22. Dezember 2017, 08:53
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Ein unfassbarer Platzierungserfolg

Für den „Energiepark Hümmling“ wurden innerhalb weniger Wochen fast 38 Millionen Euro Eigenkapital bei Privatanlegern eingeworben. Das Angebot war deutlich überzeichnet. Und das trotz einer winzigen Zielgruppe und einer ziemlich eigenwilligen Vertriebspraxis.

 in Ein unfassbarer Platzierungserfolg

Jeder zehnte aus der Zielgruppe hat eine Beteiligung an dem Energiepark Hümmling gezeichnet – im Schnitt für 39.000 Euro (Symbolbild).

Das Projekt besteht aus 23 geplanten Windrädern mit einer Gesamtleistung von fast 90 Megawatt und hat ein Investitionsvolumen von nicht weniger als 148 Millionen Euro. Benötigt werden dafür 37,6 Millionen Euro Eigenkapital, die über eine Emission nach dem Vermögensanlagengesetz eingeworben werden sollten.

So weit, so gut. Doch die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Platzierung würden nicht wenige Profis aus dem klassischen Kapitalanlagevertrieb sicherlich mit “unmöglich” bezeichnen.

Beteiligen durften sich nämlich mit wenigen Ausnahmen nur volljährige Bürger der Samtgemeinde Werlte im Emsland. Zudem war die Zeichnungsfrist von Anfang Oktober bis 1. Dezember 2017 auf wenige Wochen begrenzt. Die Samtgemeinde Werlte indes hat lediglich 17.343 Einwohner (Stand 31. Dezember 2016).

Prospekt nur gegen Personalausweis

Jeder der wahrscheinlich um die 14.000 Erwachsenen in der Gemeinde – vom Abiturienten bis zum Rentner – musste sich also im Schnitt mit gut 2.500 Euro an dem Energiepark beteiligen, um die Summe zusammen zu bekommen. Großzeichnungen waren dabei nicht zulässig: Die maximale Beteiligung pro Anleger war auf 48.000 Euro begrenzt.

Doch nicht nur das. Auch die Vertriebspraxis war recht eigenwillig: Die Beteiligungsunterlagen waren offenbar geheime Verschlusssache. Verantwortlich für den Vermögensanlagenprospekt war die RBI – Raiffeisen Bauträger- und Immobilien GmbH aus Lorup, das zu der Samtgemeinde gehört. Sie ist eine Tochtergesellschaft der dortigen Raiffeisenbank, die die Beteiligungen an dem Energiepark zusammen mit der ortsansässigen Hümmlinger Volksbank anbot.

Wer den Prospekt erhalten wollte, musste persönlich bei einem der beiden Institute vorsprechen. Ausgehändigt wurde er „gegen Vorlage des gültigen Personalausweises“ – worauf die Websites beider Banken in Fettschrift hinwiesen.

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