„Wir müssen ein bisschen radikaler sein“

„Wie viel Garantie darf es sein?“, fragte Dr. Johannes Lörper, Vorstand der Ergo Lebensversicherung, zu Beginn seines Vortrags auf der 10. Jahrestagung „Strategiemeeting Lebensversicherungswirtschaft“ des „Handelsblatts“ in Köln. Seine Antwort fiel deutlich aus.

Dr. Johannes Lörper, Mitglied des Vorstandes, Ergo Lebensversicherung
Johannes Lörper, Ergo: „Ich fürchte, wenn wir für unsere Branche neue, vernünftige Dinge entwickeln wollen, müssen wir ein bisschen radikaler sein.“

„Mit einem Höchstrechnungszins von 0,9 Prozent kommen die Versicherer zu marktüblichen Kosten eigentlich schon nicht mehr hin. Da wird man etwas tun müssen“, beschrieb der Ergo-Vorstand am vergangenen Mittwoch die gegenwärtige Situation einer Branche, die fest im Nullzinsumfeld steckt. Selbst wenn die Kosten der Gesellschaften in Zukunft halbiert werden könnten, was aus Sicht Lörpers ein „riesiger Schritt“ sei, würden klassische Garantiekonzepte „eigentlich nicht mehr hinhauen“. „Das muss man klar so sagen“, betonte der Rheinländer. „Wenn es keine Zinsen mehr gibt, gibt es natürlich auch keine Garantien mehr über 100 Prozent.“

„Die unmodifizierte Klassik ist sicherlich tot“

Hoffnungen auf eine baldige Besserung der Lage konnte oder wollte der Versicherungsmathematiker nicht verbreiten: Selbst wenn die Zinsen in Zukunft wieder ansteigen, werde es Lörper zufolge sehr lange dauern, bis ein Klassik-Produkt wieder entsprechende Renditen brächte. „Die unmodifizierte Klassik ist sicherlich tot in der heutigen Zeit“, schlussfolgerte der Ergo-Mann.

„Eine Beitragserhaltgarantie ist schon zu hoch“

Anhand von Rechenbeispielen erklärte Lörper sodann: „Garantien nehmen Performance weg.“ Solange die Lebensversicherer im Wesentlichen festverzinslich anlegten, wofür es gute Gründe gäbe, wie der Vorstand betonte, sei das so. „Die Frage ‚wie viel Garantie darf es sein?‘ können wir so beantworten: Eine Beitragserhaltgarantie ist schon zu hoch“, so Lörper, „wenn man noch eine vernünftige Performance haben will“, wie der promovierte Aktuar – wohl auch zur Beruhigung mancher anwesender Kollegen – hinterherschob.

Wie sieht das Altersvorsorgeprodukt der Zukunft aus?

Das Altersvorsorgeprodukt der Zukunft, dass Lörper seinen Zuhörern gewissermaßen erläuterte, werde einerseits „geringere Kosten haben müssen“, andererseits eine lebenslängliche Rente beinhalten – alles andere sei „keine Altersvorsorge“ betonte der Experte. „Der tröstliche Teil für uns Versicherer ist: Das können nur wir.“

Seite zwei: „Wir müssen ein bisschen radikaler sein.“

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