Anzeige
22. April 2014, 08:30
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Mehr Transparenz in der kapitalbildenden Lebensversicherung

Die Überschussbeteiligung in der kapitalbildenden Lebensversicherung (KLV) gleicht einer “black box” – niemand weiß mehr, wie der Versicherte an den Überschüssen beteiligt wird. Damit ist die bisher vom Gesetzgeber vorgegebene vertragsrechtliche Lösung gescheitert. Ein Plädoyer für den aufsichtsrechtlichen Ansatz als Alternative.

Gastbeitrag von Professor Dr. Hans-Peter Schwintowski, Humboldt-Universität zu Berlin

Überschussbeteiligung

“Wir brauchen ein Umdenken bei der kapitalbildenden Lebensversicherung. An die Stelle des Privatrechtsmodells sollte das sehr viel leichter handhabbare, weniger bürokratische aufsichtsrechtliche Modell treten.”

Die kapitalbildende Lebensversicherung ist ins Gerede gekommen – das liegt nicht nur an der nicht enden wollenden Niedrigzinsphase und der daraus resultierenden ständigen Absenkung des Garantiezinses, sondern auch daran, dass nach wie vor niemand weiß, wie man eigentlich an den Überschüssen beteiligt wird.

Niemand weiß, wie man an LV-Überschüssen beteiligt wird

Die Fragen sind so komplex, das sie selbst Fachleute kaum noch durchschauen. Da gibt es Regelungen im Aufsichtsrecht (Mindestzuführungsverordnung), die dafür sorgen, dass die Kunden zu 90 Prozent am Kapitalmarktergebnis beteiligt werden.

Sie bekommen 75 Prozent, wenn weniger Menschen versterben, als man kalkuliert hatte (das nennt man Risikoergebnis) und man beteiligt sie zu 50 Prozent, wenn man mit geringeren Kosten auskommt, als man bei Abschluss der Vertrages zugrunde gelegt hat.

Außerdem aber werden die Kunden auch an den Bewertungsreserven beteiligt, wenn sie den Vertrag beenden. Eine Bewertungsreserve kann entstehen, wenn die Aktie, die man für 100 Euro einmal gekauft hat, heute beim Beenden des Vertrages bei 200 Euro steht – dann soll der Kunde an dem Mehrwert (100 Euro) zu 50 Prozent beteiligt werden – so hat es der Gesetzgeber in das neue Versicherungsvertragsgesetz (VVG) (seit 1. Januar 2008) hineingeschrieben.

Interessenausgleich zwischen Kollektiv und Individuum

Der Gesetzgeber ist damit einer Anregung des Bundesverfassungsgerichtes aus dem Jahre 2005 gefolgt, wonach ein vernünftiger und fairer Interessenausgleich zwischen dem Kollektiv und dem Individuum herbeigeführt werden müsse. Soweit so gut.

Wenn man etwas genauer hinschaut, dann stellt man fest, dass Menschen, die das Kollektiv sehr früh, nämlich innerhalb der ersten fünf Jahre, verlassen, doch nicht an diesen Bewertungsreserven beteiligt werden – das, so ergab eine Anhörung der Grünen Fraktion kürzlich, beruhe auf einer Absprache zwischen den Versicherern und der Bafin.

Außerdem finde ein Interessenausgleich über die verschiedenen Töpfe statt, die die Versicherer während der Laufzeit der Verträge bilden – diese Töpfe tragen Bezeichnungen wie “freie und gebundene Rückstellungen für Beitragsrückerstattung (RfB)”.

Daneben gibt es eine sogenannte “Zinszusatzreserve“, die dazu dienen soll, dass auch in schlechten Zeiten (etwa ausgelöst durch die Finanzkrise) der Interessenausgleich zwischen Individuum und Kollektiv einigermaßen fair stattfindet, und ganz zum Schluss gibt es eine Schlussgewinnbeteiligung für die, die ihre Verträge bis zum Ende durchgehalten haben (das sind übrigens nur 20 Prozent aller Versicherten).

Seite zwei: Kompliziert und intransparent

Weiter lesen: 1 2 3

Newsletter bestellen Top aktuell & kompakt! Werktags um 6.30 Uhr alle Versicherungs-News für Profis von Profis.

2 Kommentare

  1. Ich glaube der Wunsch nach mehr Transparenz wird nie in Erfüllung gehen – Versicherungen und Vertreter leben schließlich ganz gut von der Intransparenz. Wenn die Verträge wirklich transparent wären dann bräuchte man all die Vermögensberater nicht mehr.

    Kommentar von Rolf — 24. April 2014 @ 00:06

  2. Wäre doch schön, wenn die Branche diesem Rat aus berufenem Munde folgen würde. Dann könnte LEBEN wieder mit Leben erweckt werden.

    Kommentar von Braun Frank L. — 23. April 2014 @ 13:23

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 8/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Durchstarter Indien – Führungskräfte absichern – Bausparen – US-Immobilien


Ab dem 20. Juli im Handel.

Cash. 7/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

US-Aktien – Unfallpolicen – Altersvorsorge – Ferienimmobilien

+ Heft im Heft: Cash.Special Vermögensverwaltende Fonds

Versicherungen

AfW begrüßt neues Fördermitglied

Wie der AfW – Bundesverband Finanzdienstleistung e.V. mitteilt, hat sich der Lebensversicherer Canada Life Assurance Europe dem Kreis der Fördermitglieder des Verbands angeschlossen. Die Gesellschaft ist demnach bereits seit dem 1. Mai 2017 Förderer des AfW.

mehr ...

Immobilien

Großstädte: Bevölkerungszahlen wachsen weiter – Wohnungsmangel bleibt

Die Einwohnerzahlen in den deutschen Großstädten legen weiter zu, so das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR). Mittlerweile lebten fast fünf Prozent mehr Menschen dort als noch im Jahr 2010. Dies habe Konsequenzen für die Wohnungspolitik.

mehr ...

Investmentfonds

Reformen in Argentinien als Balanceakt

Auf der Suche nach attraktiven Renditen ist seit Jahresbeginn viel Geld in die Schwellenländer geflossen. Zuletzt fand eine Anleihe Argentiniens mit einer Laufzeit von 100 Jahren reißenden Absatz. Das Reformprogramm von Präsident Mauricio Macri scheint erste Früchte zu tragen. Gleichzeitig ist noch ein weiter Weg zu gehen.

mehr ...
21.07.2017

Trendwende bei Gold

Berater

Conceptif meldet Erlösplus

Die Hamburger Conceptif-Gruppe hat eigenen Angaben zufolge im Geschäftsjahr 2016 von der anhaltend positiven Marktentwicklung bei privaten und gewerblichen Sachversicherungen profitiert. Demnach konnte die Gruppe deutliche Zuwächse bei den Umsatzerlösen und beim Ergebnis erzielen.

mehr ...

Sachwertanlagen

Fondsbeteiligung: Was geschieht bei Tod des Anlegers?

Das durchschnittliche Alter von Fondsinvestoren ist vergleichsweise hoch. Daher sind Erbfälle mit Anteilen an geschlossenen Fonds keine Seltenheit. Was geschieht jedoch mit einer Fondsbeteiligung im Todesfalle eines Anlegers?

mehr ...

Recht

Risiko Erben: Sehr früh an sehr viel später denken

In Deutschland werden laut einer aktuellen Studie immer größere Vermögenswerte an die nächste Generation übergeben. Eine Beschäftigung mit dem Thema sollte aber nicht bis zur allerletzten Minute aufgeschoben werden.

mehr ...