Gewappnet für die nächste Krise?

Würde Ihre Volkswirtschaft die nächste Krise gut überstehen? Diese Frage hat das Ifo-Institut Experten weltweit gestellt. Wie viele Länder haben ihre Wirtschaft erfolgreich reformiert? Sind Finanzinstrumente transparent genug und brauchen Märkte mehr Regulierung?

Finanzanalyst schaut besorgt und rauft sich seine Haare.
Angst vor der nächsten Krise? So geht es weniger als jedem Vierten der vom Ifo-Institut befragten Experten.

Am 15. September war der zehnte Jahrestag der Lehman-Krise. Aus diesem Anlass hat das Ifo-Institut eine weltweite Umfrage unter Wirtschaftsexperten gestartet. Über der drei viertel der Umfrageteilnehmer aus entwickelten Volkswirtschaften sind demnach überzeugt, dass die Wirtschaft ihres Landes besser für die nächste Finanzkrise gewappnet ist.

Weniger Optimismus in Schwellenländern

Experten aus Schwellen- und Entwicklungsländer zeigten sich weniger optimistisch: Nur 55 Prozent von ihnen glauben, ihr Land sei für eine neue Krise vorbereitet. Insgesamt wurden 976 Experten aus 117 Ländern vom Ifo-Institut befragt.

86 Prozent der Befragten aus dem Euroraum, Kanada, Japan, aus dem Vereinigten Königreich und den Vereinigten Staaten hätten angegeben, dass Reformen der Finanzbranche nötig gewesen seien. Aber auch Experten aus Asien (87 Prozent), aus Schwellenländern Europas (89 Prozent) und aus der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (72 Prozent) befürworteten Reformen.

Die meisten Befragten seien sich einig, dass Verbesserungen bei der Kapital- und Liquiditäts-Regulierung sowie beim Risiko-Management stattgefunden haben. Besonders im Euroraum, Kanada, Japan, Großbritannien und den USA seien sie der Meinung, dass Reformen umgesetzt wurden, die für mehr Transparenz bei Bewertung von Finanz-Instrumenten sorgen sollen. Und dass Zentralbanken in ihrer Fähigkeit gestärkt wurden, Liquidität bereitzustellen.

Mehr Regulierung?

Umstrittener bliebe, ob eine allgemein strengere Regulierung umgesetzt wurde und striktere Beschlüsse zu grenzübergreifenden Finanz-Instituten sowie zur Rolle von Rating-Agenturen.

Zu der Frage, ob weitere Reformen nötig seien, zeigten sich die meisten Experten aus den fortgeschrittenen Volkswirtschaften nach Angaben des Ifo-Instituts mit der aktuellen Politik zufrieden.

Dagegen würden sich die Befragten in Schwellen- und Entwicklungsländern strengere Regeln wünschen, speziell bei der Reaktionsfähigkeit von Finanzbehörden auf Marktrisiken und bei einer effizienten Kommunikation mit Marktteilnehmern. Besonders viele der Experten, die strengere Reformen befürworten, kommen aus den Schwellen- und Entwicklungsländern Asiens.

Foto: Shutterstock

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