Lebensversicherung: DFSI prognostiziert „Welle von Neugeschäftsschließungen“

Das DFSI Deutsches Finanz-Service Institut hat sich in die Debatte um die Finanzkraft der deutschen Lebensversicherer eingeschaltet: „Einige Versicherer leben aktuell aus der Substanz“, teilt das Institut in Köln mit. Das könne auf Dauer „nicht gut gehen“, so das DFSI.

Während bis vor kurzem kaum relevante Unterschiede in der Substanzkraft von Versicherern verzeichnet werden konnten, gebe es heute auf Grund der aktuellen Entwicklungen gravierende Unterschiede, heißt es in einer aktuellen Mitteilung des unabhängigen Datendienstes.

Laut DFSI sind die Netto-Renditen der Lebensversicherer wegen niedriger Zinsen und Verluste aufgrund der Kapitalmarktkrise deutlich gesunken. Dabei wurden die Gewinndeklarationen der Versicherer in den letzten Jahren nicht im gleichen Maße reduziert. „Das geht auf die Substanz und auf Dauer nicht gut“, lautet das Fazit des Instituts.

Geschäftsmodell Lebensversicherung nicht mehr renditestark genug

Für einige Investorengruppen und Anteilseigner an Lebensversicherern scheine das Geschäftsmodell der deutschen Lebensversicherung zukünftig vor dem Hintergrund der drohenden Einführung neuer Eigenkapitalanforderungen nach Solvency II nicht mehr renditestark genug zu sein, analysieren die DFSI-Experten. Sechs Lebensversicherer mit einem Marktanteil von über drei Prozent hätten bereits das Neugeschäft eingestellt. Eine weitere Welle von Neugeschäftsschließungen und den damit verbundenen „Run-Off“ der Lebensversicherer sei demnach in den nächsten Jahren zu erwarten. Nur wenn sich die Werte der Nettorendite und Gewinndeklaration im Einklang befänden, sei eine dauerhaft gute und weitgehend stabile Performance zu erwarten, heißt es weiter.

Das DFSI hat mittels der Jahresabschlüsse und der Gewinndeklaration für 2011 die Substanzkraft und Kundenperformance der Lebensversicherer und Pensionskassen analysiert. Die Unternehmensqualität soll sich dabei aus der Aggregation beider Kennzahlen ergeben.

Nur ein Lebensversicherer erhält Bestnote AAA

Die höchste Unternehmensqualität bei den 30 größten Lebensversicherern mit einem Score von „AA+“ (besonders stark) hat der Anbieter WWK aus München erhalten, die Nürnberger Lebensversicherung erreicht die gleiche Note in der Aggregation von Substanzkraft und Kundenperformance (siehe Tabelle). Bei den mittelgroßen und kleinen Versicherern erhalten die Targo Lebensversicherung eine „extrem starke“ (AAA) und die WGV Lebensversicherung eine „besonders starke“ Unternehmensqualität. Bei den Spezialanbietern von Fondspolicen erreichen zudem die Prisma Life, Liechtenstein und die Vorsorge Leben eine „besonder starke Substanzkraft und Unternehmensqualität“.

Die höchste Unternehmensqualität bei den Wettbewerbspensionskassen hat laut DFSI die Debeka Pensionskasse in der Aggregation von Substanzkraft und Kundenperformance. Bei den Firmenpensionskassen überzeugten die Nestlé Rückdeckungskasse mit einer „extrem starken“ und die Zusatzkasse für Maler und Lackierer mit einer „besonders starken“ Unternehmensqualität. (lk)

Tabelle: DFSI (Anklicken zum Vergrößern)

Foto: Shutterstock

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