Chef der Rentenversicherung: „Alterssicherung braucht ein gewisses Maß an Kontinuität“

Dr. Axel Reimann, Präsident der Deutschen Rentenversicherung Bund, hat angesichts der Debatte um eine Reform der gesetzlichen Rentenversicherung vor „Schnellschüssen“ gewarnt. Die bisherigen Pläne zu einer „Deutschland-Rente“ sieht Reimann skeptisch.

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Axel Reimann: „Natürlich muss die Rentenversicherung immer wieder an die veränderten Rahmenbedingungen angepasst werden. Vor Schnellschüssen kann ich dabei aber nur warnen“

Alterssicherung sei eine langfristige Angelegenheit, die „ein gewisses Maß an Kontinuität“ benötige, sagte Reimann der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV), die das Gespräch am Donnerstag in ihrer Verbandszeitschrift „Aktuar Aktuell“ (34/2016) veröffentlicht hat.

Vom Beginn des Anwartschaftserwerbs bis zum Ende der Rentenbezugsphase vergingen oft sechs oder sieben Jahrzehnte, sagte der Chef der Rentenversicherung und betonte, dass es den Versicherten nicht zuzumuten sei, „hier alle zehn Jahre grundlegende Richtungswechsel vorzunehmen“.

Reimann: Rentenpolitik nicht kurzfristig ausrichten

„Natürlich muss die Rentenversicherung immer wieder an die veränderten Rahmenbedingungen angepasst werden. Vor Schnellschüssen kann ich dabei aber nur warnen“, so Reimann. „Ich halte wenig davon – und es ist auch dem Vertrauen der Menschen in die Alterssicherung wenig förderlich – wenn man die Rentenpolitik kurzfristig ausrichtet und grundlegende Reformen im Abstand weniger Jahre aufruft.“

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Skeptisch äußerte sich der Mathematiker und Wirtschaftswissenschaftler zur aktuellen Diskussion um die sogenannte Deutschland-Rente. Was bislang zum Modell der Deutschland-Rente bekannt und publiziert worden sei, so Reimann weiter, ermögliche nach seinem Dafürhalten noch keine Einschätzung. „Eigentlich ist nur bekannt, dass Teile des Lohnes der Arbeitnehmer in einen Deutschlandfonds fließen und zu einem erheblichen Anteil am Aktienmarkt angelegt werden sollen. Welche Leistungen sie daraus erwarten können, ist bislang nirgends gesagt worden.“

Deutschland-Rente: Reimann sieht „unzureichende Informationsbasis“

Weiter gab Reimann zu bedenken, dass die vorliegenden Vorschläge zur Deutschland-Rente „nicht einmal eine Aussage dazu enthalten, welche Art von Leistungen vorgesehen sind: Altersrenten, Invaliditätsabsicherung, Hinterbliebenenschutz – oder nichts von alledem?“ Es werde nur gesagt, so Reimann, dass niemand für eine Mindestleistung garantieren solle.

„Auf einer solchen Basis kann ich diesen Vorschlag nicht ernsthaft beurteilen – und kann mir auch nicht vorstellen, dass bei einer so unzureichenden Informationsbasis viele Arbeitnehmer Teile ihres Einkommens in einen solchen Fonds einzahlen würden“, resümierte der Präsident der Deutschen Rentenversicherung Bund. (lk)

Foto: Deutsche Rentenversicherung

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