Anzeige
29. Juni 2016, 09:00
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

EEG-Reform: “Auf die Marktakteure wird viel Bürokratie zukommen”

Cash. sprach mit Karsten Reetz, geschäftsführender Gesellschafter der Reconcept Gruppe, über die Folgen der EEG-Novelle.

FSonntag Cash Reconcept010 MG 5351-Kopie in EEG-Reform: Auf die Marktakteure wird viel Bürokratie zukommen

Karsten Reetz: “Wir gehen davon aus, dass Investitionsvorhaben in neue Windparks ab 2017 für kleinere, mittelständische Anbieter wie Reconcept in Deutschland nur noch sehr schwierig zu realisieren sein werden.”

Herr Reetz, Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) hat kürzlich erklärt, die Zeit des “Welpenschutzes” für erneuerbare Energien sei vorbei. Die Renewables seien mittlerweile “zu Wachhunden herangewachsen”. Hat er recht?

Reetz: Die Energiewende in Deutschland wird ohne einen weiteren Ausbau erneuerbarer Energien ihre Klimaschutzziele nicht erreichen können. Mit 30 Prozent leisten erneuerbare Energien inzwischen einen beachtlichen Anteil an der Stromversorgung in Deutschland, doch weit mehr ist machbar und sinnvoll. Noch 2014 hatte die Bundesregierung mit dem “Aktionsprogramm Klimaschutz 2020” vorgegeben, dass der Ausstoß von Treibhausgasen in Deutschland gegenüber 1990 um mindestens 40 Prozent sinken soll. Da ist es doch einfach grotesk, dass ausgerechnet der Ausbau der absolut preiswerten Windenergie an Land gedrosselt werden soll.

Im letzten Jahr gingen in Deutschland Offshore-Anlagen mit einer Gesamtleistung von 2.300 Megawatt (MW) neu ans Netz, bei der Windkraft an Land waren es 3.500 MW. In diesem Jahr rechnet die Branche mit einem Zubau von 3.300 MW an Land und 700 MW im Meer. Diese erfreuliche Dynamik der Energiewende soll nun ausgebremst werden. Unter dem EEG hat sich die innovationsstarke und international führende Windindustrie entwickelt: über 150.000 Beschäftigte in der Windindustrie, eine Exportquote von mehr als 67 Prozent und hohe Wertschöpfung. Das alles wird durch einen Systemwechsel grundlegend infrage gestellt.

Worauf müssen sich die Marktteilnehmer einstellen?

Reetz: Auf die Marktakteure wird viel Bürokratie zukommen. Das wird die Entstehungskosten nicht günstiger machen, vielmehr werden die Kosten für Projekte steigen. Und um einmal mit dem Märchen von der teuren Ökostrom-Umlage aufzuräumen: Wind, Wasser und Sonne liefern schon heute die Energie billiger als Atom- und Kohlekraftwerke. Das fällt aber nicht auf. Die hohen Subventionen für konventionelle Erzeuger erscheinen nämlich nicht auf der Stromrechnung.

Die Subventionen für Atom und Kohle zahlen wir Verbraucher durch Steuern und Abgaben. 641 Milliarden Euro flossen laut einer Studie des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) bis 2014 in Atom und Kohle, in erneuerbare Energien gerade einmal 102 Milliarden Euro. Nicht zu vergessen sind die gesamtgesellschaftlichen Kosten für Nuklearabfälle, Klimaschäden und Umweltverschmutzung bei Braunkohle, Steinkohle und Atomstrom.

Das geplante Ausschreibungsverfahren beeinträchtigt die Planbarkeit für Projektentwickler und Anbieter von Beteiligungen. Bleibt den Asset Managern jetzt nur noch die Investition in Bestandsanlagen bzw. die Flucht ins Ausland?

Reetz: Wir gehen davon aus, dass Investitionsvorhaben in neue Windparks ab 2017 für kleinere, mittelständische Anbieter wie Reconcept in Deutschland nur noch sehr schwierig zu realisieren sein werden, denn das Ausschreibungsverfahren ist mit hohen Vorlaufkosten verbunden. Bestandsanlagen und Repowering-Projekte, die von den aktuellen Vergütungsregelungen profitieren, bleiben natürlich noch interessant – hier wird die Preisentwicklung zu beobachten sein. Wir sondieren daher weitere europäische Märkte.

Interview: Kim Brodtmann

Foto: Florian Sonntag

Lesen Sie das vollständige Interview im aktuellen Cash.-Magazin 07/2016.

Newsletter bestellen Alle News zu Objekten, Standorten und Finanzierungen... werktags 16.30 Uhr!

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 05/2018

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Arbeitskraftabsicherung – Private Equity – Büroflächenmangel – Datenschutz

Rendite+ 1/2018

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Marktreport Sachwertanlagen – Windkraft – Vermögensanlagen – Bitcoin & Co.

Ab dem 22. März im Handel.

Versicherungen

Vermittler als Auslaufmodell? Virtuelle Assistenten und Robo Advisor auf dem Vormarsch

Kaum eine Branche steht durch die Digitalisierung vor so einschneidenden Veränderungen wie die Assekuranz. Auch der Versicherungsvertrieb wird sich dadurch massiv verändern, so das Ergebnis einer aktuellen Studie des Softwareherstellers Adcubum zusammen mit den Versicherungsforen Leipzig.

mehr ...

Immobilien

Raus aus der Stadt: Immobilienkäufer suchen verstärkt im Umland

In den deutschen Metropolen ist bezahlbarer Wohnraum immer schwieriger zu finden. Immer mehr Immobilienkäufer weichen daher nach einer Analyse von Immowelt in die Speckgürtel aus, da dort die Preise noch niedriger sind. Am stärksten zeige sich diese Entwicklung in Berlin, Stuttgart und Frankfurt.

mehr ...

Investmentfonds

Die Kosten des Betrugs

US-Präsident Donald Trump will weniger Regulierung, aber dafür drastischere Strafen für Betrüger. Wie so oft waren seine Twitter-Follower die ersten, die davon erfahren haben. Die Folgen dieses Vorhabens bekommt unter anderem Warren Buffett zu spüren.

mehr ...

Berater

Die Zukunft der Provisionen unter MiFID II

Eigentlich ist die Richtlinie längst in deutsches Recht umgesetzt worden und von den Betroffenen zu beachten. Die Umsetzung erfolgte durch das 2. Finanzmarktnovellierungsgesetz, das seit dem 03.01.2018 gilt. Nun könnte die Schlussfolgerung naheliegen, dass deshalb seit Anfang des Jahres die wesentlichen offenen Fragen beantwortet und die teils über Jahre andauernden Diskussionen, gerade auch zur Provisionsthematik, ein Ende gefunden haben. Gerade hinsichtlich der 34f-Vermittler kann hiervon allerdings keine Rede sein. Ein Gastbeitrag von Florian Kelm, Rechtsanwaltskanzlei Zacher & Partner

mehr ...

Sachwertanlagen

P&R-Insolvenzen: Fragen an die Bundesregierung

Die Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen hat eine kleine Anfrage zu Container- und Schiffsfinanzierungen an die Bundesregierung gestellt. Ein Teil der Fragen entfällt auf die Causa P&R.

mehr ...

Recht

Ex-Sparkassenchef muss doch nicht vor Gericht

Der ehemalige Sparkassenpräsident Georg Fahrenschon muss doch nicht vor Gericht. Der frühere bayerische Finanzminister soll per Strafbefehl zu 140 Tagessätzen wegen Steuerhinterziehung verurteilt werden, wie Oberstaatsanwältin Anne Leiding ankündigte. Darauf hätten sich die beteiligten Parteien in einem Rechtsgespräch geeinigt.

mehr ...