22. September 2014, 08:02
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“Risikodifferenzierung in BU und EU nicht mehr zurückzudrehen”

Heck: Für mich sind die Prämienspreizung und die Tarifstabilität zwei Paar Schuhe. Meines Erachtens sind wir bei der Prämienspreizung in einem Bereich angekommen, der keine weitere Differenzierung zulässt. Andernfalls könnten keine sinnvollen Kollektive in den Berufsgruppen mehr geschaffen werden, die noch einen internen Ausgleich ermöglichen.

Prämiendifferenzen müssen aber in meinen Augen nicht zwingend zu Tarifinstabilitäten führen, wenn die Aktuare der Versicherer in jeder Berufsgruppe auskömmlich kalkulieren, das heißt, wenn das BU-Risiko des Kunden dem der übrigen Gruppenmitglieder entspricht. Wir haben beispielsweise vier Berufsgruppen mit Untergruppen gebildet. In diesen Untergruppen differenzieren wir die Berufe nach unterschiedlicher Schadenerwartung.

Das heißt, dass auch Ihr Haus bestrebt ist, weiterhin sehr günstige Risiken im Markt zu identifizieren?

Heck: Natürlich ist auch für Axa ein ausgewogenes Risikoverhältnis im Bestand wichtig. Wichtig ist aber vor allem, dass für ein nachhaltiges Angebot jedes Risiko mit einem adäquaten Preis unterlegt ist.

Frieg: Ich möchte dazu gern ergänzen, dass die Entwicklung in der BU und EU zu mehr Risikodifferenzierung auch nicht mehr ohne Nachteile für den jeweiligen Versicherer zurückzudrehen ist. Für die Tarifstabilität ist das weniger entscheidend. Wichtig ist hier vielmehr: eine nicht zu niedrige Nettoprämie und eine geringe Spreizung zur Bruttoprämie. Genauso haben wir das bei HDI ausgerichtet. Im Gegensatz zu Wettbewerbern ist es uns gelungen, die Überschusssätze und damit die Stabilität der Zahlprämie bislang sicherzustellen.

Wir arbeiten mit sieben Gruppen, um eine risikogerechte Beitragskalkulation im Wettbewerb sicherzustellen. Der zum Teil aggressive Preiswettbewerb, der von einigen Marktteilnehmern betrieben wird, wird sich auf Dauer für die betroffenen Kunden nachteilig auswirken. Deshalb setzen wir auf Qualität und Service. Für die Kunden, die sich eine BU nicht leisten können, bieten wir mit EGO Basic gezielt eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung an. Hier beschränken wir uns auf nur vier Risikogruppen.

Hansemann: Wenn Risikogruppen weiter aufgesplittet werden, führt das dazu, dass die guten Risiken immer preiswerter und die nicht so guten Risiken immer teurer werden. Wenn ich diese Entwicklung unter sozialen Gesichtspunkten betrachte, kann man damit nicht zufrieden sein.

Aber wie Herr Frieg schon anmerkte, ist es schwierig oder gar unmöglich, das Rad wieder zurück zu drehen. Wenn man dies als einzelner Anbieter versuchen würde, käme es sofort zu Antiselektionseffekten und man wäre der Verlierer im Spiel. Ich hoffe nur, dass jetzt Stillstand in den Markt kommt. Und wenn wir den Stillstand erreichen und durchhalten, wäre ich schon hoch zufrieden.

Das Gespräch führte Lorenz Klein.

Fotos: Stefan Malzkorn

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1 Kommentar

  1. Meine Hochachtung gilt Herrn Hansemann. Er scheint der Einzige unter den vier Branchenexperten zu sein, der die Entwicklung in der BU-Versicherung auch unter sozialen Gesichtspunkten betrachtet und damit offenbar nicht zufrieden ist. Natürlich hat er Recht, dass ein einzelner Anbieter die eingeführte Risikodifferenzierung nicht zurücknehmen kann. Aber was spricht eigentlich dagegen, dass sich dieser – unter sozialen Gesichtspunkten notwendigen – Maßnahme alle BU-Versicherer gemeinsam stellen?

    Da hat die Versicherungsbranche einmal ein Produkt, das selbst Verbraucherschützer allen Menschen empfehlen, die finanziell auf ihr Arbeitseinkommen angewiesen sind. Und die Versicherer haben nichts anderes zu tun, als diese BU-Versicherung durch die Berufsgruppendifferenzierung für die meisten körperlich bzw. handwerklich Tätigen unbezahlbar zu gestalten.

    Dies finde ich unter sozialen Gesichtspunkten ungerecht und selbst unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten kaum nachvollziehbar.

    Kommentar von Gerd Kemnitz — 26. September 2014 @ 00:14

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