17. Mai 2016, 08:15
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“Die Diskussion um einen späteren Renteneintritt ist sinnvoll”

Professor Thomas Dommermuth, Steuerberater und Vorsitzender des Beirats des Instituts für Vorsorge und Finanzplanung, spricht über Vor- und Nachteile der Produkte für die Zielgruppe 50plus und erläutert, was er von einem späteren Renteneintritt hält.

Die Diskussion um einen späteren Renteneintritt ist sinnvoll

Thomas Dommermuth: “Verbesserungsbedarf sehe ich darin, dass auch in der Rentenphase kapitalmarktorientiert angelegt werden sollte.”

Cash.: Verfügt die Versicherungsbranche bereits über die geeigneten Produkte für die Best Ager, um als selbstbewusster Wettbewerber der Banken auftreten zu können?

Dommermuth: Die Produkte sind meines Erachtens konkurrenzfähig. In jeder der drei Schichten können Sie neben den versicherungsförmigen auch kapitalmarktorientierte Produkte im Gewand einer Lebens- oder Rentenversicherung erwerben. Verpacken Sie Investmentfonds in einem Versicherungsmantel, hat dies im Gegensatz zum reinen Fonds sogar noch Steuervorteile, da die Steuerpflicht der Leistung erst bei Zufluss entstehen wird.

Darüber hinaus können Sie bei einem Versicherungstarif die später zur Anwendung kommenden biometrischen Rechnungsgrundlagen teilweise bereits heute einkaufen; würden Sie hingegen einen reinen Fonds ansparen, um aus seinem späteren Veräußerungserlös eine Leibrente zu erwerben, ginge ein Teil der Performance für den dann wohl ungünstigeren Rentenfaktor verloren, was den Steuernachteil noch verschärfen würde. Verstehen Sie mich nicht falsch: Beide Produktwelten haben ihre Vor- und Nachteile. Ich sehe daher eine volle Berechtigung und einen Anreiz für beide Welten.

Wo sehen Sie bei den Versicherungsprodukten gegebenenfalls noch Verbesserungsbedarf?

Verbesserungsbedarf sehe ich darin, dass auch in der Rentenphase kapitalmarktorientiert angelegt werden sollte. Bei Verrentungszeiträumen von über 20 Jahren und den aktuell sehr niedrigen Zinsen wäre dies sinnvoll. Reformbedarf sehe ich zudem bei den rechtlichen Rahmenbedingungen: Ich halte es für völig falsch, dass eine Basisrente keine Kapitaloption ermöglicht. Auch wäre es meines Erachtens überhaupt kein Problem, den engen Hinterbliebenenkreis bei jener Vorsorgeform über Ehegatten und Kinder hinweg auszudehnen.

In der betrieblichen Altersversorgung wäre eine Absenkung des steuerbilanziellen Rechnungszinses unter die gegenwärtigen unsäglichen sechs Prozent dringend geboten. Darüber hinaus sollte man die Unterstützungskasse auch für echte kapitalmarktorientierte Produkte öffnen, Beitragsschwankungen und damit zum Beispiel die Entgeltumwandlung mit Tantiemen zulassen und sie damit aus der Steinzeit herausholen und zeitgemäß ausgestalten.

Seite zwei: “Finanzierungsstress bei der privaten Vorsorge würde abnehmen

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2 Kommentare

  1. Die Berechnung am Ende des Beitrages erachte ich als “weltfremd”.

    100€ mtl. bei 1,5% über 17 Jahre ergibt ein Guthaben von 23.220€

    Anm.: ein bekannter deutscher Lebensversicherer erzielt bei diesem Rahmenbedingungen und bei aktuellem Garantiezins gerade mal 19.809€. Das sind MINUS 0,35% (geschuldet u.a. auch den Vertragskosten).

    Sollte es hier wirklich 100€ Rente geben, entspräche das einen Rentenfaktor von 43€ je 10.000€ Guthaben. Üblich ist jedoch ein Faktor von 29-34.
    Bei einem Rentenfaktor von 33 läge die Rente dagegen nur bei 76,62€.

    Bei 2% Inflation (EZB-Ziel) entspräche das einer heutigen Kaufkraft von 54,72€.

    Vernachlässigt man die Inflation hat der Sparer dennoch erst nach 22 Jahren sein eingezahltes Kapital zurück.

    Um bei einem Rentenfaktor von 33 auf 100€ Rente zu kommen wäre eine Rendite von 4,4% notwendig.

    Es führt kein Weg daran vorbei, dass entweder die Risikobereitschaft steigt oder die Zinsen wieder auf ein “normales” Niveau steigen.

    Den Zahlen eines Interviewpartners ungeprüft abzudrucken kann fatale Folgen für künftige Finanzentscheidungen haben.

    Kommentar von M. W. Beyer — 18. Mai 2016 @ 16:48

  2. Ich gehöre zu der Altersgruppe. Mir ist es egal, ob ich mit 67 Jahren 100€ oder mit 70 Jahren 133€ bekomme. Für diese mickrige Leistung vertraue ich doch nicht 100€ jahrelang einer Versicherung Bank oder sonstigen Institution an!!

    Kommentar von H. Braun — 18. Mai 2016 @ 07:05

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