21. November 2019, 09:45
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

ESG: Gute Chancen für aktives Management

Aktiv oder passiv investieren? Diese Debatte hat bereits für unzählige Beiträge und Analysen gesorgt. Eines lässt sich nicht leugnen: In den vergangenen Jahren hat sich das Blatt zugunsten der passiven Strategien gewendet. Was 2007 noch in weiter Ferne schien, rückte Ende April dieses Jahres in den Vordergrund: Der Zeitpunkt, an dem am US-Markt passive Anlagen in einheimische Aktien Parität mit den entsprechenden aktiven Vermögenswerten erreichten.

ESG in ESG: Gute Chancen für aktives Management

Zweifelsohne sind Kosten ein wichtiger Faktor für den Erfolg von passiven Strategien, und die Auswirkungen auf die aktive Vermögensverwaltung werden von Tag zu Tag deutlicher, da der Druck auf die Gebühren weiter zunehmen wird. „Zwar haben aktive Asset Manager den Kampf bezüglich der Kosten gegen passive Anlagestrategien verloren – das heißt aber nicht, dass sie für Investoren keine attraktive Anlageform mehr sind“, ist Matt Christensen, Global Head of Responsible Investments bei AXA Investment Managers, überzeugt. Denn ESG-Investitionen bieten ein schlagendes Argument für aktives Management: „ESG-Investitionen sind zentral für die Erreichung der Klimaschutzziele und könnten sich als Wegbereiter für die aktive Managementbranche erweisen. Denn diese verfolgt höhere Ziele als den Preis für ihr Investment. Sie können nachhaltige Veränderungen in Unternehmen hervorrufen und auf diesem Wege viel einfacher zur Erreichung dieser Ziele beitragen.“

Aktive Manager in guter Position

Aktive Manager befinden sich in einer guten Position, um einen kontinuierlichen Dialog mit Unternehmen auf den wichtigsten Entscheidungsebenen zu führen und damit Prozesse zu etablieren, die zu mehr Nachhaltigkeit beitragen. „Und das geht weit über das ESG-Screening hinaus“, sagt Christensen. „Wir sprechen von echten Partnerschaften zwischen Investoren und Unternehmen, die darin bestärkt werden, dass aktive Manager ihre Positionen abbauen oder abstoßen können, wenn ein Unternehmen keine Fortschritte in Bezug auf ESG-Kriterien macht.“

Christensen beschreibt damit einen Faktor, den passive Manager nicht replizieren können. Passive Strategien folgen einer Reihe von regelbasierten Kriterien, die Unternehmen erfüllen oder nicht. Veränderungen werden unter Umständen erst zu spät in jährlichen Neuausrichtungen berücksichtigt – anders ist das bei einem aktiven Management, die schnell auf Veränderungen am Markt reagieren und die Asset Allokation entsprechend anpassen können. „Aktive Manager haben an dieser Stelle einen klaren Vorteil, da sie die Geschäftsmodelle und -praktiken von Unternehmen hin zu mehr Nachhaltigkeit beeinflussen können, statt sie zu ignorieren oder auszuschließen“, sagt Christensen.

Fokus auf Reporting und Kommunikation

Eine der größten Herausforderungen für die Branche bleibt, die positiven Auswirkungen von ESG-Strategien zu beziffern. Viele Fondsmanager verweisen in diesem Zusammenhang auf einen ESG-Rahmen oder eine Liste von Standards, die sie einhalten. „In ihrer derzeitigen Form sind diese aber zu unklar, um den Anlegern wirklich das Gefühl zu geben, dass ihr Geld nicht nur Rendite bringt, sondern auch einen Beitrag zu einer besseren Welt leistet“, so Christensen weiter.

Nachhaltiges Investieren bedeute in der Praxis, einen strategischen Ansatz zu verfolgen, nachhaltige Megatrends zu identifizieren und neben messbaren Auswirkungen auch Anlageerträge zu erzielen. „Die Instrumente, die dafür nötig sind, liegen fest in den Händen aktiver Manager. Sie müssen jetzt effektiver genutzt werden, sei es durch Echtzeitkommunikation von Entscheidungen, verbesserte Berichterstattung oder andere Mittel, um zu zeigen, wie sie über ihre Investitionen echte Veränderungen bewirken“, sagt Christensen.

Ansturm der passiven Strategiem überstehen

Eine klares, konsistentes und vergleichbares Reporting werde die aktiven Manager von morgen definieren. Wenn aktive Manager den anhaltenden Ansturm der passiven Strategien überstehen und Nachhaltigkeitsziele erreichen wollen, sollte dieses Vorhaben laut Christensen zügig in die Tat umgesetzt werden. Einen pragmatischen 3 bis 5-Jahres-Horizont für diesen Schrittwechsel hält er von entscheidender Bedeutung. „Es geht nicht nur darum, den aktiven Management-Sektor vor dem Schrumpfen zu wahren. Es geht vor allem darum, sicherzustellen, dass Kapital effektiv eingesetzt wird, um echte Veränderungen in unserer Umwelt zu bewirken und wichtige globale Nachhaltigkeitsziele zu erreichen. Die gute Nachricht ist, dass die Investoren genau dies fordern. Sie sind mit Herz und Verstand an Bord – jetzt ist es an uns, zu liefern“, schließt Christensen.

Foto: Shutterstock

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Erster im Markt: Gothaer bündelt bAV- und bKV-Verwaltung in einem Portal

Um den Verwaltungsaufwand für die betriebliche Vorsorge und Absicherung für Arbeitgeber deutlich zu vereinfachen, bündelt die Gothaer als erster Versicherer die bAV und bKV-Verwaltung für Arbeitgeber in einem gemeinsamen Portal.

mehr ...

Immobilien

Stadtflucht wegen Coronakrise?

Treibt Corona die Deutschen aufs Land? Immerhin haben die Vorteile der Stadt in Zeiten von Kontakteinschränkungen und Sperrstunden weniger Relevanz. Große Menschenansammlungen sind auf dem Land leichter zu meiden. Doch spiegelt sich diese landläufige Ansicht auch im Suchverhalten und den Nachfragepräferenzen von Immobiliensuchenden wider?

mehr ...

Investmentfonds

Britische Staatsanleihen: Sorgen Brexit und Corona für negative Renditen?

Die anhaltende Covid-19-Pandemie und der zäh verlaufende Brexit-Prozess könnten die Renditen britischer Staatsanleihen unter die Nullgrenze bringen, kommentiert Colin Finlayson, Co-Manager des Aegon Strategic Global Bond Fund bei Aegon Asset Management.

mehr ...

Berater

Konsolidierung mit Kapital und Köpfen

Suchten Makler in der Vergangenheit Anschluss an einen Pool oder wollten zu einem anderen wechseln, lenkten sie den Blick meist auf die Provisionstabellen. Wettbewerb lief vor allem über die Vergütung und Produktpalette. Diese Zeiten sind vorbei. Natürlich spielen beide Kriterien noch eine Rolle, aber die entscheidende Frage lautet: Wie bewältigt der Pool des Vertrauens die Herausforderungen, die wegen der enorm schnellen und einschneidenden technischen Entwicklung entstehen?

mehr ...

Sachwertanlagen

BaFin nimmt Deutsche Edelfisch DEG II ins Visier

Die Finanzaufsicht BaFin hat den hinreichend begründeten Verdacht, dass die Deutsche Edelfisch DEG GmbH & Co. II KG in Deutschland Wertpapiere in Form von Schuldverschreibungen ohne das erforderliche Wertpapier-Informationsblatt öffentlich anbietet. Im Markt der Vermögensanlagen ist das Unternehmen nicht unbekannt.

mehr ...

Recht

Berliner Verfassungsgerichtshof setzt Mietendeckel-Verfahren aus

Der Berliner Verfassungsgerichtshof hat die Prüfung des umstrittenen Mietendeckels ausgesetzt. Man wolle zunächst den Ausgang der anhängigen Verfahren dazu beim Bundesverfassungsgericht abwarten, teilte das höchste Berliner Gericht am Donnerstag mit.

mehr ...