Klimawandel und Elektromobilität: Es ist nicht alles Gold, was glänzt!

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Nina Lagron, La Française AM

Angesichts der Klimagesetzgebung in der EU boomt der Markt für Elektroautos. Nina Lagron, CFA, Head of Large Cap Equites, La Française AM, fragt sich, ob das „Greenwashing“ ist, was die versteckten Umweltauswirkungen von Elektrofahrzeugen sind und ob es wirklich Autos mit niedrigen CO2-Emissionen gibt?

Die Europäische Union ist auf dem besten Weg, die globale Erwärmung auf deutlich unter 2 Grad zu reduzieren. Mithilfe einer ehrgeizigen Gesetzgebung sollen die Emissionen bis 2030 um mindestens 60 Prozent gegenüber dem Stand von 1990 gesenkt werden. Das Europäische Klimagesetz geht noch weiter und empfiehlt ein rechtlich verbindliches Ziel von Netto-Null-Emissionen bis 2050. Weitere vom Europäischen Parlament festgelegte CO2-Emissionsstandards für Pkw und Transporter (Verordnung EU 2019/631) traten am 1. Januar 2020 in Kraft.

In Zusammenhang mit dieser Gesetzgebung erlebt der europäische Markt einen Boom beim Verkauf von neuen Elektrofahrzeugen. Laut dem Verband der europäischen Automobilhersteller ist der Verkauf neuer vollelektrischer Fahrzeuge und Plug-in-Hybride allein im dritten Quartal 2019 um 51,8 Prozent auf 110.630 Fahrzeuge gestiegen. Ist das „Greenwashing“? Was sind die versteckten Umweltauswirkungen von Elektrofahrzeugen? Gibt es wirklich Autos mit niedrigen CO2-Emissionen?

Umweltauswirkungen

Der Verkehr war 2018 für 24 Prozent des weltweiten Kohlendioxidausstoßes aus Energie verantwortlich (Quelle: IEA), wovon 45 Prozent auf die Personenbeförderung (Pkw und Busse) entfielen. Angesichts des Reduktionspotenzials und der entsprechenden Auswirkungen auf die globalen Emissionen ist die Weiterentwicklung der Elektrofahrzeugtechnologie für das Erreichen der Klimaziele von entscheidender Bedeutung.

Um eine fundierte Entscheidung treffen zu können ist es jedoch wichtig, sich nicht von dem Versprechen blenden zu lassen, dass von Elektrofahrzeugen keine Auspuffemissionen ausgehen. Vielmehr sollten alle Quellen von Treibhausgasemissionen berücksichtigt werden, die aus allen direkten und indirekten Quellen der CO2-Verschmutzung resultieren und als Scope 1, 2 und 3 Emissionen bezeichnet werden. Dazu gehören die Emissionen, die mit der Herstellung sowie der Gewinnung, Verarbeitung und Verteilung von Energieträgern (Strom und Kraftstoff) verbunden sind.

Eine in der Zeitschrift Nature Sustainability veröffentlichte Studie (3. Edition, Juni 2020, „Net emission reductions from electric cars and heat pumps in 59 world regions over time“) bestätigt, dass sich die Weiterentwicklung von Elektrofahrzeugtechnologien angesichts der CO2-Einsparungen gegenüber Verbrennern lohnt.

Allerdings wirkt sich die Stromquelle auf die Emissionen des Elektrofahrzeugs aus, die je nach geografischem Gebiet und der Verwendung bestimmter Energiequellen (d. h. Erdgas, Kernkraft, Kohle, Wind…) für die Stromerzeugung variieren. In einer von deutschen Wissenschaftlern am 17. April 2019 am Ifo-Institut vorgestellten Studie heißt es beispielsweise, dass Elektrofahrzeuge unter Berücksichtigung der Batterieproduktion und des deutschen Energiemixes sogar mehr CO2 erzeugen als Dieselfahrzeuge. Es gibt also Unterschiede je nach Land und Energieträger.

Ton verschärft sich in der Klimadebatte

Darüber hinaus verschärft sich die Debatte je nach verwendeter Technologie. Klimabewusste Verbraucher sollten sich vor Übertreibungen hüten. Laut einer kürzlich von Transport & Environment (11/2020) veröffentlichten Studie mit dem Titel „Plug-in hybrids: is Europe heading for a new dieselgate?” erzeugten beispielsweise drei der beliebtesten Plug-in-Hybrid-Fahrzeuge (PHEVs), die 2019 verkauft wurden, unter optimalen Testbedingungen 28 bis 89 Prozent höhere Emissionen als beworben. PHEVs rühmen sich mit niedrigen CO2-Emissionen, die in der Regel nicht mehr als ein Drittel eines herkömmlichen Autos mit Verbrennungsmotor betragen.

Doch die drei von Emissions Analytics getesteten Fahrzeuge – von Transport & Environment für die Studie in Auftrag gegeben – verfehlten alle ihre versprochenen CO2-Einsparungsziele, selbst wenn sie mit einer vollgeladenen Batterie starteten. Beim Start mit einer leeren Batterie wurden die Ziele sogar noch weiter verfehlt: Die CO2-Emissionen waren bis zu achtmal höher als angegeben.

Neue Green-Finance-Regelungen könnten Herstellern, die PHEVs als „nachhaltige Investitionen“ anpreisen, bereits 2026 einen Riegel vorschieben. Dies könnte den Übergang zu vollelektrischen Fahrzeugen beschleunigen und Europa dem Klimaziel näherbringen. Einige vorausschauende EU-Mitgliedsstaaten haben PHEVs bereits von Steuervergünstigungen ausgeschlossen, was zu einem Anstieg der Verkäufe von reinen Elektrofahrzeugen führte (Quelle: electrive.com, „Is this the end of plug-in hybrid sales in the EU“).

Nichtsdestotrotz sollte berücksichtigt werden, dass der Übergang zu Elektrofahrzeugen nicht immer Treibhausgase reduziert, da die Stromerzeugung noch nicht klimaneutral ist. Daher ist eine genaue Bewertung der Scope 1-, 2- und 3-Emissionen über den gesamten Lebenszyklus des Fahrzeugs unerlässlich.

Über die Hersteller von Elektroautos und ihre Fähigkeit, positiv und im gewünschten Tempo zur Begrenzung der globalen Erwärmung auf deutlich unter 2 Grad beizutragen, muss dementsprechend von Fall zu Fall entschieden werden. Die Verfügbarkeit von genauen Daten zur Quantifizierung der Scope 1-, 2- und 3-Emissionen ist dafür entscheidend.

Abschließend sei noch gesagt: Es ist nicht alles grün, was glänzt!

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