Rente mit 63: Kommt die Frühverrentungswelle?

Die abschlagsfreie Rente mit 63 könnte zu einer Frühverrentungswelle führen, sofern das Gesetzesvorhaben ähnliche Anreizwirkungen entfalte, wie vergangene Rentenreformen. Zu dieser Einschätzung kommt eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin.

Innenhof des DIW Berlin.

Arbeitsmarkt- und Rentenreformen der vergangen Jahrzehnte hätten einen großen Einfluss darauf, wie die Arbeitnehmer in Deutschland ihren Übergang in die Rente gestalteten, teilte das DIW gestern in Berlin mit.

„Als Möglichkeiten eines vorgezogenen Renteneintritts bestanden, hat ein Großteil der Anspruchsberechtigten diese auch wahrgenommen“, sagt DIW-Rentenexpertin Anika Rasner. Eine Einschränkung dieser Möglichkeiten führte zu deutlich späteren Renteneintritten, so Rasner.

Anteil der bis zur Regelaltersgrenze Erwerbstätigen droht abzunehmen

Zugleich betont die Expertin, dass eindeutige Schlussfolgerungen und Prognosen über die Auswirkungen des aktuell diskutierten Rentenpakets derzeit noch nicht möglich seien. „Die Rahmenbedingungen waren andere, die Lage am Arbeitsmarkt war sehr viel schlechter, aber das Rentenniveau lag deutlich höher.“

Sollte die abschlagsfreie Rente mit 63 jedoch ähnliche Anreizwirkungen entfalten wie frühere, in ähnliche Richtungen laufende Reformen, würde der Anteil der bis zur Regelaltersgrenze Erwerbstätigen – entgegen dem Trend der vergangenen Jahre – wieder abnehmen.

Besonders für die zukünftigen Rentner in Ostdeutschland werden die Zugangsmöglichkeiten laut DIW jedoch maßgeblich davon abhängen, ob und in welchem Umfang Phasen der Arbeitslosigkeit anerkannt werden. „Trotz einer umfänglichen Berücksichtigung von Kindererziehung und Pflegeleistungen werden westdeutsche Frauen nur in Ausnahmefällen anspruchsberechtigt sein“, so Rasner.

Größe der Anspruchsberichtigten schwer abzuschätzen

Wie groß die Gruppe der Anspruchsberechtigten der geplanten Rente mit 63 genau sein wird, ist Rasner zufolge schwer abzuschätzen: „Im Rentenzugangsjahr 2011 hätten – unter Berücksichtigung aller Zeiten von Arbeitslosigkeit – etwa 44 Prozent der Männer und 18 Prozent der Frauen die Voraussetzungen erfüllt.“ Diese Gruppe werde allerdings kleiner werden, so Rasner weiter, da es immer mehr „brüchige Erwerbsbiografien“ gebe und zudem nach aktueller Planung auch nur Zeiten von Arbeitslosengeld-I-Bezug angerechnet werden solle.

Da der vorzeitige abschlagsfreie Renteneintritt nur einer kleinen Gruppe ermöglicht werde, sieht Rasner keine Anzeichen für eine generelle Trendumkehr. „Das durchschnittliche Renteneinstiegsalter wird generell weiter steigen“, so die Expertin. (lk)

Foto: DIW Berlin

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