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28. Juni 2017, 12:02
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Ist die Ära des Valiums an den Finanzmärkten vorbei?

Valium ist ein Psychopharmaka, das Ängste bekämpft und die Nerven beruhigt. Es wirkt schnell, doch ist seine Wirkungsdauer nur kurz. Damit hat Valium eine Nebenwirkung: Es macht abhängig. An den Finanzmärkten heißt das Valium seit 2008 Geldpolitik. Die Halver-Kolumne

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Robert Halver, Baader Bank: “Die Aktien- und Rentenmärkte zeigen dem kalten Entzug die kalte Schulter.”

Der Erfolg dieser Beruhigung lässt sich an den ultraniedrigen Schwankungsbreiten der Aktien- und Rentenmärkte ablesen. Kein noch so großes (finanz-)politisches Risiko konnte Schaden anrichten. Fed und EZB sind unschlagbare Sondereinsatzkommandos. Durch die geldpolitische Entmachtung der Marktwirtschaft bewegt sich ebenso die Volatilität der krisenempfindlichsten Anlageklasse „Staatsanleihen“ nahe historischer Tiefstände. Die Anleihemärkte sind planwirtschaftlich eingesperrt, genießen keine eigenen Freiheiten mehr, sind fremdbestimmt.

Entscheidend ist, was bei der Geldpolitik hinten rauskommt

Neben den Beruhigungspillen für die Finanzmärkte ging es den Notenbanken nach der weltweiten Rezession 2008/2009  auch um den Kaltstart der Konjunkturen. Beginnend in Amerika sollten Banken mit viel billigem Zentralbankgeld – Quantitative Easing genannt – so überfüttert werden, dass sie gar nicht anders können als massenweise neue Kredite an die Privatwirtschaft auszuleihen. In den USA hat das anfänglich zwar zu einem verstärkten Kreditvolumen geführt. Doch seit Ende 2016 hat sich das Kreditwachstum deutlich abgeschwächt. Noch erbärmlicher ist übrigens das Kreditwachstum in der Eurozone. Die Kreditinstitute verschmähen das überreichliche Geld der EZB wie der Veganer fettige Mettbrötchen. Dass sich die Volkswirtschaften dennoch insgesamt stabil entwickeln, liegt an der explodierenden, zu günstigen Zinsen finanzierten Staatsverschuldung z.B. in den USA, die wie Kunstdünger wirkte.

Trump-Effekt nicht zu erkennen

Die im Vergleich relative Schwäche im amerikanischen Privatsektor offenbart auch der mitunter bis in den Himmel gelobte US-Arbeitsmarkt. Es wurden zwar zahlreiche Jobs geschaffen. Aber diese sind vor allem im Bereich “Schiffsschaukelbremser” oder “Fast Food” angesiedelt und nicht in der qualitativ hochwertigen Industrie oder im Dienstleistungssektor. Doch mittlerweile schwächelt selbst die quantitative job creation. Die Stellenausschreibungen und der Stellenaufbau haben ihre Gipfel hinter sich. Vom Trump-Effekt ist hier bislang ebenso wenig zu sehen wie von blühenden Landschaften in der Wüste. Der geldpolitische Schuss ging nicht realwirtschaftlich nach vorn, sondern finanzwirtschaftlich vor allem nach hinten los. Auffangbecken für das konjunkturell verschmähte Geld sind die Aktien-, Anleihe- und Immobilienmärkte. Dort haben wir es mittlerweile mit den Müttern und Vätern aller Anlageblasen zu tun.

Seite zwei: Die Notenbanken stecken in einem dramatischen Dilemma

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