Anzeige
Anzeige
5. September 2012, 14:20
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

„Eine große Wechselwelle ist nicht zu erwarten“

Die Honorarberatungsgesellschaft Minerva KundenRechte hat sich auf die private Krankenversicherung (PKV) spezialisiert. Geschäftsführer Nicola Ferrarese äußert sich im Cash.-Interview zur verbindlichen Einführung von Unisex-Tarifen im PKV-Neugeschäft ab Mitte Dezember.

Das Interview führte Lorenz Klein, Cash.

Nicola Ferrarese, Minerva KundenRechte

Nicola Ferrarese, Minerva KundenRechte

Welche Herausforderungen ergeben sich für PKV-Anbieter bei der Einführung der geschlechtsneutral kalkulierten Tarife ab dem 21. Dezember 2012?

Ferrarese: Die privaten Krankenversicherer wollen jetzt nicht nur die Unisex-Vorgabe umsetzen, sondern sich durch moderne, wettbewerbsfähige Tarife bestmöglich für das Jahresendgeschäft 2012 mit Versicherungsbeginn 1. Januar 2013 neu positionieren – das ist in der PKV prinzipiell keine leichte Aufgabe. Denn neben den zu nutzenden Chancen im Neugeschäft drohen den Versicherern durch die neuen Tarife auch immer Wechselwellen innerhalb des Unternehmens aus den Bestandstarifen in die neuen Tarife. Denn für Bestandskunden gilt Paragraf 204 des Versicherungsvertragsgesetzes (VVG), der ihnen jederzeit erlaubt, in jeden anderen Tarif, den der eigene Versicherer anbietet, zu wechseln.

Wie wirkt sich dies auf die Unisex-Tarifstrategie der Versicherer aus?

Ferrarese: Das Ziel der meisten Anbieter für die Preisfindung der Unisex-Tarife wird sein, sie so teuer wie möglich anzubieten, um den Tarifwechsel aus den Bisex-Tarifen im Unternehmen nicht attraktiv erscheinen zu lassen, ohne gleichzeitig die eigene Wettbewerbsposition im Neugeschäft zu verschlechtern. Deshalb wartet man ab und hofft, dass kein Anbieter mit attraktiven Preisen für Unisex-Tarife an den Markt geht.

Ist eine Wechselwelle bei den Frauen in die neue und meist günstigere Unisex-Welt auszuschließen?

Ferrarese: Eine große Wechselwelle ist auch mit Einführung der Unisex-Tarife – unabhängig davon, wie das Preisniveau ausfallen wird – nicht zu erwarten. Bereits heute sind für PKV-Kunden große Ersparnisse bis 40 Prozent und mehr durch einen Tarifwechsel innerhalb des eigenen Versicherers möglich – und zwar bei gleichwertigen oder besseren Leistungen. Auch wenn viele unabhängige Instanzen, wie zum Beispiel der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) immer wieder allen Privatpatienten raten, zu prüfen, ob beim eigenen Versicherer bessere Tarife vorliegen, finden keine Wechselwellen statt. Denn die PKV-Versicherten sind skeptisch und können sich nicht vorstellen, wie unterschiedlich die Preise für gleichwertige Leistungen innerhalb eines Unternehmens sein können.

Worauf sollten PKV-Bestandskunden jetzt achten?

Ferrarese: Die PKV-Anbieter sind meisterhaft darin, attraktive Wechselziele gegenüber ihren Bestandskunden zu verschleiern beziehungsweise unattraktiv erscheinen zu lassen. So ist auch bei den neuen Unisex-Tarifen damit zu rechnen, dass diese bei vielen Gesellschaften so gestaltet sein werden, dass sie – wenngleich „gleichwertig“ mit bestehenden Tarifen des Unternehmens – im Detail sowohl Verbesserungen als auch Verschlechterungen enthalten. Zwar sind derartige Details meist kalkulatorisch fast wertlos und helfen oder schaden den einzelnen Versicherten nicht. Der Versicherer bekommt damit aber die Möglichkeit, vor „massiven Leistungsverschlechterungen beim Tarifwechsel“ zu warnen oder den Tarifwechselwilligen mit Hinweis auf die „Mehrleistungen“ im gewünschten Tarif einer Gesundheitsprüfung zu unterziehen. Denn die Versicherer wissen, dass viele Wechselwillige durch solche Hürden vom lukrativen Wechsel abgehalten werden können. Das gilt vor allem dann, wenn sie nicht unabhängig und professionell beraten werden.

Foto: Susanne Krammer

 

 

Anzeige
Newsletter bestellen Top aktuell & kompakt! Werktags um 6.30 Uhr alle Versicherungs-News für Profis von Profis.

1 Kommentar

  1. Von einem Tarifwechsel in die neuen Unisextarife des jeweiligen PKV-Versicherers kann den Kunden erst einmal nur abgeraten werden. Durch eine Änderung des § 204 VVG ist dann eine Rückkehr in die Bisextarife nicht mehr möglich. Dies kann mit erheblichen Nachteilen für die PKV-Kunden verbunden sein.

    Kommentar von Thomas Ludolph — 24. September 2012 @ 17:16

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 11/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Biotech-Fonds – Kfz-Policen – Versicherungen für Wohneigentum – Family Offices

Ab dem 19. Oktober im Handel.

Cash.Special 2/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Herausforderungen 2018 – bAV-Reform – Elementarschadenversicherung – Digitale Geschäftsmodelle

Ab dem 24. Oktober im Handel.

Versicherungen

ÖPPs sollen für bessere Einkommensabsicherung sorgen

Öffentlich-private Partnerschaften (“Public-private-Partnership”) zwischen Regierung, Unternehmen, Versicherungsgesellschaften und Einzelpersonen können der entscheidende Lösungsansatz sein, um Lücken in der Einkommensabsicherung zu schließen. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie der Zurich Versicherung.

mehr ...

Immobilien

Einzelhandel: Modebranche vor dem Umbruch

Die Anforderungen der Kunden an den Einzelhandel ändern sich. Damit ändern sich auch die Ansprüche der Mieter. Welche Herausforderungen die Branche erwartet und welche Vorstellungen die Mieter von Handelsimmobilien von der Zukunft haben, hat der Investor in Handelsimmobilien ILG untersucht.

mehr ...

Investmentfonds

Monega verwaltet neuen Fonds von Wieland Staud

Die Monega Kapitalanlagegesellschaft (KAG) mbH mit Sitz in Köln hat zusammen mit der Staud Research GmbH, Bad Homburg, und der Greiff capital management AG, Freiburg, den neuen StaudFonds aufgelegt.

mehr ...

Berater

Geldanlage: Deutsche schätzen Renditechancen falsch ein

Viele Bundesbürger haben falsche Vorstellungen von den Renditechancen verschiedener Anlageformen. Das geht aus einer aktuellen Umfrage von Kantar Emnid im Auftrag der Fondsgesellschaft Fidelity International hervor. Demnach unterschätzt eine Mehrheit der Deutschen zudem den Zinseszinseffekt bei Fonds.

mehr ...

Sachwertanlagen

Die Krux mit dem Verfallsdatum

Die neueste Cash.-Markterhebung und eine aktuelle Mitteilung der BaFin lenken den Blick auf eine spezielle Vorschrift für Vermögensanlagen-Emissionen. Einsichtig ist diese nicht – und ein Risiko auch für den Vertrieb. Der Löwer-Kommentar

mehr ...

Recht

Erbrecht: Ausgleichspflicht bei Berliner Testamenten

Das sogenannte Berliner Testament ist in Deutschland eine der beliebtesten und zahlenmäßig häufigsten Testierformen. In der Praxis kann dabei jedoch zu erheblichen Komplikationen kommen, etwa was die Ausgleichspflichten der Erben angeht.

mehr ...