Kapitalmärkte: Die Geschichte lehrt uns, den Optimismus nicht zu verlieren!

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In den letzten drei Monaten sahen wir einen dramatischen Ausverkauf risikoreicher Vermögenswerte an den Börsen. Das ist vor allem auf die erwarteten Zinssteigerungen weltweit zurückzuführen, sagt Shamik Dhar, Chefökonom von BNY Mellon Investment Management.

Mit diesen steigenden Zinserwartungen haben auch festverzinsliche Anlagen an Wert verloren. Das heißt, die Korrelation von Anleihen und Aktien war im Abschwung auf ungünstige Weise positiv. Was sollten Anleger für die Zukunft berücksichtigen?

„Für uns sind die folgenden Faktoren für die weitere Entwicklung der Wirtschaft und der Finanzmärkte entscheidend:

  1. Der Konflikt in der Ukraine und die Entwicklung in den nächsten Monaten. Ein zermürbender langer Krieg ohne klares Ergebnis wird immer wahrscheinlicher. Das bedeutet, dass Energie- und Lebensmittelpreise hoch und Wirtschaftssanktionen bestehen bleiben.
  2. Die globalen Lieferkettenengpässe, hervorgerufen durch den Ukraine-Krieg und Lieferschwierigkeiten bei Halbleitern sowie Versorgungslücken mit langlebigen Gütern. Chinas Null-Covid-Strategie hat die Situation verschärft, aber wahrscheinlich nicht so sehr, wie allgemein behauptet wird.
  3. Der Inflationsdruck steigt und weitet sich über Nahrungsmittel und Energie hinaus auf andere Lebensbereiche aus.
  4. Die politischen Spannungen wirken sich auf die Währungen Japans und Chinas aus und verschärfen die Volatilität an den Märkten. Frontier- und Schwellenländer sind einem erhöhten Zins- und Währungsrisiko ausgesetzt, was zu einer Ausweitung der Risikoaufschläge bei Hochzins- und Schwellenländer-Anleihen führt.

Die Inflation hat in allen großen Volkswirtschaften den höchsten Stand seit mehreren Jahrzehnten erreicht. In einzelnen Ländern hat sich das bereits auf die Einkommen ausgewirkt, aber noch nicht in vollem Umfang. Viele Haushalte haben in Kauf genommen, dass ihre Kaufkraft erheblich zurückgegangen ist. Folglich ist das Verbrauchervertrauen in den USA und in Europa auf ein Niveau gesunken, das typischerweise einen Abschwung ankündigt. Andererseits haben private Haushalte während der Pandemie beträchtliche zusätzliche Ersparnisse angesammelt, die einen Rückgang des Realeinkommens abfedern könnten.

In den USA hat die Inflation inzwischen 9,1 Prozent erreicht. In der Vergangenheit bedurfte es fast immer einer Phase des Wirtschaftsabschwungs, um die Inflationserwartungen und die Inflation zu senken. Das letzte Mal, dass es den politischen Entscheidungsträgern in den USA gelang, die Inflation von einem so hohen Niveau aus zu senken und gleichzeitig eine Rezession zu vermeiden, war 1951.

Der Markt hat in den letzten Wochen erhöhte Rezessionsrisiken aufgrund der unerwartet hohen Inflation und sich abschwächender Wachstumssignale in die Kurse eingepreist. Mit einer tatsächlichen Rezession scheint der Markt jedoch trotzdem nicht zu rechnen, denn es besteht immerhin noch die Hoffnung, dass ein Wirtschaftsabschwung knapp vermieden werden könne und sich die Märkte im Laufe des Jahres wieder erholen. In Bezug auf die Inflation scheint der Markt davon auszugehen, dass diese relativ schnell sinken, sich aber auf einem höheren Niveau als in der Vergangenheit einpendeln könnte. Wir halten es daher für wahrscheinlicher, dass die Zentralbanken „auf die Bremse treten“ müssen, um die Inflation wieder unter Kontrolle zu bringen, was wiederum Risikoanlagen unter Druck setzen könnte.

Die Geschichte zeigt, dass die meisten Bärenmärkte in der Tat mit Rezessionen verbunden sind. Das ist die schlechte Nachricht. Die gute Nachricht: Diese Rezessionen sind historisch betrachtet von kurzer Dauer. Eine Analyse der Entwicklung des S&P 500 in jedem Bärenmarkt seit 1929 zeigt, dass der Index in den meisten Fällen im ersten Jahr nach einem Bärenmarkt bereits wieder eine positive Rendite verzeichnete. Diese Resilienz der Finanzmärkte sollten Anleger in schwierigen Zeiten im Hinterkopf behalten.”

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