„Multi-Asset-Income-Fonds sind kein Anleihenersatz“

Multi-Asset-Fonds hatten zuletzt einen schweren Stand. Cash. sprach mit Barbara Claus, Senior Manager Research Analyst bei
Morningstar Deutschland, über die Perspektiven der Fondsklasse.

Barbara Claus, Morningstar

Sie haben unlängst die Performance von Multi-Asset-Fonds analysiert. Wie hat sich die Fondsklasse geschlagen, gab es Auffälligkeiten?

Claus: Ja, die gab es. Beispielsweise wiesen fast alle untersuchten Multi-Asset-Income-Strategien über die letzten Jahre eine höhere Volatilität als ihr jeweiliger Morningstar Mischfonds-Kategoriedurchschnitt auf. Darüber hinaus haben fast alle im Jahr 2018 höhere Verluste als ihre jeweiligen Kategorien verzeichnet, so dass sich die Performance des durchschnittlichen Multi-Asset-Income-Fonds im 53 Prozent Perzentil der Kategorie bewegte. Hier gab es nur wenige Ausnahmen, wie zum Beispiel die Fonds Fidelity Global Multi Asset Income und BGF Global Multi Asset Income, die sich 2018 besser gehalten haben als der durchschnittliche Fonds der Kategorie „Mischfonds USD ausgewogen“.

Euro-Anleger müssen hier jedoch das US-Dollar-Exposure der Fonds bzw. in den währungsgesicherten Tranchen die aktuell hohen Hedgingkosten im Hinterkopf behalten. Der durchschnittliche Multi Asset Income Fonds bewegt sich seit Jahresanfang wieder in der unteren Hälfte, im 55 Prozent Perzentil seiner Kategorie. Positiv fällt hier der Allianz Income and Growth auf, der seit Jahresanfang 17.81 Prozent erzielte. Dieser Fonds investiert jedoch ausschließlich in riskante Marktsegmente und ist aufgrund seiner Ausrichtung kein repräsentativer Vertreter unter den Multi-Asset-Income-Fonds.

Was sind für Sie die Gründe für die schlechtere Performance?

Claus: Gründe für die Underperformance der meisten Multi-Asset-Income-Fonds gegenüber traditionellen Mischfonds sind meiner Meinung nach auf der Aktienseite zu finden, Dividendentitel, auf die diese Fonds oft setzen, finden sich seltener in Wachstumssektoren wie Technologie, die sich in den letzten Jahren überdurchschnittlich gut entwickelt haben. Zudem sind Staatsanleihen oft gegenüber Credit, insbesondere im High-Yield-Segment, untergewichtet, was zu einer höheren Abwärtsdynamik in fallenden Märkten führt und dazu, dass diese Fonds weniger stark von der Bond-Rally profitiert haben.

Multi Asset Fonds mit der Income-Ausprägung erfreuen sich nach wie vor großer Beliebtheit bei Anlegern und werden gerne als Ersatz für festverzinsliche Anlagen angesehen. Zu Recht?

Claus: Nein, diese Fonds sind nicht als Ersatz zu Anleihen zu sehen, da die Risiken nicht mit denen von Anleihen vergleichbar sind, die planbare Zinserträge abliefern und am Laufzeitende in der Regel zu 100 Prozent zurückgezahlt werden. Oft liegt das Risiko in Multi-Asset-Income-Fonds sogar höher als bei klassischen Mischfonds derselben Kategorie, das heißt, Anleger in diesen Fonds müssen sich im Zeitablauf hier auf erhebliche Kursschwankungen einstellen. So hat der typische Fonds der Morningstar-Kategorie „Mischfonds EUR ausgewogen – global“ im Jahr 2008 im Durchschnitt 20.6 Prozent verloren sowie 2018 immernoch 6.88 Prozent. Bislang konnten die meisten Multi-Asset-Income-Fonds ihre Verluste im Zeitablauf wieder aufholen, jedoch haben einige der Fonds seit Auflegung den Kapitalerhalt nicht geschafft und befinden sich „unter Wasser“. Multi-Asset-Income-Fonds sollten daher nicht zuviel ausschütten und auch lediglich auf klassische Einkünfte wie Dividenden und Zinsen zurückgreifen und sich nicht auf Kapitalerträge verlassen, die im Zeitablauf stark schwanken können.

Seite zwei: Multi Asset Income als Rundum-Sorglos-Paket

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