Anzeige
Anzeige
29. April 2015, 17:20
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Aktuare fordern Lockerung bei Zinszusatzreserve

Unter dem Druck niedriger Zinsen fordern Mathematiker von Versicherungen, einen vor vier Jahren eingeführten Kapitalpuffer für die Lebensversicherung langsamer aufzufüllen.

Zinszusatzreserve in Aktuare fordern Lockerung bei Zinszusatzreserve

Die Vorsorgeverpflichtungen der Lebensversicherer werden zunehmend zum Kraftakt.

Es geht um die sogenannte Zinszusatzreserve. “Sie ist ein wenig des Guten zu viel”, sagte Johannes Lörper, Vorstandsmitglied der Deutschen Aktuarvereinigung, am Mittwoch in Berlin und kündigte Änderungsvorschläge an.

Tempo und Ausmaß des Zinsverfalls unterschätzt

Lörper versprach: “Die Lebensversicherung wird nicht weniger sicher.” Wieviel die Versicherer zurücklegen, hängt von einem Referenzzins ab, der stärker sinkt als erwartet. “Wir haben uns vollkommen vertan über das Tempo und das Ausmaß dieses Zinsverfalls”, bekannte Lörper. 2014 lag die Reserve bei 21,2 Milliarden Euro. Sinke der Referenzzins weiter wie zuletzt, würden 2022 mehr als 100 Milliarden Euro nötig.

Puffer für Niedrigzinsphase

Die Zinszusatzreserve wurde geschaffen, um in der Niedrigzinsphase einen Puffer aufzubauen, der die Verpflichtungen der Unternehmen für die Kunden sicherstellen soll. Dieser Puffer soll langfristig die Lücke zwischen den zugesagten Garantien und dem sogenannten Referenzzins – einem an der aktuellen Kapitalmarktentwicklung orientierten Zins – schließen.

Referenzzins wird weiter sinken

Schon heute ist absehbar, dass der Referenzzins in den kommenden Jahren weiter extrem sinken wird. Während er im Jahr 2012 noch bei 3,64 Prozent lag, ging er 2013 auf 3,41 Prozent und im vergangenen Jahr auf 3,15 Prozent zurück. Bisher wurde für das Jahr 2015 ein Absinken auf 2,95 Prozent erwartet, tatsächlich wird der Referenzzins vermutlich sogar unter 2,9 Prozent fallen.

Für 2018 wird auf Basis der heutigen Zinsniveaus ein Referenzzins von unter zwei Prozent prognostiziert, im Jahr 2022 sogar von unter einem Prozent. Dieser Verfall des Referenzzinssatzes führt zu einem extremen Anstieg der Zinszusatzreserve.

Versicherungswirtschaft unterstützt DAV-Forderung

Die Forderung der DAV nach einem langsameren Aufbau der Zinszusatzreserve stößt beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) auf Zustimmung. Es sei nur folgerichtig, erklärte GDV-Präsident Dr. Alexander Erdland am Abend, “wenn man den Aufbaumechanismus für die Zinszusatzreserve an die künstlich veränderten Bedingungen anpasst”.

Zwar sei die Zinszusatzreserve “ein grundsätzlich sinnvolles Instrument zur Absicherung langfristiger Garantien”, so Erdland, es sei allerdings “in einem völlig anderen Zinsumfeld” konzipiert worden – “die extrem expansive Geldpolitik und der resultierende Zinsverfall waren seinerzeit nicht absehbar.”

Quelle: dpa-AFX und Cash.

Foto: Shutterstock

 

Anzeige

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 7/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

US-Aktien – Unfallpolicen – Altersvorsorge – Ferienimmobilien

+ Heft im Heft: Cash.Special Vermögensverwaltende Fonds


Ab dem 22. Juni im Handel erhältlich.

Cash. 6/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Berufsunfähigkeitsversicherung –Investitionen am Zweitmarkt –Personalplanung – Zweitmarkt

+ Heft im Heft: Cash.Special Investmentfonds

Versicherungen

IT-Jobs in der Assekuranz: Fachkräfte verzweifelt gesucht

Die Digitalisierung der Versicherungsbranche ist in vollem Gange. Um die technische Entwicklung der Assekuranz voranzutreiben, werden IT-Experten wie Informatiker und Programmierer benötigt. Wie haben sich die offenen Stellen in diesen Bereichen in den letzten zwei Jahren entwickelt?

mehr ...

Immobilien

Eigentümer bleibt die Stadt

Kontinuierlich steigende Grundstückspreise und verschärfte Regulierungen arbeiten gegen steigende Wohneigentumsquoten. Eine gute Alternative könnte ein Recht sein, das zwar seit 1919 besteht, aber in Vergessenheit geraten zu sein scheint.

mehr ...

Investmentfonds

China ist größtes Risiko

Larry Hatheway, Group Head GAM Investment Solutions und Chefökonom beim Asset Manager GAM, hält die globale konjunkturelle Erholung für intakt, sorgt sich aber über die wirtschaftliche Entwicklung Chinas.

mehr ...

Berater

Nottestament: Gefahr der Unwirksamkeit

Der Wirksamkeit eines Nottestaments, auf das zurückgegriffen werden kann, wenn der Testierende sich in unmittelbarer Todesgefahr befindet, sind sehr enge Grenzen gesetzt. Ist es ungültig, gilt die gesetzliche Erbfolge – und diese ist nicht immer im Sinne des Erblassers.

mehr ...

Sachwertanlagen

BFH zur Tonnagesteuer: Neue Belastung für Schiffsfonds

Zinserträge eines Schiffsfonds aus der Anlage überschüssiger Liquidität fallen nicht unter die günstige “Tonnagesteuer”. Das gilt jedenfalls in der Investitionsphase, wenn spätere Baupreisraten zunächst angelegt werden, entschied der Bundesfinanzhof (BFH).

mehr ...
26.06.2017

Das Erbe des BSI

Recht

Entscheidung im Streit um Kündigungsklausel verschoben

Nach der heutigen Verhandlung im Streit um die Kündigungsklausel in Bausparverträgen kündigte das Landgericht Karlsruhe ein Urteil im Spätsommer an. Geklagt hatte die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg gegen die Bausparkasse Badenia. Verfahren gegen weitere Institute stehen noch an.

mehr ...