Marktreport: Die neue ELTIF Generation 2.0

Symbol-Grafik Erneuerbare Energie
Foto: PantherMedia / vladvitek
Infrastruktur-ELTIF haben vor allem Erneuerbare Energien im Fokus.

Mit dem ELTIF 2.0 gibt es seit Januar ein weiteres Vehikel, um Sachwertanlagen für Privatanleger zu verpacken. Erste Produkte sind am Markt, doch der erwartete Boom lässt noch auf sich warten. Impulse bringt ein überraschendes Papier der BaFin.

Am 10. Januar war es soweit: Die Reform von European Long Term Investment Funds (ELTIFs), also langfristig ausgelegten Investmentfonds nach EU-Recht, ist in Kraft getreten. Sie bieten den Rechtsrahmen für Investitionen in Sachwerte sowie Private Equity einschließlich Darlehenskonzepte (Dept). 

ELTIFs gibt es bereits seit 2015. Wirklich Fuß fassen jedoch konnte das Vehikel in Deuschland – mit Ausnahme des Klimavest der Commerzbank-Tochter Commerzreal, der bereits 1,3 Milliarden Euro eingesammelt hat – bislang nicht, jedenfalls nicht im Privatkundengeschäft. 

Doch das wird sich nun wohl ändern, denn mit der Reform fallen zwei wesentliche Hürden. Zum einen darf ein ELTIF nun grundsätzlich in nahezu alle Sachwerte investieren. Zum anderen entfällt die gesetzliche Mindestbeteiligung von 10.000 Euro und ein liquides Vermögen des Kunden von mindestens 100.000 Euro, um überhaupt in einen ELTIF investieren zu dürfen. 


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Doch nicht nur das. Anders als alternative Investmentfonds (AIFs) können ELTIFs die Möglichkeit der Anteilsrückgabe vorsehen. Sie ähneln damit dem Konzept offener Immobilienfonds, jedoch (auch) mit anderen Assetklassen. Die Rückgabemöglichkeit dürfte im Vertrieb ein erheblicher Vorteil gegenüber AIFs sein, die Anleger nicht selten wegen der langen Laufzeiten und der Unkündbarkeit abschrecken. 

Ohnehin sind es vor allem die Vertriebsmöglichkeiten, die nicht wenige Anbieter elektrisieren. Für große Investmentgesellschaften steht dabei im Vordergrund, dass mit einer einzigen Zulassung irgendwo in der EU der Vertrieb in allen Mitgliedstaaten erlaubt ist. Für die überwiegend mittelständisch geprägten Anbieter von Publikums-AIFs ist hingegen besonders verlockend, dass ein ELTIF 2.0 unter bestimmten Voraussetzungen auch durch Finanzdienstleister mit Erlaubnis nach Paragraf 34f Absatz 1 Nummer 1 vermittelt werden darf. Darüber verfügen weitaus mehr Vermittler als über die Nummer 2, die für geschlossene Publikums-AIFs notwendig ist. 

Euphorie anfangs groß

Zudem besteht die Hoffnung, endlich wieder den Fuß in die Tür von Banken zu bekommen, die überwiegend noch immer einen großen Bogen um AIFs machen. Entsprechend groß war die Euphorie im vergangenen Jahr nach der Verabschiedung der ELTIF-Novelle. So sorgte etwa Dr. Frank Ulbricht, Vorstand des Vertriebspools BCA und der dazu gehörenden BfV Bank für Vermögen, auf der Messe DKM mit der Ankündigung für Aufsehen, ab Januar sieben bis acht ELTIFs in den Vertrieb aufnehmen zu wollen und einen „ELTIF-Boom“ zu erwarten. 

Auch auf dem Cash.-Branchengipfel Sachwertanlagen Anfang November gaben überraschend fast alle Teilnehmer zu Protokoll, Überlegungen für einen ELTIF anzustellen oder sogar konkrete Planungen zu haben. 

Aquila Capital prescht vor

Tatsächlich sind inzwischen die ersten ELTIFs der neuen Generation auf dem Markt. Schon Mitte Dezember preschte Aquila Capital vor und gab den AC One Planet ELTIF in den Vertrieb, der am 10. Januar 2024 automatisch in den neuen Regulierungsrahmen übergehen würde. Der Fonds investiert in nicht börsennotierte Anlagen aus den Bereichen Erneuerbare Energien und nachhaltige Infrastruktur. Zu den Zielsegmenten zählen Wind-, Wasser-, Photovoltaik- sowie Energieeffizienz- und Batteriespeicher-Projekte in Europa und weltweit.

Investoren können – wie bei einem offenen Immobilienfonds – nach einer zweijährigen Mindesthaltefrist sowie unter Einhaltung einer zwölfmonatigen Rückgabeankündigung monatlich über ihr investiertes Kapital verfügen. In der ersten Zeichnungsphase ist der Fonds laut Aquila vorwiegend über die Beratung von Banken und Sparkassen im Private Banking sowie Vermögensverwaltungen zugänglich. Er ist also wohl noch nicht im ganz breiten Vertrieb an Kleinanleger.

Union Investment ab 25 Euro im Monat

Ganz anders Union Investment, also die Investmentgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken. Seit 15. Januar 2024 können Anleger den UniPrivatmarkt Infrastruktur ELTIF zeichnen. Eine Mindestanlagesumme gibt es nicht, ein Sparplan ist ab 25 Euro im Monat möglich. Auch dieser Fonds investiert breit diversifiziert in Infrastruktur.

Dazu gehören in diesem Fall neben dem Energiesektor Projekte aus dem Transport-, Versorgungs- oder Kommunikationsbereich sowie der sozialen Infrastruktur. Dies können beispielsweise Recyclinganlagen, Datencenter, Wind- und Solarparks oder Kommunikationsnetzwerke sein, so Union Investment. Das Unternehmen arbeitet dabei mit dem Asset Manager Mercer Alternatives zusammen, der das Portfolio managed und die Projekte auswählt. Auch in diesem Fall gibt es eine zweijährige Mindesthaltedauer und eine einjährige Kündigungsfrist.

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Lesen Sie hier, wie es weitergeht.

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