„Die bKV ist ein sehr direkter Benefit“

Michael Braun, Leiter Health Insurance bei der Unternehmensberatung Mercer Deutschland, erklärt im Interview, wie es um die betriebliche Krankenversicherung (bKV) in Deutschland bestellt ist. Nachholbedarf sieht der Berater vor allem bei der bKV-Implementierung und der Vertragsführung.

„Der bKV-Markt wird sich daher sehr positiv entwickeln – was folgerichtig ist, wenn wir berücksichtigen, dass bereits heute die Belegschaften älter werden und die Fachkräfte doch möglichst gesund im Unternehmen gehalten werden sollen.“

Cash.: Viele Unternehmen hadern mit einer Entscheidung zu Gunsten einer bKV-Lösung. Was sind die Gründe hierfür?

Braun: Oft liegt dies schlicht an einer fehlenden Kenntnis darüber, welche Möglichkeiten eine bKV-Lösung bietet und welche positive Wirkung diese bei den Mitarbeitern entfalten kann. Zudem befürchten Arbeitgeber einen höheren Administrationsaufwand durch die Implementierung und Verwaltung. Durch Auswahl geeigneter Produktlösungen von serviceorientierten Versicherern lassen sich diese Bedenken jedoch schnell entkräften.

Natürlich verlangt eine solide bKV-Lösung auch ein gewisses Investment und das dafür nötige Budget. Wir sehen bei einigen unserer Kunden aber Potenzial für das Abschneiden alter Zöpfe bei den Nebenleistungen. Mittel können so viel effizienter für attraktivere Benefits eingesetzt werden.

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Die angebotenen bKV-Konzepte der Versicherer unterscheiden sich zum Teil deutlich. Welche Ansätze kommen bei den Unternehmen gut an, welche weniger?

Die bKV ist ein sehr „direkter“ Benefit, der bei den Mitarbeitern gut sichtbar ist und sofort einen konkreten Mehrwert bietet. Wichtig ist Mitarbeitern und Unternehmen, dass auf eine Gesundheitsprüfung verzichtet wird und im Idealfall auch laufende Behandlungen abgedeckt sind. Die Tarifgestaltung muss transparent sein und Familienangehörige sollten einfach hinzuversichert werden können. Wenn ein Mitarbeiter aus dem Unternehmen ausscheidet, sollten zudem Möglichkeiten zur Weiterversicherung bestehen. Und schließlich legen Arbeitgeber großen Wert auf fachlich kompetente Beratung bei der Auswahl des Versicherers, der Implementierung der Verträge und der laufenden Betreuung.

Und wo hakt es noch?

Die technische und organisatorische Unterstützung bei der Implementierung und insbesondere der Vertragsführung lässt bisweilen zu wünschen übrig. Erfahrungsgemäß fehlt vielen Beratern auch die nötige Fach- und Praxiskenntnis und die Unternehmen vermissen echte Vergleichsmöglichkeiten für bKV-Produkte. Gibt es dann auch noch kein erkennbares Gesamtkonzept oder ist die Tarifgestaltung zu kompliziert, hat die bKV einen schweren Stand.

Welche Entwicklung trauen Sie dem bKV-Markt in Deutschland zu?

Die bKV ist in vielen Ländern eine unumgängliche Nebenleistung. Da wir aber in Deutschland ein vergleichsweise leistungsstarkes GKV-Paket haben wird die Notwendigkeit einer bKV oft noch in Frage gestellt. Doch die Vorteile sind so bestechend, dass wir bereits jetzt eine stark erhöhte Nachfrage feststellen. Der bKV-Markt wird sich daher sehr positiv entwickeln – was folgerichtig ist, wenn wir berücksichtigen, dass bereits heute die Belegschaften älter werden und die Fachkräfte doch möglichst gesund im Unternehmen gehalten werden sollen. Wie stark aber das Wachstum ausfällt, hängt von drei Faktoren ab: Erstens der Investitionsbereitschaft der Unternehmen in die Gesundheit ihrer Mitarbeiter, zweitens der weiteren Leistungsentwicklung in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) sowie drittens einer eventuellen steuerlichen Förderung für die bKV.

Interview: Lorenz Klein

Foto: Mercer

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