Aktienmärkte: „Buy in May“

Auch wenn eine der bekannteren Börsenweisheiten dazu rät, „Sell in May and go away“, sollte man dieses Jahr doch lieber das Gegenteil machen. Die Risiken in Europa sollten Anleger dabei aber nicht vernachlässigen. Gastbeitrag von Igor de Maack, DNCA

Igor de Maack, DNCA
Igor de Maack: „Sell in May and go away“ heißt das altbekannte Sprichwort. „Nicht wenige Anleger scheinen jedoch optimistischer in die Zukunft zu schauen und halten sich lieber an eine andere Devise: „Buy in May and sail away“.“

Die amerikanische Notenbank Federal Reserve (Fed) hat ihren Zinsfahrplan für das Jahr 2018 zunächst nicht geändert, obwohl sie ihr Inflationsziel (zwei Prozent) erreicht hat. Zudem deutete sie an, dass sie auch bei einem Überschießen der Teuerungsrate über die Zwei-Prozent-Marke hinaus nicht unbedingt beabsichtigt, einzugreifen.

Die amerikanischen Anleihemärkte haben diese Aussagen zügig eingepreist und sind in der vergangenen Woche entsprechend mit rund 2,95 Prozent relativ stabil geblieben.

Weniger Wachstum in Europa

Dass in Europa das Wachstumstempo abnimmt, ist mittlerweile spruchreif. Nur wenige Analysten gehen für 2018 noch von einer Wachstumsrate um die 2,5 Prozent aus, zumal der britische Handelspartner die Auswirkungen der Ungewissheit, die sich aus dem Brexit für Unternehmen und Verbraucher ergibt, allmählich zu spüren bekommt.

Die Geschäftszahlen amerikanischer Unternehmen fallen weiterhin erfreulich aus, insbesondere bestimmter Technologiewerte wie Apple. Das Unternehmen hat ein Aktienrückkaufprogramm in Höhe von 100 Milliarden US-Dollar angekündigt.

Dynamischer Markt für Fusionen

In Europa lassen die Aufwärtskorrekturen der Gewinnzahlen indes weiter auf sich warten. Für Bewegung an den Börsen sorgen weltweit Übernahmen und Fusionen in Sektoren, die entweder mit einem hohen Investitionsbedarf konfrontiert sind, wie die Telekommunikation mit dem 5G-Netz, Deflationsdruck aufgrund der Konkurrenz durch den Online-Handel spüren (Lebensmittel-Einzelhandel) oder bezüglich ihres Wachstums vor großen Herausforderungen stehen (Pharmaindustrie).

Drei laufende Fusionen sind hier beispielhaft: Sprint/T Mobile US, Sainsbury’s/Asda und Takeda/Shire.

Gründe für Optimismus

Ein weltweites Wachstum und die zwei Wirtschaftsmächte, die Vereinigten Staaten und China, die als weltweite Konjunkturlokomotiven fungieren, eine rege M&A-Tätigkeit, eine hohe Dynamik bei Aktienrückkäufen und eine gewisse Berechenbarkeit der Geldpolitik – sind gute Zutaten für die Abstützung der jüngsten Rallye, und dies trotz der berühmten Mahnung zur Vorsicht im Wonnemonat: „Sell in May and go away“ heißt das altbekannte Sprichwort.

Nicht wenige Anleger scheinen jedoch optimistischer in die Zukunft zu schauen und halten sich lieber an eine andere Devise: „Buy in May and sail away“.

Igor de Maack ist Fondsmanager und Sprecher von DNCA, einer Tochtergesellschaft von Natixis Investment Managers

Foto: DNCA

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