Wachsende Unsicherheit am Kapitalmarkt

Der Optimismus vom Jahresanfang ist gewichen. Dennoch sollten sich Anleger nicht vorschnell aus den Kapitalmärkten zurückziehen und Chancen verpassen. In einigen Assetklassen ist Vorsicht geboten, in anderen ist es einfacher, Gewinne zu machen:

Jens Wilhelm, Union Investment:
Jens Wilhelm: „Die Gewinner der Globalisierung sind die Verlierer des Protektionismus. Das gilt vor allem für uns in Europa und die Schwellenländer.“

Am Kapitalmarkt wächst die Unsicherheit. „Wir kommen aus einer Phase des langanhaltenden, über alle Weltregionen relativ gleichmäßig verteilten Aufschwungs. Das droht sich gerade zu ändern. Nach vorne wird es wirtschaftlich schwieriger“, sagt Jens Wilhelm, Vorstand für Portfoliomanagement bei Union Investment.

Protektionismus bremst Konjunktur

Grund dafür sei, dass der Welthandel bedroht werde, wodurch sich die Konjunktur verlangsame. Das treffe die Regionen unterschiedliche stark: „Die Gewinner der Globalisierung sind die Verlierer des Protektionismus. Das gilt vor allem für uns in Europa und die Schwellenländer, während die USA mit ihrem großen nationalen Heimatmarkt weniger stark betroffen sind“, sagt Wilhelm.

Hinzu komme die unterschiedliche Politik der Notenbanken in den USA und Europa. „Der Richtungswechsel ist vollzogen, die Zeit der ultralockeren Geldpolitik geht zu Ende. Aber dieser Prozess läuft sehr langsam ab. In den USA rechnen wir 2018 noch mit zwei weiteren Leitzinsanhebungen. Für die Europäische Zentralbank sind Zinsschritte bis weit ins Jahr 2019 kein Thema. Damit können Konjunktur und Kapitalmärkte noch gut leben“, so Wilhelm.

Wo Anleger selektiv sein müssen

Und so rechnet Wilhelm auch mit nur gering steigenden Renditen: „Klar ist: Der langfristige Trend bei den Renditen weist nach oben. Aber wir werden so schnell keine Rückkehr auf historische Niveaus sehen. Die Renditeanstiege für den Rest des Jahres sollten nur noch moderat ausfallen. Wir rechnen zum Jahresende mit 0,5 Prozent bei zehnjährigen Bundesanleihen und 3,2 Prozent bei laufzeitengleichen US-Treasuries.“

Doch sehe das bei europäischen Unternehmensanleihen durch den Rückzug der EZB anders aus. Auch Schwellenländeranleihen sollte man überlegt kaufen. Optimistischer ist Wilhelm bei Aktien und Rohstoffen: „Die Unternehmen sind noch in Topform. Bei vielen Konzernen sprudeln die Gewinne, gerade in den USA. Auch wenn Aktien nicht mehr günstig sind und das Umfeld schwieriger wird, bleibt die Anlageklasse bis auf Weiteres attraktiv. Auch Rohstoffe sind in spätzyklischen Konjunkturphasen – wie wir sie derzeit haben – weiter aussichtsreich.“

Insgesamt geht Wilhelm damit von einem weiter guten, aber volatilen Börsenjahr 2018 aus.

Foto: Union Investment

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