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17. Januar 2014, 08:30
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BU am Wendepunkt: Neue Zielgruppen im Visier

Die Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) befindet sich an einem Wendepunkt: Das Leistungs- und Bedingungswerk gilt als nahezu ausgereizt, so dass der Wettbewerb vor allem über den Preis geführt wird – davon profitieren aber nur Berufe mit geringem Risiko.

Berufsgruppen

Die Kritiker der Berufsgruppenausweitung sehen darin ein Gerechtigkeitsdefizit.

Ein Arbeitnehmer, der einer riskanten Tätigkeit – etwa dem Gerüstbau – nachgeht und sich deshalb vor einer drohenden Berufsunfähigkeit versichern lassen möchte, hat es nicht leicht: Sobald sich dieser um eine BU bemüht, sortieren die Versicherer den Antragsteller erst einmal in eine bestimmte Berufsgruppe– und dann dürfte sich schnell zeigen, dass es teuer für ihn wird. Denn zwischen dem günstigsten und dem teuersten Beruf können Prämienunterschiede von bis zu 500 Prozent betragen.

Einige BU-Experten fordern daher einer drastische Reduzierung oder gar Abschaffung der Berufsgruppen, die bei manchen Versicherern bereits in den zweistelligen Bereich gewachsen sind. Die Kritiker der Berufsgruppenausweitung sehen darin ein Gerechtigkeitsdefizit und wünschen sich, dass die Versicherung wieder stärker als eine Gruppe solidarischer Gefahrgemeinschaftsträger wahrgenommen wird.

“Ungleiches nicht gleich machen”

Die Versicherungswirtschaft verteidigt sich gegen die Kritik, nicht solidarisch genug zu agieren: “Bei der BU-Tarifkalkulation ist der Beruf wesentlicher Faktor. Eine Angleichung der Beiträge über alle Berufsgruppen hinweg macht daher – getreu der Devise ‘Ungleiches ist nicht gleich zu machen’ – keinen Sinn und wäre realitätsfremd”, sagt Dr. Volker Priebe, Leiter Produktentwicklung und Aktuariat bei der Allianz Leben.

Gleichwohl kann Priebe dem Trend zu immer zahlreicheren Berufsgruppen nicht viel abgewinnen, denn je kleiner die Berufsgruppe sei, desto kleiner sei auch die Erfahrung und desto höher die Schwankungen bei Schadensfällen.

Die Allianz komme daher mit “einer überschaubaren Zahl” an Berufsgruppen aus, so Priebe. Gerhard Frieg, Vorstand Produktmanagement und Marketing bei der HDI Lebensversicherung, hält eine völlige Abschaffung der Berufsgruppen für ebenfalls “nicht zielführend”.

Spezielle Absicherung für höhere Risiken

Wesentlich sinnvoller sei es, so Frieg, für Berufstätige mit erhöhten Risiken “das Arbeitsmarktrisiko in Form der Erwerbsunfähigkeit abzusichern”.

Zum einen werde damit “der unzureichende gesetzliche Schutz erheblich verbessert”, zum anderen könnten gerade diese Berufsgruppen “zu wesentlich niedrigeren Beiträgen ihren Lebensstandard sichern”.

Jüngst hat der Kölner Versicherer eine entsprechende Erwerbsunfähigkeitsversicherung auf den Markt gebracht, die sich gezielt an Kunden mit vergleichsweise riskanten Berufen richtet.

Im Unterschied zur BU zahlt die Police erst dann, wenn die Arbeitsfähigkeit des Versicherten stark eingeschränkt ist und nicht bereits, wenn der Beruf nicht mehr ausgeübt werden kann. Auch der Volkswohl Bund aus Dortmund hat zu Jahresbeginn eine ähnliche Police auf den Markt gebracht.

Seite zwei: Junge Zielgruppe im Fokus

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3 Kommentare

  1. @Sebi
    …traurig aber wahr

    Kommentar von Andre — 21. Januar 2014 @ 04:08

  2. Hm, junge Menschen mit viel zu günstigen Tarifen ködern, die später sehr viel teurer werden. Wo hab ich das nur schonmal gehört…?

    Will man hier die Billig-Tarife der PKV kopieren?

    Kommentar von Sebi — 20. Januar 2014 @ 09:24

  3. “davon profitieren aber nur Berufe mit geringem Risiko”. Das gesamtpolitische Ziel der Privatisierung der BU war eine bessere Absicherung der Bürger. Das Gegenteil ist eingetreten. Ich glaube der Staat sollte wieder seiner Verantwortung Rechnung gerecht werden und eine staatliche, steuerfinanzierte BU einführen. Dann wären auch die abgesichert, die es am Nötigsten haben, z.B. Handwerker und Arbeitnehmer in Hochrisikoberufen, von denen die Gemeinschaft profitiert.

    Kommentar von Jochen — 19. Januar 2014 @ 04:23

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