3. Januar 2017, 12:10
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Krisenmodus: 2017 leben wir in postfaktischen Finanzmärkten

Selbst nach vielen Gläsern Glühwein oder Winterpunsch kommt keine Anlegerin, kein Anleger an der Tatsache vorbei, dass sich die (Finanz-)Welt 2017 eigentlich im Krisenmodus befindet.

Die Halver-Kolumne

Postfaktische Finanzmärkte

Robert Halver, Baader Bank

Um den im Januar in sein Amt eingeführten US-Präsidenten Trump ranken sich noch so viele Rätsel wie um die Lottozahlen vom kommenden Samstag. Auch seine Tweets sind nicht nur eine nicht versiegende Quelle des Humors, sondern auch der Verunsicherung. Normalerweise sind das keine guten Zutaten für politisch stabile Finanzmärkte in den USA.

Und in Europa? Auch dort sieht es 2017 politisch aus wie bei Hempels unterm Sofa. Die Briten werden anfangen, sich schmutzig von Brüssel zu scheiden und damit aller Welt vor Augen führen, dass die EU zum politisch größten Zwerg der Welt geworden ist. Mit Blick auf vier Nationalwahlen ist die Demokratie in der Eurozone ohnehin starken Zentrifugalkräften ausgesetzt. Und will man bei europäischen Banken wirklich uneingeschränkt von Stabilität sprechen?

Sogar der langjährige Freudenspender der Finanzmärkte droht, in die Depression abzurutschen: 2017 will die US-Notenbank drei Leitzinserhöhungen durchführen. Damit würde sie viel Wasser in den süßen Wein der Liquiditätshausse schütten. Für 2017 könnte ich noch weitere Krisenherde aufzählen. Doch diese Kolumne soll ja kein dicker Schmöker werden.

Wenn einem so viel an Krisen wird beschert, wie viel Aktienhausse ist 2017 dann noch wert?

Angesichts dieser vielen tatsächlich vorhandenen Risiken haben Aktien faktisch keinen nachvollziehbaren Grund, sich nächstes Jahr optimistisch zu zeigen. Ohnehin notieren US-Aktienindices aktuell schon auf Rekordständen und sind mittlerweile sportlich bewertet. Der Dax hat immerhin ein Jahreshoch erklommen. Und das Krisenbarometer VDax-New, das die Schwankungsstärke des deutschen Aktienleitindex für die nächsten 30 Handelstage misst, liegt auf einem Zweijahrestief. Eigentlich zu viel des Guten.

Offensichtlich werden tatsächliche, faktische Krisenargumente ignoriert, postfaktische Gefühle der Marke “Alles wird gut” dagegen honoriert. Und es scheint gefühlt gute Gründe zu geben, dass dieses I feel good-Verhalten auch 2017 zum Tragen kommt.

Seite zwei: Donald Trump als Lufterfrischer mit Ronald Reagan-Aroma

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