28. Oktober 2013, 08:00
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

BVK-Studie: Regulierung gefährdet die Vorsorge

Über einen Zeitraum von drei Jahren sagen die Studienautoren voraus, dass von den heute 89.000 hauptberuflich tätigen Vertreter- und Maklerbetrieben zwischen 30 und 45 Prozent aus dem Markt ausscheiden werden. Besonders betroffen seien Existenzgründer, während ältere Vermittler demnach zunächst durch Personalentlassungen und andere Kostensenkungsmaßnahmen versuchen würden, Provisionsausfälle zu kompensieren, ehe auch sie bei Unterschreiten eines Mindestgewinns aus der selbständigen Tätigkeit ausscheiden.

BVK: Regulierung führt zu Vermittlerschwund und Vorsorgemangel

Quelle: BVK

Wenn jedoch Versicherungsvermittler fehlen, werde auch die Vorsorge der Haushalte stagnieren oder sinken, so eine weitere Prognose der Studie. Exemplarisch zeigt die Untersuchung an der privaten Rentenversicherung und der privaten Berufsunfähigkeitsversicherung, dass selbst in einem relativ kurzen Zeitraum mit erheblichen Rückgängen zu rechnen ist.

So könnte demnach in vier Jahren die Ausstattung mit Rentenversicherungen um fast vier Prozentpunkte unter derjenigen liegen, die mit der derzeitigen Vermittlungsleistung hochgerechnet zu erreichen sei. In der Berufsunfähigkeitsversicherung werde der ohnehin schon geringe Ausstattungsgrad von 25,1 Prozent der Haushalte um 1,6 Prozent sinken, bei unveränderter Vermittlungsleistung würde der Ausstattungsgrad demnach bei um 1,1 Prozent steigen.

BVK: Regulierung führt zu Vermittlerschwund und Vorsorgemangel

Quelle: BVK

Die Studienautoren kommen zu dem Schluss, dass der Gesetzgeber geplanten Einschnitten in der wirtschaftlichen Entfaltungsmöglichkeit von Vermittlern durch adäquate Fördermaßnahmen begegnen muss. Diese seien notwendig, damit die Bevölkerung auch trotz der Niedrigzinssituation weiterhin freiwillig Vorsorge betreibt. Anderenfalls droht demnach vermehrte Hilfsbedürftigkeit im Alter oder bei vorzeitigem Verlust des Arbeitseinkommens, die durch die Sozialleistungsträger auszugleichen sind.

BVK fordert Unterstützung von Politik und Versicherern

“Ohne Vermittler wird die Politik nicht die von ihr selbst gesteckten Ziele einer Verbesserung der privaten Vorsorge erreichen, denn wir sind es, die mit hoher Fachkompetenz unsere Mitbürger von der Notwendigkeit des Konsumverzichts für eine privat finanzierte Altersvorsorge überzeugen”, sagt BVK-Präsident Heinz.

“Als tragender Pfeiler unseres Sozialstaates erfüllen wir eine unverzichtbare sozial- und gesellschaftspolitische Aufgabe. Wir erwarten, dass die Politik diesem Umstand angemessen Rechnung trägt mit Rahmenbedingungen, die uns als mittelständischen Unternehmen mit unseren Angestellten den nötigen Freiraum geben”, so Heinz weiter. Von den Versicherungsunternehmen erwarte der Verband attraktive an den Verbraucherbedürfnissen ausgerichtete Produkte sowie eine angemessene Vergütung. (jb)

Foto: Shutterstock

Weiter lesen: 1 2

1 Kommentar

  1. “… denn wir sind es, die mit hoher Fachkompetenz unsere Mitbürger von der Notwendigkeit des Konsumverzichts für eine privat finanzierte Altersvorsorge überzeugen”

    “Als tragender Pfeiler unseres Sozialstaates erfüllen wir eine unverzichtbare sozial- und gesellschaftspolitische Aufgabe.”

    Ich empfinde die geäußerten Worte als Hohn.

    Ich wurde von einem Vermögensberater übervorteilt. Mein Interesse an Alterversorge wurde missbraucht, um mir Verträge zu verkaufen, die nicht zu mir passen. Überdies sollten auch noch Verträge zu meinem Nachteil umgedeckt werden – damit der Vermögensberater mehr Provision verdient.

    Meine Meinung: Unseriöse Vermögensberater sind ein Risiko für die Altersvorsorge.

    Warum wird reguliert? Ich glaube, weil die Politik reagieren muss. Weil viele Kunden übervorteilt werden. Weil die Vorsorgeindustrie nicht wirklich gegen unseriösen Vertrieb vorgeht – keine Woche ohne neue Nachrichten über fragwürdige Vertriebsmethoden, versteckte Gebüren, benachteiligte Kunden, Verträgen die Stolperfallen enthalten, Verkaufsdruck. Warum schafft es die Finanzindustrie nicht Verträge zu kreieren, für die man nicht Finanzmathematik studieren muss, die einfach verständlich sind?

    Es gibt eine Investorenweisheit: “Man kaufe nur was man versteht.” Auf viele Altersvorsorgeprodukte trifft das leider nicht zu.

    Kommentar von Mike — 29. Oktober 2013 @ 01:51

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Risikolebensversicherung: Raucher zahlen ordentlich drauf

Wer einen Baukredit abzahlt oder Alleinverdiener der Familie ist, für den kann eine Risikolebensversicherung sinnvoll sein. Die Versicherung zahlt im Todesfall eine festgelegte Summe an die Hinterbliebenen. Finanztip hat die Preise für 30 Musterkunden für verschiedene Laufzeiten, Berufe und Hobbys abgefragt. Für eine Versicherungssumme von 200.000 Euro über 20 Jahre lagen die Beiträge meist zwischen 100 bis 400 Euro im Jahr – in einigen Fällen verlangten Anbieter aber mehr als 1.000 Euro. 

mehr ...

Immobilien

„Die traditionelle Innenstadt wird niemals sterben“

Die Hamburger Innenstadt benötigt dringend eine Reurbanisierung, da die Innenstadt an Attraktivität zum Wohnen verloren habe. Vier Schlüssel dienen zum Erfolg der Maßnahmen: Mehr Wohnen, Hotel, Gastronomie und Entertainment. Ein Kommentar von Richard Winter, Niederlassungsleiter von JLL Hamburg.

mehr ...

Investmentfonds

„Das Unternehmen ist das entscheidende Investment“

Der Handelskonflikt zwischen den USA und China scheint beinahe täglich größere Kreise zu ziehen und Anleger immer stärker zu verunsichern. Cash. sprach mit Thomas Lehr, Kapitalmarktstratege beim Vermögensverwalter Flossbach von Storch, wie sich Anleger jetzt verhalten sollen und welcher Ausgang des Konflikts realistisch ist.

mehr ...

Berater

Pflegekosten: Nur jeder Zweite wäre bereit, Einkommen und Rücklagen zur Finanzierung einzusetzen

Zwei Drittel aller Deutschen unterschätzen den Anteil, den man für professionelle Pflege aus eigener Tasche bezahlen muss, so eine repräsentative Umfrage. Knapp jeder Zweite meint, dass die gesetzliche Pflegeversicherung alle Kosten trägt – ein fataler Irrtum.

mehr ...

Sachwertanlagen

Speziell für Stiftungen und institutionelle Anleger: Vollregulierter Zweitmarktfonds mit günstigem Risikoprofil

Die Bremer Kapitalverwaltungsgesellschaft HTB Fondshaus bringt nach einer Reihe von Publikums-AIF erstmals einen Spezial-AIF für Stiftungen und institutionelle Anleger heraus. Neben sogenannten semiprofessionellen Anlegern können sich auch institutionelle Investoren ab einer Summe von 200.000 Euro am Spezial-AIF beteiligen.

mehr ...

Recht

Gesetzlicher Unfallschutz greift auch bei Probearbeit

Der Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung gilt auch an Probearbeitstagen. Das geht aus einem Urteil des Bundessozialgerichts (BSG) in Kassel von Dienstag hervor.

mehr ...