Anzeige
Anzeige
19. Januar 2016, 13:50
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Deutschlandrente: Schwarz-grüner Vorstoß aus Hessen

Für die einen ist es ein “neues marktfernes und gemeinwohlorientiertes Modell”, streng marktwirtschaftlich orientierte Kritiker versteigen sich zum Vorwurf einer beabsichtigten “Zwangsrente”. Was so unterschiedliche Reaktionen auslöst, ist ein aus der schwarz-grünen Koalition in Hessen von den drei Staatsministern Al Wazir, Schäfer und Grüttner kommender Vorschlag, eine “Deutschlandrente” ins Leben zu rufen.

Die Weirich-Kolumne

Deutschlandrente: Schwarz-grüne Richtungsanzeige künftiger Rentenpolitik

Professor Dieter Weirich: “Auch wenn der Vorschlag der Deutschlandrente bis 2017 nicht verwirklicht wird, so sollte man die Initiative aus Hessen ernst nehmen und als eine Richtungsanzeige für die Rentenpolitik einer eventuellen künftigen schwarz-grünen Verbindung auf Bundesebene sehen.”

Das erstaunlich gut harmonierende Bündnis der Ökopartei mit der als konservativ geltenden Hessen-Union profiliert sich damit erstmals auch auf dem bundespolitischen Parkett. Die wachsende Gefahr von Altersarmut und die abnehmende Attraktivität bestehender Produkte wie der Riester- oder auch Rürup-Rente veranlasste das Trio aus dem Kabinett Bouffier, eine neue kapitalgedeckte Deutschlandrente als Ergänzung zur privaten und betrieblichen Vorsorge anzuregen.

Im Mittelpunkt steht ein neues, gesetzlich geregeltes Standardprodukt

Im Mittelpunkt steht ein neues, gesetzlich geregeltes Standardprodukt. Arbeitnehmer sollen neben der gesetzlichen Rente künftig automatisch eine ergänzende Vorsorge aufbauen. So soll der Arbeitgeber im Normalfall direkt Beiträge an einen “Deutschlandfonds” überweisen, in den nach gesetzlich definierten Anlagekriterien das für Millionen von Arbeitnehmern angesammelte Vorsorgekapital verwaltet wird. Nur Arbeitnehmer, die ausdrücklich beantragen, nicht mit von der Partie sein zu wollen, könnten aussteigen (Opt out).

Der Fonds könnte dann von der gesetzlichen Rentenversicherung zum Selbstkostenpreis verwaltet werden. Schon bei der Etablierung der Riester-Rente gab es freilich diese Diskussion. Die gesetzliche Rentenversicherung forderte damals zunächst, das Management der neuen Anlageform zu übernehmen, um später unter Hinweis auf ihre Überforderung abzuwinken. Der damalige Arbeitsminister hätte nichts dagegen gehabt. Ein Grund für die immer mehr schwindende Anziehungskraft der Riester-Rente sehen allerdings viele Betrachter in der bisweilen schwer überschaubaren und oft nicht einfach genug erklärten Vielfalt der Riester-Produkte, die mit hohen Vertriebskosten verbunden seien.

“Vaterländisch und teuer”

Mit dem anspruchsvollen Titel Deutschlandrente haben die Verfasser semantische Offensivkraft bewiesen. Zwar gibt es den Begriff längst für ein Rentenprodukt, das – so die Werbung – den Vorsorgegedanken mit einem Bonusprogramm verknüpft. Mit einem frei wählbaren Betrag ab mindestens 30 Euro kann man an einem Bonusprogramm mit über 380 Partnern teilnehmen und bei jedem Einkauf so über die Online-Shopwelt zusätzlich seine Rente verbessern. Wen kümmern aber so kleingestrickte urheberrechtliche Bedenken der Namensgebung, wenn es um weitschauende Lösungsmodelle für ein sorgenfreies Leben im Alter geht.

Roland Tichy, Präsident der Ludwig-Erhard-Stiftung und stets streitbarer Publizist, klingt der Titel zu “vaterländisch und da wird’s in der Regel sehr teuer”, so der XING-Herausgeber. Er sieht in dem neuen Modell nichts anderes als eine auf “dem Lohnzettel versteckte Zwangsrente” und fragt, warum eine neue Rente funktionieren soll, “wenn schon Riester und Rürup verbockt” wurden. Andere Kritiker sehen schwarz-grünen Paternalismus am Werke.Arbeitnehmer sollten mit sanftem Zwang zu ihrem staatlich verordneten Glück gezwungen werden.

Seite zwei: Glückliches Norwegen

Weiter lesen: 1 2 3

Anzeige

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 6/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Berufsunfähigkeitsversicherung –Investitionen am Zweitmarkt –Personalplanung – Zweitmarkt

+ Heft im Heft: Cash.Special Investmentfonds

Ab dem 26. Mai im Handel erhältlich.

Cash.Special 1/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Best Ager – Rentenversicherungen – Riester-Rente – betriebliche Krankenversicherung


Ab dem 18. Mai im Handel erhältlich.

Versicherungen

Verdi will Warnstreiks

Vor der dritten Tarifrunde für die private Versicherungsbranche hat die Gewerkschaft Verdi die Beschäftigten auch in Niedersachsen und Bremen zu Warnstreiks aufgerufen. Damit will die Gewerkschaft am Dienstag den Druck auf die Arbeitgeber erhöhen.

mehr ...

Immobilien

Risikomanagement bei Immobilienprojekten: Verband fordert einheitliche Standards

Der Bau-Monitoring-Verband (BMeV) fordert einheitliche nationale Standards beim Risikomanagement in der Projektfinanzierung. Dies könne einem deutlichen Anstieg der Kosten für Immobilienprojekte entgegen wirken.

mehr ...

Investmentfonds

Weitere Kürzung der Ölfördermengen spielt Putin in die Karten

Die Opec hat entschieden, ihre Kürzungen bei den Ölförderungen auszuweiten. David Donora, Leiter des Rohstoffbereiches bei Columbia Threadneedle Investments, sieht darin unter anderem einen Vorteil für das Nicht-Mitglied Russland.

mehr ...

Berater

Mehr Durchblick bei vermögensverwaltenden Fonds

Die MMD Multi Manager GmbH hat sich seit Jahren den Themen Transparenz und Vergleichbarkeit für Vermögensverwaltende (VV) Produkte verschrieben. Die MMD-Indexfamilie wird mit Hilfe des IT-Dienstleisters Cleversoft erweitert und vertieft.

mehr ...

Sachwertanlagen

Qatar und Saudi Arabien gehen bei Hapag-Lloyd an Bord

Die Reederei Hapag-Lloyd meldet den Vollzug der im Juli 2016 vereinbarten Fusion mit der arabischen Reederei UASC. Damit ändert sich auch die Aktionärsstruktur des Hamburger Traditionsunternehmens signifikant.

mehr ...

Recht

Kfz-Schadenregulierung: Vorsicht bei Verjährung

Wer Leistungen gegen einen Kfz-Haftpflichtversicherer geltend macht, sollte berücksichtigen, dass eine Verjährungsfrist von drei Jahren gilt. In einem aktuellen Urteil verlor ein Kläger vor dem Bundesgerichtshof, der sich mit der Verjährung verkalkuliert hatte.

mehr ...