Bafin-Chef räumt Versäumnisse im Fall Wirecard ein

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Felix Hufeld im Untersuchungsausschuss des Bundestags

Der scheidende Chef der Finanzaufsicht Bafin, Felix Hufeld, hat Versäumnisse im Betrugsskandal um die Wirecard AG eingeräumt. Nach dem Verbot von Spekulationen auf fallende Aktienkurse habe die Bafin nicht deutlich genug gemacht, dass dies keine Parteinahme für Wirecard bedeute, sagte Hufeld am Freitag im Untersuchungsausschuss des Bundestags.

Das sei zweifellos ein Versäumnis gewesen. Das Verbot selbst sei für ihn vor dem Hintergrund der damals vorliegenden Informationen dagegen „beinahe zwingend“ gewesen. „Nichts zu tun, das erschien mir vollkommen indiskutabel“, sagte Hufeld.

Die Bafin wollte gegen sogenannte Leerverkäufer vorgehen, die auf fallende Kurse wetten und deshalb oft negative Informationen über ein Unternehmen veröffentlichen. Das mehr als ein Jahr vor dem Wirecard-Kollaps ausgesprochene Leerverkaufsverbot unterstrich bei vielen Anlegern den Eindruck, Berichte über Unregelmäßigkeiten bei Wirecard seien falsch und das Unternehmen lediglich Opfer einer Attacke.

Hufeld sagte, die Bafin habe eigentlich klar kommunizieren wollen, dass das Marktvertrauen geschützt werden solle und kein einzelnes Unternehmen: „Das ist uns nicht gut gelungen.“ Dies hätte man rückblickend direkt in die Verfügung über das Leerverkaufsverbot schreiben sollen.

Angebliche Erpressung des Unternehmens

Auslöser für das Verbot waren Angaben der Staatsanwaltschaft zu einer bevorstehenden Leerverkaufs-Attacke und einer angeblichen Erpressung des Unternehmens. Er selbst und Bafin-Vize Elisabeth Roegele hätten den Eindruck gehabt, sie könnten „tatsächlich Gefahrenabwehr im echten Sinne“ betreiben, sagte Hufeld.

Die Geschichte über einen Erpressungsversuch habe zwar ungeheuerlich geklungen, sei ja aber von einer der größten Staatsanwaltschaften gekommen. Daher habe man sie ernst genommen. Hufeld muss Ende des Monats seinen Posten als Bafin-Chef räumen. (dpa-AFX)

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