Zankapfel Zinszusatzreserve

Die finanzielle Belastung der deutschen Lebensversicherer durch die Zinszusatzreserve könnte in diesem Jahr auf acht bis zehn Milliarden Euro ansteigen. Dies ergaben Berechnungen der Ratingagentur Assekurata. Immer wieder streiten Versicherer und Verbraucherschützer über die gerechte Verteilung der Reserve-Mittel an die Kunden.

Die Vorsorgeverpflichtungen der Lebensversicherer zur Wahrung der Zinsgarantien steigen immer weiter an.

„Das Nachreservierungsvolumen für die Zinszusatzreserve hat sich deutlich erhöht“, erklärte Assekurata-Geschäftsführer Dr. Reiner Will gestern in Köln. „2013 wurden ihr branchenweit rund sieben Milliarden Euro zugeführt.“ 2012 hatte der Aufwand etwa fünf Milliarden Euro betragen. Als die Zinszusatzreserve 2011 verpflichtend eingeführt wurde, standen erstmalig 1,5 Milliarden zu Buche. Somit summieren sich die Mittel in der Zinszusatzreserve marktweit auf nunmehr etwa 13,5 Milliarden Euro. In diesem Jahr könnten noch einmal acht bis zehn Milliarden Euro hinzukommen, prognostiziert Assekurata.

BdV: Versicherer rechnen sich arm

Die Bildung der Zinszusatzreserve soll den Versicherern helfen, Niedrigzinsphasen auszugleichen und die garantierten Zinserträge der Kunden über viele Jahre hinweg zu sichern. Doch an der Ausgestaltung des Sicherheitspolsters regt sich immer wieder Kritik. So ließ der Bund der Versicherten (BdV) vor wenigen Tagen verlauten, dass sich die Versicherer „auf Kosten der Kunden arm rechnen“. Demnach erwirtschafte die Assekuranz trotz des schwachen Zinsniveaus immer noch hohe Gewinne mit ihren Kapitalanlagen. Diese würden in den Bilanzen aber verschleiert, sagt Axel Kleinlein, Vorstandssprecher des BdV.

Kleinlein bezieht sich in seiner Kritik auf die aktuelle Ausgabe der Verbraucherzeitschrift „Öko-Test“, die den Gesellschaften eine „ausgesprochen gute“ finanzielle Situation bescheinigt. Aus Sicht von Öko-Test führt die Zinszusatzreserve zu einer verzerrten Wahrnehmung der Kapitalausstattung der Versicherer. Da die Reserve aus Kapitalerträgen aufgebaut wird, müssten sie in der Bilanz eigentlich als Gewinn auftauchen, heißt es.

Stattdessen würde buchhalterisch so getan, als handle es sich bei diesen Mitteln „schon heute eine feste Zahlungsverpflichtung an den Kunden“, teilen die Verbraucherschützer vom BdV mit. Auf diese Weise sinke der Gewinn – was zu einer entsprechenden Kürzung der Überschussauszahlung an die Kunden führe. Zudem mindert die Zinszusatzreserve laut BdV auch den offiziell ausgewiesenen Gewinn – und damit die Steuerlast der Unternehmen.

GDV: Zinszusatzreserve dient der Reservenstärkung

Beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) wehrt man sich schon seit geraumer Zeit gegen die Kritik der Verbraucherschützer: „Die Zinszusatzreserve dient der vorausschauenden Reservenstärkung. Das heißt, es werden bereits jetzt Mittel zurückgestellt, auf die ein Versicherer zurückgreifen kann, um in späteren Jahren die Garantien zu finanzieren“, teilt ein GDV-Sprecher mit. „Die Zinszusatzreserve wird jährlich überprüft – erholt sich das Zinsniveau, wird die Zinszusatzreserve wieder aufgelöst und kommt dann dem Versichertenkollektiv vollständig zugute.“ Den Versicherten ginge somit kein Geld verloren, betont der GDV.

Assekurata sieht keine Anzeichen für größeren Zinsaufschwung

Doch die Aussichten auf eine rasche Erholung des Zinsniveaus und eine damit einhergehende Reduzierung der Zinszusatzreserve bleiben düster. So sehen die Analysten der Assekurata „derzeit keine signifikanten Anzeichen für einen größeren Zinsaufschwung an den Kapitalmärkten„. Der Aufwand für die Zinszusatzreserve bleibe daher – unter Beibehaltung der bisherigen Referenzzinsmethodik – groß, schlussfolgert Experte Will.

In der gestern vorgestellten Assekurata-Studie „Überschussbeteiligung 2014“ heißt es ergänzend: „Bei Fortgang der politisch gestützten Niedrigzinspolitik und Ausbleiben eines politischen Entgegenkommens wären mit weiter sinkendem Referenzzins auch über 2014 hinaus umfangreiche Zinsreserven zu stellen“. (lk)

Foto: Shutterstock

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