielraum für zukünftige Dividendenerhöhungen bleibt somit für die Unternehmen in diesen Märkten bestehen.

-> Unternehmen verfügen derzeit über einen hohen Bestand an frei verfügbaren Mitteln (Cashflow). Beispielsweise liegt der Netto-Cashflow der US-Unternehmen in Relation zum US-Bruttoinlandsprodukt (BIP) bei zwölf Prozent. Er nähert sich damit seinem Höchststand von 2011.

Unterstützungsfaktoren überwiegen

-> Beim Gewinnausblick für 2017 überwiegen die Unterstützungsfaktoren gegenüber den Belastungsfaktoren. In den USA sollten sich bei den Gewinnen unter anderem die Erholung im Energiesektor, die zu erwartenden Steuersenkungen und die Ausgabenprogramme bemerkbar machen. Belastend dagegen wirken die Aufwertung des US-Dollar und der Margendruck im Gefolge steigender Lohnstückkosten. Die Firmen in der Europäischen Union dürften ebenfalls, wenn auch nur mittelbar über die konjunkturelle Lage, von dem US-Fiskalstimulus profitieren – sowie von der Erholung im Energie- und voraussichtlich auch im Bankensektor. Belastend sollte die politische Unsicherheit wirken. Die Consensus-Schätzungen der Analysten bezüglich der Gewinnsteigerungen dürften dabei nicht ganz erreicht werden.

-> Da im Kontext der Geld- und Geo-Politik eine erhöhte Volatilität zu erwarten ist, sollten Dividenden ihre Funktion als Stabilitätsanker ausspielen können.

In der Gesamtsicht zeigt sich: Dividenden können per Kapitaleinkommen einen Ausweg aus dem Niedrigzinsumfeld bieten.

Hans-Jörg Naumer ist Head of Global Capital Market & Thematic Research von AllianzGI

Foto: Allianz GI


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