Anzeige
1. November 2017, 13:55
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

“Nominierungsprozess der EZB darf nicht zum politischen Kuhhandel werden”

Jetzt, da die meisten Zentralbanken der Industrieländer ihre geldpolitischen Notfallmaßnahmen zurückschrauben, ist es Mode geworden, von einem Wendepunkt der Geldpolitik zu sprechen. Aber steht nicht das Zentralbankwesen generell vor einer Wende? Das fragen die Volkswirte von Aberdeen Standard Investments.

Draghi-Weidmann in Nominierungsprozess der EZB darf nicht zum politischen Kuhhandel werden

EZB-Chef Mario Draghi (rechts) und Bundesbank-Chef Jens Weidmann, der als Nachfolger für den Posten des Präsidenten der EZB gehandelt wird.

Schließlich dürften die fünf wichtigsten Zentralbanken der Welt – die Fed, die PBOC, die EZB, die BoJ und die BoE – neue Präsidenten haben, bevor das Jahrzehnt zu Ende geht. “Es ist eine Untertreibung zu sagen, dass von diesen Personalentscheidungen viel abhängt”, so Chefvolkswirt Jeremy Lawson. “Sie sind nicht die Architekten der unkonventionellen Maßnahmen, aus denen sie den Ausstieg bewerkstelligen werden müssen; einige von ihnen mögen sogar ausgesprochene Kritiker der gegenwärtigen Regime sein”, sagt Lawson.  Das werfe die Frage auf, ob im nächsten globalen Abschwung die Reaktionen wieder so stark ausfallen werden.

Erfolge der Draghi-Ära zeigen, wie sehr es auf Führung ankommt

“Eine (hypothetische) John-Taylor-Fed oder eine von Jens Weidmann geführte EZB dürften die Geldpolitik nur geringfügig schneller anziehen als es Janet Yellen oder Mario Draghi getan hätten. Wenn sie jedoch zurückhaltender daran gehen, QE wieder anzuwerfen, wenn es die Umstände erfordern, könnte der nächste Abschwung tiefer und die Erholung noch flacher werden”, so Lawson. Während die EZB unter Trichet Fehler gemacht habe, würden die Erfolge der Draghi-Ära zeigen, wie sehr es auf die Führung ankomme, wenn die Geldpolitik immer noch der wichtigste Faktor im Spiel sei. “Der Nominierungsprozess der EZB darf nicht zu einem politischen Kuhhandel werden, der die Glaubwürdigkeit der Zentralbank untergraben könnte.”

Frage der Unabhängigkeit von der Politik

Wie Zentralbanken ihre Mandate interpretierten, sei jedoch nicht das Einzige, was auf dem Spiel stehe. Noch mehr gehe es um die Frage der Unabhängigkeit von der Politik. “Wir können uns nicht erinnern, dass die Geldpolitik jemals stärker politisiert wurde als heute. Bis zu einem gewissen Grad machten die Finanzkrise und ihre Auswirkungen dies unvermeidlich. In einer Demokratie haben die Politiker eine legitime Rolle, wenn es darum geht, die Ziele festzulegen und Rechenschaft einzufordern,  insbesondere wenn die Zentralbanken über ihre traditionellen Toolkits hinausgehen. Aber wie wir aus den 70er und 80er Jahren wissen, ist es unwahrscheinlich, dass die Einmischung in die alltäglichen Entscheidungen zu besseren Ergebnissen führen lässt. Leider kann es sein, dass diese Erkenntnis nicht reicht. Die nächste Generation von Zentralbankern wird daher geschickter sein müssen, wenn sie ihre hart erkämpfte Unabhängigkeit behalten will”, prognostiziert der Chefvolkswirt von Aberdeen Standard Investments. (fm)

Foto: picture-alliance/dpa

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 01/2019

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Fonds Finanz – Robotik – Moderne Klassik – Finanzanalyse

Ab dem 18. Dezember im Handel.

Cash. 12/2018

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Goldfonds – Rock’n’Roll – Fondspolicen – Nachrangdarlehen

Versicherungen

“Silver Surfer” erobern das WorldWideWeb

Die Digitalisierung ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Das ist eines der Ergebnisse der Studie “D21-Digital-Index 2018 / 2019”, die die Initiative D21 heute gemeinsam mit Wirtschaftsminister Peter Altmaier im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie präsentiert.

mehr ...

Immobilien

Dr. Klein: Boom im Osten, Rekorde im Norden

Ob nun Hamburg, Hannover, Berlin oder Dresden – im Norden und Osten der Bundesrepublik steigen die Immobilienpreise in allen Metropolregionen an. Trotzdem gibt es deutliche Preisunterschiede.

mehr ...

Investmentfonds

Kryptowährungen: Schwankende Coins an Gold binden

Seit jeher suchen Menschen Stabilität. Bei Währungen, der Basis unseres Wirtschafts- und sozialen Lebens ist dies nicht anders. Das hart verdiente und ersparte Geld soll nicht durch Inflation oder andere Unwägbarkeiten entwertet werden.

Gastbeitrag von Harald Seiz, Karatbars International GmbH

mehr ...

Berater

Kartellwächter: Mastercard muss Millionenstrafe zahlen

Der Kreditkartenanbieter Mastercard muss wegen Verstößen gegen EU-Kartellvorschriften 570 Millionen Euro bezahlen. Das teilte die EU-Kommission am Dienstag in Brüssel mit. Auf den US-Konzern könnten zudem Schadenersatzklagen zukommen.

mehr ...

Sachwertanlagen

Ernst Russ AG verliert beide Vorstände auf einen Schlag

Sowohl der Vorstandssprecher Jens Mahnke als auch Vorstandsmitglied Ingo Kuhlmann werden im Juni beziehungsweise Ende März aus der Ernst Russ AG (ehemals HCI Capital) ausscheiden. Ein bisheriges Aufsichtratsmitglied springt ein.

mehr ...

Recht

Pflegeunterhalt: Wenn Kinder für ihre Eltern haften

Die Deutschen werden immer älter. Damit wächst auch die Zahl der pflegebedürftigen Menschen in Alten- und Pflegeheimen. Die Kosten hierfür sind hoch. Vielfach benötigen Eltern in diesem Fall die finanzielle Hilfe ihrer Kinder. Für diesen Fall gibt es genaue Regeln, wie eine Übersicht des Arag-Rechtsschutzes zeigt.

 

mehr ...