Aktuare fordern Lockerung bei Zinszusatzreserve

Unter dem Druck niedriger Zinsen fordern Mathematiker von Versicherungen, einen vor vier Jahren eingeführten Kapitalpuffer für die Lebensversicherung langsamer aufzufüllen.

Die Vorsorgeverpflichtungen der Lebensversicherer werden zunehmend zum Kraftakt.

Es geht um die sogenannte Zinszusatzreserve. „Sie ist ein wenig des Guten zu viel“, sagte Johannes Lörper, Vorstandsmitglied der Deutschen Aktuarvereinigung, am Mittwoch in Berlin und kündigte Änderungsvorschläge an.

Tempo und Ausmaß des Zinsverfalls unterschätzt

Lörper versprach: „Die Lebensversicherung wird nicht weniger sicher.“ Wieviel die Versicherer zurücklegen, hängt von einem Referenzzins ab, der stärker sinkt als erwartet. „Wir haben uns vollkommen vertan über das Tempo und das Ausmaß dieses Zinsverfalls“, bekannte Lörper. 2014 lag die Reserve bei 21,2 Milliarden Euro. Sinke der Referenzzins weiter wie zuletzt, würden 2022 mehr als 100 Milliarden Euro nötig.

Puffer für Niedrigzinsphase

Die Zinszusatzreserve wurde geschaffen, um in der Niedrigzinsphase einen Puffer aufzubauen, der die Verpflichtungen der Unternehmen für die Kunden sicherstellen soll. Dieser Puffer soll langfristig die Lücke zwischen den zugesagten Garantien und dem sogenannten Referenzzins – einem an der aktuellen Kapitalmarktentwicklung orientierten Zins – schließen.

Referenzzins wird weiter sinken

Schon heute ist absehbar, dass der Referenzzins in den kommenden Jahren weiter extrem sinken wird. Während er im Jahr 2012 noch bei 3,64 Prozent lag, ging er 2013 auf 3,41 Prozent und im vergangenen Jahr auf 3,15 Prozent zurück. Bisher wurde für das Jahr 2015 ein Absinken auf 2,95 Prozent erwartet, tatsächlich wird der Referenzzins vermutlich sogar unter 2,9 Prozent fallen.

Für 2018 wird auf Basis der heutigen Zinsniveaus ein Referenzzins von unter zwei Prozent prognostiziert, im Jahr 2022 sogar von unter einem Prozent. Dieser Verfall des Referenzzinssatzes führt zu einem extremen Anstieg der Zinszusatzreserve.

Versicherungswirtschaft unterstützt DAV-Forderung

Die Forderung der DAV nach einem langsameren Aufbau der Zinszusatzreserve stößt beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) auf Zustimmung. Es sei nur folgerichtig, erklärte GDV-Präsident Dr. Alexander Erdland am Abend, „wenn man den Aufbaumechanismus für die Zinszusatzreserve an die künstlich veränderten Bedingungen anpasst“.

Zwar sei die Zinszusatzreserve „ein grundsätzlich sinnvolles Instrument zur Absicherung langfristiger Garantien“, so Erdland, es sei allerdings „in einem völlig anderen Zinsumfeld“ konzipiert worden – „die extrem expansive Geldpolitik und der resultierende Zinsverfall waren seinerzeit nicht absehbar.“

Quelle: dpa-AFX und Cash.

Foto: Shutterstock

 

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