5. April 2018, 08:15
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Psychologie an der Börse – Vom Kampf gegen die eigene Natur

Stellen Sie sich vor, Sie hätten vor einigen Wochen 10.000 Euro an der Börse investiert. Das Glück ist auf Ihrer Seite. Beim Blick auf Ihr Depot stellen Sie fest, dass es sich prächtig entwickelt hat und aktuell einen Wert von fast 16.000 Euro ausweist. Man liest und hört, dass die Börse wohl weiterhin starken Schwankungen ausgesetzt sein dürfte. Wie würden Sie sich entscheiden? Halten oder glattstellen?

Gastbeitrag von Martin Rinke, Deutsche Makler Akademie (DMA)

Psychologie an der Börse – Vom Kampf gegen die eigene Natur

Martin Rinke: “Ein Großteil der Kursbewegungen an der Börse wird durch unvernünftiges Handeln beeinflusst.”

Stellen Sie sich vor, Sie hätten vor einigen Wochen 10.000 Euro an der Börse investiert und viel Pech gehabt, weil Ihr Depot nur noch einen Wert von etwa 4.500 Euro ausweist und, wie man hört, die Börse weiterhin starken Schwankungen ausgesetzt sein dürfte. Wie würden Sie sich in dieser Situation entscheiden? Halten Sie durch oder stellen Sie glatt?

Tatsächlich entscheidet sich eine große Mehrheit im ersten Fall für den sicheren Gewinn, während sich die Mehrheit bei einem drohenden Verlust für das Spiel entscheidet. Man ist also risikoscheu in Gewinnphasen und spekulativ in Zeiten des Verlustes unterwegs.

Das ist nicht logisch, weil man in einem der beiden Fälle von seiner persönlichen Einstellung zum Risiko abweicht. Das führt dazu, dass in der Regel Gewinne zu schnell realisiert werden, während man Verlust viel länger laufen lässt. Gelegentlich zu lange.

Menschen neigen zu Emotionalität

Rational wäre es, genau umgekehrt zu verfahren. Wir sind aber, von Ausnahmen abgesehen, kein ausschließlich rational handelndes Wesen. Oft genug hat unsere emotionale Seite ein gewichtiges Wörtchen mitzureden.

Und hier kommen Gefühle ins Spiel, oft genug die Gier, manchmal aber auch die Angst. Diese emotionale Seite ist uns vor vielen 10.000 Jahren quasi mit in die Wiege gelegt worden.

Wer etwas hatte, ließ es sich ungern streitig machen, weil ein Vorrat das Überleben sicherte. Da wir eine Aversion gegen Verluste haben, ist der Schmerz darüber größer als die Freude über einen Gewinn.

Mehrheit opfert Individualität für Sicherheit

Ein gutes Investment basiert auf einer validen Prognose, sagt man. Die wenigsten Marktteilnehmer sind aber in der Lage, die Fülle an Informationen, die immerzu an den Börsen in Kurse umgewandelt werden, auch nur im Ansatz zu verarbeiten.

Unternehmensmeldungen, Konjunkturdaten, Politik, Zentralbankentscheidungen, Diskussionen und Meinungen in alle möglichen Richtungen, Gerüchte … – und gelegentlich ein unvorhergesehenes Ereignis, weil … es eben unvorhersehbar war. Wer soll das alles im Blick behalten und daraus die richtigen Schlüsse ziehen?

Die Vielzahl der Anleger kann das nicht. Zu wenig Zeit, zu wenig Erfahrung, zu wenig Ratio und nur eine vage Vorstellung, wie Börsen funktionieren. Daher gibt diese Anlegergruppe ihre Individualität auf und opfert sie der großen Masse, indem sie deren Verhalten folgen.

Seite zwei: Ausweg aus der Unvernunft

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1 Kommentar

  1. Ja, genau: Anlegen, streuen und warten. So einfach ist das. Aber wie soll der private Anleger das akzeptieren, wenn Politik, Verbraucherschutz und große Teile der Branche sagen “riskant, kompliziert und bedarf ständiger Aufmerksamkeit”?

    Kommentar von Bernd Waldeck — 9. April 2018 @ 13:24

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