Studie: Versicherer fürchten Online-Vergleichsportale

Versicherer betrachten Online-Vergleichsportale momentan als die größte Bedrohung für ihr Geschäftsmodell, ergab eine aktuelle Studie. Demnach will rund ein Drittel der Gesellschaften der wachsenden Konkurrenz begegnen, indem sie Kooperationen in diesem Bereich anstrebt.

Es gärt im traditionellen Versicherungsvertrieb: Jüngst hat der Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute (BVK) Klage eingereicht gegen die aus Sicht des Verbands wettbewerbswidrigen Aktivitäten des Online-Vergleichsportals Check24 – dem Marktführer in Deutschland.

Vier von zehn (41 Prozent) befragte Führungskräfte gaben an, Online-Vergleichsportale als große Bedrohung für ihr Geschäftsmodell anzusehen, reine Online-Direktversicherer stellen mit einem Anteil von 23 Prozent das zweithäufigste Bedrohungsszenario dar. Dies teilte die Business- und IT-Beratung Q_Perior auf Basis einer Befragung von mehr als 150 Führungskräften aus Erst- und Rückversicherungen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz mit. Die Studie wurde in Kooperation mit dem Institut für Wirtschaftsinformatik der Frankfurt School of Finance & Management durchgeführt.

Versicherer setzen auf Kooperationen

Um sich der Konkurrenz zu stellen, ergreifen einige Versicherer gewissermaßen die Flucht nach vorn und engagieren sich selbst auf dem Gebiet der Vergleichsportale. Rund ein Drittel der Studienteilnehmer gab laut Q_Perior an, im kommenden Jahr eine Kooperation mit einem Vergleichsportal eingehen zu wollen. 18 Prozent erwägen eine Beteiligung, weitere elf Prozent ein Eigeninvestment.

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„Verhaltenes Interesse an der Realisierung digitaler Geschäftsmodelle“

Insgesamt zeigten die Versicherer im deutschsprachigen Raum „ein verhaltenes Interesse“ an der Realisierung digitaler Geschäftsmodelle, berichten die Studienmacher. So würde die überwiegende Mehrheit diesbezüglich 2016 noch keine konkreten Aktivitäten planen, heißt es.

„Um in den kommenden Jahren im Markt zu bestehen, müssen sich die Verantwortlichen den Herausforderungen durch digitale Wettbewerber stellen und bei der Realisierung digitaler Geschäftsmodelle deutlich aktiver sein und kalkulierte Risiken eingehen“, sagt Walter Kuhlmann, Partner und Versicherungsexperte bei Q_Perior.

Q_Perior: Bedeutung der Online-Vergleichsportale nimmt weiter zu

Die Ergebnisse bestätigten, fahren die Studienmacher fort, dass sich die Versicherer „weiterhin schwer tun, sich konsequent und nachhaltig“ auf das veränderte Kundenverhalten und die Diversifizierung von Produkten und Geschäftsmodellen einzustellen. Kuhlmann erwartet, dass die Bedeutung der Online-Vergleichsportale in den kommenden Jahren „für einzelne Versicherungsprodukte und Kundentypen weiter zunehmen wird“.

Versicherer müssten sich daher entscheiden, so der Experte, ob sie beispielsweise flexible und kosteneffiziente „Produktfabriken“ für diverse bestehende und neue Kanäle, wie auch Onlineportale, sein wollten, oder, ob sie Kundenorientierung, Individualität und komplexe Produkte „für bestimmte anspruchsvollere Kundengruppen in den Vordergrund stellen“. (lk)

Foto: Shutterstock

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