29. Oktober 2015, 16:44
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Riester und Diesel – zwei Namen, ein Schicksal?

Der jüngst aufgedeckte Volkswagen-Skandal erschüttert den Ruf einer genialen Konstruktion – des Dieselmotors. Dass die Reputation eines einst gelobten Produktes schnell ruiniert werden kann, erlebte die Assekuranz im Zuge der schädlichen Debatte um die Riester-Rente. Höchste Zeit für eine Ehrenrettung.

Gastbeitrag von Frank Nobis, Institut für Vorsorge und Finanzplanung

Frank-Nobis Bildschirmfoto-2015-10-29-um-16 14 07-Kopie in Riester und Diesel – zwei Namen, ein Schicksal?

“Die Riester-Rente ist hinsichtlich der Rendite für den Sparer nahezu unschlagbar.”

Wer Diesel fährt, ist ein Stinker, ein unverbesserlicher Umweltverschmutzer – natürlich nicht, denn wer genauer hinsieht, erkennt sehr schnell die wirklichen Vorteile des von Rudolf Diesel im Jahre 1892 hervorragend konstruierten Dieselmotors, ein technisches Wunderwerk, das stetig weiterentwickelt wurde. Doch wer will sich heute schon gerne dem Vorwurf aussetzen, ein Auto zu fahren, das nur auf dem Papier sämtliche (Umwelt-)Standards erfüllt?

Dynamik bei der Riester-Rente

Eine erstaunlich ähnliche Konstellation sehen wir in der Finanzbranche bei der Riester-Rente. Das mit dem Altersvermögensgesetz im Jahre 2002 eingeführte Produkt wurde zwar mit Kinderkrankheiten eingeführt; nach deren Ausbesserung im Jahre 2004 aber erlebte das als private Ergänzung zur gesetzlichen Rente gedachte Produkt eine niemals zuvor gesehene Dynamik. Knapp 16,5 Millionen Verträge stehen im 3. Quartal 2015 zu Buche.

Allerdings geriet dieser Motor seit Ende 2011 ganz gewaltig ins Stocken. Warum? Just zu diesem Zeitpunkt wurde im Wochenbericht des DIW – Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung – eine Studie zum zehnjährigen Jubiläum der Riester-Rente veröffentlicht. Die Studie ist grundsätzlich nicht zu verurteilen, beauerlicherweise wurden nur die schlechtesten Szenarien medial verarbeitet. Die Rendite einer Riester-Rente ohne Berücksichtigung der staatlichen Förderung zu berechnen, ist schon sehr eindimensional.

Absturz der geförderten Altersvorsorge

Zitate wie “Die Riester-Rente ist so schlecht wie ein Sparstrumpf” verfehlten ihre Wirkung nicht. Es ist ja nur zu verständlich, dass nahezu jede Publikation diese Anklagen mit Genuss aufgriff und die Leser damit nachhaltig verunsicherte. Das Bedrohliche an dieser Kampagne ist allerdings, dass nicht nur die Riester-Rente leidet, sondern alle Formen der Altersvorsorge unter Generalverdacht gerieten. Die zur Vermeidung der Altersarmut so notwendige Vorsorge erleidet seit Jahren eine tiefe Vertrauenskrise. Die anhaltende Niedrigzinsphase und weitere Negativschlagzeilen schlugen weiterhin in die Kerbe und führen immer weiter zum Niedergang der geförderten Altersvorsorge.

Sicherlich ist auch bei der Riester-Rente nicht alles Gold, was glänzt. Die Produktvielfalt ist immens und immer wieder fällt in den Ratings auf, dass Anbieter Kosten zu hoch ansetzen, etwa bei vorzeitiger Kündigung, teils intransparent sind – auch aufgrund unverständlicher Texte in den Bedingungen –, teils aber auch nur schwache Renditen aufgrund einer mangelhaften Kapitalanlagekompetenz ausweisen. Ähnlich wie beim VW-Skandal müssen diese Schwachpunkte aufgedeckt und angeprangert werden. Die komplette Branche und damit die Konstruktion zu verurteilen, ist hingegen nicht zielführend.

Seite zwei: Riester-Rente: Ein lukratives Produkt

Newsletter bestellen Top aktuell & kompakt! Werktags um 6.30 Uhr alle Versicherungs-News für Profis von Profis.

1 Kommentar

  1. Sehr schöner Beitrag; Allerdings müßten am “Riester” noch ein paar Reparaturen und Modernisierungen durchgeführt werden, dann schnurrt er so richtig…

    Kommentar von Nils Fischer — 30. Oktober 2015 @ 12:38

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 05/2018

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Arbeitskraftabsicherung – Private Equity – Büroflächenmangel – Datenschutz

Rendite+ 1/2018

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Marktreport Sachwertanlagen – Windkraft – Vermögensanlagen – Bitcoin & Co.

Ab dem 22. März im Handel.

Versicherungen

Google: “Nicht der Kern unserer DNA“

Cash. sprach mit Jan Meessen, Industry Manager Insurance bei Google Deutschland, über die Unterstützung der Versicherungskonzerne bei der digitalen Transformation, einen möglichen Einstieg ins Versicherungsgeschäft und persönliche Beratung für “Digital Natives“.

mehr ...

Immobilien

Scheidung und Hausverkauf: Finanzielle Verluste vermeiden

Lassen sich Paare mit Immobilieneigentum scheiden, stehen sie vor der Frage, was mit dem Haus oder der Wohnung geschieht. Der Immobiliendienstleister McMakler gibt Tipps, welche Schritte Paare unternehmen sollten, um finanzielle Verluste zu vermeiden und zu einer sinnvollen Lösung zu kommen.

mehr ...

Investmentfonds

Die Volatilität ist zurück

Mit der Verunsicherung der Anleger bleibt auch die Volatilität an den Märkten. Doch Auslöser für die Schwankungen ist nicht allein Unsicherheit. Die Volatilität bleibt, aber das ist nicht unbedingt ein schlechtes Zeichen und Anleger können sich zudem schützen.

mehr ...

Berater

Deutsche Bank: IT-Vorstand Kim Hammonds tritt zurück

Der Vorstandsumbau bei der Deutschen Bank geht weiter: Nach nur gut eineinhalb Jahren in der Topetage verlässt IT-Vorstand Kim Hammonds das größte deutsche Geldhaus, wie das Institut am Mittwochabend in Frankfurt mitteilte.

mehr ...

Sachwertanlagen

Umbau von Aktionärsstruktur und Aufsichtsrat abgeschlossen

Die Lloyd Fonds AG teilt mit, dass die im März angekündigten Änderungen in ihrer Aktionärsstruktur nun umgesetzt und die üblichen Vorbehalte aufgehoben wurden. Zudem wurde der Aufsichtsrat mehrheitlich neu besetzt.

mehr ...

Recht

Immobilienkauf: Notartermin platzt – kein Schadensersatz

Der Bundesgerichtshof (BGH) hat mit seinem Urteil vom 13. Oktober 2017 – AZ.: V ZR 11/17 – die Haftung eines potenziellen Verkäufers einer Eigentumswohnung bei einem geplatzten Notartermin nur in Ausnahmefällen bejaht.

Gastbeitrag von Oliver Renner, Rechtsanwälte Wüterich Breucker

mehr ...