Anzeige
16. Januar 2014, 09:00
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

“Wir müssen den Wert der Vermittler deutlich machen”

Michael H. Heinz, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Versicherungskaufleute (BVK) im Cash.-Interview zu den Ursachen des Nachwuchsmangels in der Beraterschaft und Initiativen zur Lösung des Problems.

Nachwuchsmangel: Wir müssen den Wert der Vermittler deutlich machen

Michael H. Heinz, BVK-Präsident: “Die fortschreitende Regulierung wird zur Folge haben, dass der jetzt schon bestehende Mangel an Versicherungsvermittlern weiter ansteigt.”

Cash.: Verschiedene Studien besagen, dass etwa die Hälfte der Vermittler über 50 Jahre alt ist. Können Sie diese Altersstruktur bestätigen?

Heinz: Diese Zahl ist realistisch. Unsere BVK-Strukturanalyse, an der 1.683 Vermittler teilnahmen, bestätigt dieses Bild. Demnach sind rund 66 Prozent der Vermittler älter als 45.

Worin sehen Sie den Nachwuchsmangel begründet?

Dafür gibt es mehrere Gründe. Da ist zum einen der demographische Wandel, der dazu führt, dass es weniger junge Menschen gibt. Das betrifft alle Branchen. Hinzu kommen die hohen fachlichen und gesetzlichen Anforderungen, die unzureichende Vergütung, Eingriffe des Gesetzgebers durch die Provisionsdeckelung in der privaten Krankenversicherung in die Privatautonomie der Vermittler und schließlich das schlechte Image der Branche, das nicht zuletzt durch ideologiegesteuerte Angriffe von sogenannten Verbraucherschützern geschürt wird. Dazu trägt allerdings auch das nicht zu tolerierende Fehlverhalten einiger Marktteilnehmer bei.

Wie wirkt sich das schlechte Image der Branche auf den Nachwuchsmangel aus?

Das schlechte Image ist wahrhaftig kein Anreiz, als Versicherungsvermittler tätig zu werden. In der heutigen Zeit spielt das Image oft eine größere Rolle als die Fakten.

Wie wirkt sich die fortschreitende Regulierung ihrer Meinung nach auf die Nachwuchsfrage aus? 

Die gestiegenen dem Verbraucherschutz dienenden Qualifikationsanforderungen, die wir ausdrücklich unterstützen, stärken das Berufsbild des Vermittlers und wirken sich positiv auf dessen Image aus.

Aber die fortschreitende Regulierung und die damit einhergehende Einschränkung der unternehmerischen Freiheit durch den Gesetzgeber wird zur Folge haben, dass der jetzt schon bestehende Mangel an Versicherungsvermittlern weiter ansteigt. Und das wird – wie die von uns in Auftrag gegebene Studie der Professoren Dr. Matthias Beenken und Dr. Michael Radtke zeigt – erhebliche Auswirkungen insbesondere auf die private Absicherung des Alters haben.

Was könnten Ihrer Meinung nach geeignete Maßnahmen sein, um das Interesse junger Menschen zu wecken?

Wir müssen der Öffentlichkeit den Wert der Versicherungsvermittler deutlich machen. Deshalb startete der BVK schon vor über zwei Jahren das Projekt “Ehrbarer Kaufmann”, das allen Vermittlern eine zukunftsweisende Identifikationsplattform für ihre Berufsausübung verschaffte und gleichzeitig auf die bedeutende sozialpolitische Rolle der Versicherungsvermittler für das hohe Absicherungsniveau in Deutschland hingewiesen hat.

Als Fortführung wurde in einer zweiten Stufe der Verein Ehrbare Versicherungskaufleute e.V. (VEVK) gegründet, der hohe Anforderungen an die Mitgliedschaft stellt, wie unter anderem die Beibringung von zwei Bürgen, die Vorlage eines polizeilichen Führungszeugnisses und die Unterwerfung unter die Schiedsgerichtsbarkeit der Handelskammer Hamburg.

Ist Ihr Verband auch an weiteren Projekten beteiligt?

Neben diesem Projekt startete der BVK gemeinsam mit anderen Verbänden die Brancheninitiative “gut beraten”, die die laufende Weiterqualifizierung von Versicherungsvermittlern systematisch fördert und diese überprüfbar macht. Außerdem verabschiedete der BVK in diesem Herbst ein neues Berufsbild für Versicherungsvermittler, das die Berufsausübung an Prinzipien der Unabhängigkeit, Fairness, Qualifizierung und Ehrbarkeit ausrichtet.

Die BVK-Complianceregeln komplettieren diese Bemühungen, dem Berufsstand zu der Anerkennung und Achtung zu verhelfen, die ihm aufgrund seiner großen sozial- und gesellschaftspolitischen Bedeutung für die Absicherung des Alters und der Lebensrisiken zukommt.

Interview: Julia Böhne

Foto: BVK

Anzeige
Newsletter bestellen Top aktuell & kompakt! Werktags um 6.30 Uhr alle Versicherungs-News für Profis von Profis.

2 Kommentare

  1. super

    Kommentar von Schlechter — 16. Januar 2014 @ 12:09

  2. Ein Problem der Branche sind unseriöse Vermittler und Vertriebsmethoden:http://www.ardmediathek.de/einsfestival/doku-am-nachmittag/wenn-der-vermoegensberater-klingelt?documentId=19073330 ; MEG; AWD usw.
    Sie prägen das Bild. Die Politik muss in Folge mehr regulieren, weil es ihre Aufgabe ist, die Bürger zu schützen.
    “ideologiegesteuerte Angriffe von sogenannten Verbraucherschützern” Viele Bürger haben durch schlechte Beratung jahrelang hart erarbeitetes Geld verloren-das ist doch fast ein Dauerthema in den Medien. Mehr Transparenz, offener Umgang mit Problemen und Arbeit im Interesse des Kunden würden Verbraucherschützern die Luft aus den Segeln nehmen. Viele machen das, leider nicht alle.

    Kommentar von Mike — 16. Januar 2014 @ 09:47

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 11/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Biotech-Fonds – Kfz-Policen – Versicherungen für Wohneigentum – Family Offices

Ab dem 19. Oktober im Handel.

Cash.Special 2/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Herausforderungen 2018 – bAV-Reform – Elementarschadenversicherung – Digitale Geschäftsmodelle

Ab dem 24. Oktober im Handel.

Versicherungen

Hannover Rück erwartet 2018 größeren Ergebnissprung

Der weltweit drittgrößte Rückversicherer Hannover Rück will nach einer absehbaren Gewinndelle 2017 im kommenden Jahr wieder höher hinaus. “Es ist unwahrscheinlich, dass wir 2017 den Gewinn je Aktie steigern”, sagte Vorstandschef Ulrich Wallin am Donnerstag und verwies auf die absehbar hohen Schäden durch Wirbelstürme und Erdbeben.

mehr ...

Immobilien

Top-Bürostandorte: Flächenmangel gefährdet Entwicklung

Die Top-Standorte des deutschen Bürovermietungsmarktes haben sich 2016 dynamisch entwickelt. Der Marktbericht Büroimmobilien von Immobilienscout24 Gewerbeflächen hat untersucht, in welchen der Städt die Mieten und Umsätze am höchsten sind.

mehr ...

Investmentfonds

“Öl bleibt unser Lieblingsrohstoff”

Lohnt sich 2018 die Investition in Rohstoffe? Und sollten Anleger in Zeiten fallender Börsenkurse auf Gold setzen? Über diese Fragen hat Cash. mit Simon Lovat gesprochen, er ist Rohstoffanalyst und Teil des Teams um den Carmignac Portfolio Commodities Fonds.

mehr ...

Berater

Company Builder “Finconomy” startet in München

Finconomy ist ein Company Builder für Fin- und Insurtechs, der sich auf B2B-Geschäftsmodelle konzentriert. Das neue Unternehmen hat bereits drei Fintechs gegründet, die sich am Markt etablieren konnten. Bereits Anfang 2018 soll eine weitere Neugründung erfolgen.

mehr ...

Sachwertanlagen

ZBI schließt Fonds 10 und bringt Nachfolger

Die ZBI Fondsmanagement AG aus Erlangen hat den im vergangenen Jahr aufgelegten ZBI Professional 10 nach Ablauf der Zeichnungsfrist Ende September mit einem beachtlichen Volumen geschlossen und nahtlos den Nachfolger in die Platzierung geschickt.

mehr ...

Recht

IDD: Umsetzung könnte in Teilen verschoben werden

Wie der AfW – Bundesverband Finanzdienstleistung e.V. mitteilt, könnte sich der Umsetzungstermin von Teilen der europäischen Richtlinie Insurance Distribution Directive (IDD) verschieben. Die delegierten Rechtsakte sollen nach dem Willen des europäischen Parlaments demnach erst im Oktober 2018 in Kraft treten.

mehr ...